Teilen:

„Mehr Polizei und Grenzen dicht“

© André Braun

In Döbeln haben sich zwei Kandidaten der AfD vorgestellt. Zumindest weiß man jetzt, wogegen sie sind.

Von Jens Hoyer

Döbeln. Die Ortsgruppe der Alternative für Deutschland (AfD) hatte sich zwei Bundestagsabgeordnete ihrer Partei nach Döbeln eingeladen. Prominent der eine, weniger prominent der andere. Jens Maier (55), geboren und aufgewachsen in Bremen, Richter am Landgericht in Dresden, war in den vergangenen Wochen mit seiner Äußerung vom „Schuldkult“ im Ballhaus Watzke in Erscheinung getreten. Der andere, Heiko Hessenkemper (61), Professor an der Bergakademie Freiberg, sitzt für die AfD im Mittelsächsischen Kreistag.

Während bei der AfD-Veranstaltung mit der Ex-Grünen Antje Hermenau im September auch ein paar Linke mit im Publikum saßen, und so etwas wie eine Diskussion mit konträren Meinungen zustande kam, blieb die AFD mit ihren Anhängern diesmal weitgehend unter sich. Die beiden Kandidaten sprachen lange von dem, was ihrer Meinung nach in Deutschland schief läuft, immer wieder unterbrochen von kräftigem Zwischenapplaus – womit sie schon mal eine Stoßrichtung vorgaben. Allerdings erfuhren die Gäste wenige darüber, was die beiden denn konkret vorhaben, wenn sie denn in den Bundestag einziehen. Maier hat den zweiten Platz auf der Landesliste und damit durchaus Chancen, gewählt zu werden. Im Ballhaus Watzke hatte er vor Björn Höcke, dem auch in den eigenen Reihen umstrittenen Rechtsaußen der AfD, gesprochen. „Mit gefangen, mit gehangen“, meint er. Die AfD hatte nach der Ballhausrede ein Ausschlussverfahren gegen Höcke eingeleitet. Maier geht das zu weit. „Man sollte nicht mit Parteiordnungsverfahren um sich schießen. In der AfD sollte es erlaubt sein, über alles zu diskutieren.“ Die Rede sei in Teilen der AfD aber nicht gut angekommen, gibt er zu. Ein Gast der Veranstaltung kritisierte: „Höcke hat von einer Wendung in der Erinnerungskultur um 180 Grad gesprochen. Das geht mir zu weit.“

Kriminalität und Umverteilung von Sozialleistungen durch Ausländer ist das große Thema Maiers. Die Verschärfung des Strafrechts für Einbruchsdiebstahl begrüßt der Richter im Grunde. „Aber das wird nichts ändern. Die Polizei hat nicht die Kapazitäten, gegen die Einbrecherbanden zu ermitteln.“ Man könne auch nicht Leute, die ihr ganzes Leben lang gearbeitet haben, bei der sozialen Absicherung mit anderen gleichstellen, die „mit dem Gummiboot über das Mittelmeer geschippert sind“, so Maier. „Wenn die kritische Masse erreicht ist, wird der Sozialstaat nicht mehr zu finanzieren sein.“ Die Forcierung der Einwanderung sei das Unsozialste überhaupt. Sein Fazit: „Grenze zu, da muss man Härte zeigen.“ Wie er das machen will, das sagte Maier nicht.

Der im Ruhrgebiet geborenen Heiko Hessenkemper ist Direktkandidat der AfD in Mittelsachsen und von seiner Partei auf Listenplatz sechs gesetzt. Er hat die „linksfaschistoide“, „politisch-medialen Klasse“ als Feindbild angenommen – die da besteht aus Politikern, Medien, Unternehmern und Gewerkschaften. Die Einwanderung sieht er als ein Versuch der „Umvolkung“, um linkes Wählerpotenzial zu gewinnen. Der AfD-Kandidat propagiert zur Steuerung der Einwanderung das „australische Modell“. „Wer dort keine Papiere hat, wird sofort abgeschoben.“ Hessenkemper sieht alle als Verbündete, die wie er denken und auf dem Boden der Verfassung stehen. „Der Dialog zwischen Pegida und der AfD ist nicht getrennt. Auch wenn AfD-Mitglieder dort nicht reden dürfen“, sagte Hessenkemper. Im Übrigen wolle man über dieses Redeverbot beim Landesparteitag an diesem Wochenende diskutieren.