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Mehr rechts motivierte Angriffe

Bedroht, geschlagen oder eingeschüchtert - Angriffe aus der rechten Szene nehmen in Ostdeutschland zu, besonders stark in Sachsen. Eine Opferberatung schlägt jetzt Alarm.

© dpa

Berlin. In Ostdeutschland ist nach Einschätzung der Opferberatung Reachout die Zahl rechts motivierter Angriffe stark gestiegen. Die Beratungsstellen dokumentierten 2013 insgesamt 737 solcher Gewalttaten mit mindestens 1.086 direkt Betroffenen, wie am Donnerstag mitgeteilt wurde. Das sei ein Anstieg um rund 18 Prozent gegenüber 2012 (626 Angriffe). Dies sei eine besorgniserregende Entwicklung. Statistisch komme es im Osten Deutschlands zu zwei rechten Angriffen pro Tag.

Mit 223 Fällen wurden demnach die meisten rechten und rassistischen Gewalttaten in Sachsen gezählt. Es folgen Berlin (185), Sachsen-Anhalt (116), Brandenburg (85), Mecklenburg-Vorpommern (83) und Thüringen (45). Fast die Hälfte aller dokumentierten Angriffe waren laut Reachout rassistisch motiviert.

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Großer Anstieg in Sachsen

Nur in Brandenburg und Thüringen ging die Zahl rechter Angriffe leicht zurück. In Sachsen stellte das Beratungsprojekt hingegen einen Anstieg um 43 Prozent fest. In Mecklenburg-Vorpommern gab es nach einer gesunkenen Zahl von Fällen im Jahr 2012 wieder ähnlich viele Fälle wie zuvor. In Sachsen-Anhalt nahmen die Angriffe um 10 Prozent zu.

64 Prozent der Gewalttaten stufte Reachout als Körperverletzung ein; 27 Prozent waren demnach massive Bedrohung, versuchte Körperverletzung oder Nötigung. Sieben Angriffe wurden als schwere Körperverletzung oder versuchtes Tötungsdelikt eingestuft. Für seine Statistik wertet Reachout Mitteilungen der Polizei sowie Medienberichte aus. Auch Meldungen von Zeugen und Opfern fließen in die Übersicht ein.

Bei einigen Angriffen hätten Staatsanwaltschaft und Polizei keine rassistischen Motive erkannt, hieß es. Dies sei ein zentrales Problem im Umgang mit Betroffenen rechter Gewalt, sagte Sprecher Robert Kusche.

Der Verein gehe davon aus, dass seine Dokumentation rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt dazu beitrage, das Dunkelfeld zu erhellen, so der Sprecher. Das gesellschaftliche Klima gegen Flüchtlinge oder Andersdenkende werde rauer. (dpa)