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Sachsen

Mehr Sachsen wollen in die Pflegeberufe

Die Corona-Krise hat Pflegeberufe wieder ins Bewusstsein gerückt. Der Bedarf an Fachkräften ist hoch, das Interesse aber auch - und die Ausbildung ist reformiert.

© Oliver Berg/dpa (Symbolbild)

Dresden/Chemnitz. Das Interesse an den Pflegeberufen nimmt in Sachsen weiter zu. Laut der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit in Chemnitz haben im vergangenen Jahr 3.600 Schulabgänger eine Ausbildung begonnen. Das waren gut 400 mehr als 2018. Mehr als jeder zweite von ihnen (58 Prozent) entschied sich dabei für die Altenpflege als Fachgebiet. Mit 37 Prozent auf 159 Anfänger fiel die Steigerung in der Kinderpflege und mit rund 20 Prozent auf 2.080 Anfänger in der Altenpflege besonders deutlich aus. Den Angaben zufolge werden in Sachsen derzeit 9.088 Jugendliche in einem Pflegeberuf ausgebildet. 2019 gab es 1.953 Absolventen: 1.048 Altenpfleger, 819 Krankenpfleger und 86 Kinderpfleger.

Die Arbeitsagentur erwartet, dass der Zulauf zu den Pflegeberufen anhält. Vor allem während der Corona-Krise habe deren Wertschätzung zugenommen, sagte die Sprecherin Kristin Huwe. Zudem habe die Neuregelung der Ausbildung, die Anfang des Jahres in Kraft getreten sei, den Beruf attraktiver gemacht. Dabei wird nicht mehr zwischen Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger unterschieden. Es gibt nur noch den "Pflegefachmann" oder die "Pflegefachfrau", eine Spezialisierung erfolgt später.

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Die Berufschancen für gut ausgebildete Pfleger sind laut Arbeitsagentur exzellent. Aktuell gibt es demnach gut 900 freie Stellen in der Altenpflege - bei 154 arbeitslos gemeldeten Fachkräften. In den vergangenen zwölf Monaten habe es durchschnittlich 197 Tage gedauert, ehe eine freie Stelle neu besetzt werden konnte. "Jeder arbeitslosen Altenpflegefachkraft stehen etwa sechs freie Stellen gegenüber", sagte Huwe. Auch in der Gesundheits- und Krankenpflege gebe es einen deutlichen Überschuss an freien Stellen. Jeder Bewerber könne theoretisch zwischen drei Angeboten wählen.

Nicht so gut sieht es für Hilfskräfte aus. Laut Arbeitsagentur entfallen etwa 490 gemeldete freie Stellen auf 1.709 arbeitslose Altenpflegehelfer. "Auch in der Gesundheits- und Krankenpflege gibt es im Helferbereich deutlich mehr arbeitslose Menschen als freie Stellen", sagte Huwe. "Ein Qualifikation lohnt sich also." Arbeitsagentur und Jobcenter können dabei mit einer Förderung helfen.

Es muss sich aber noch mehr ändern

Aus Sicht des Sächsischen Pflegerates sei die Ausbildung attraktiver geworden, sagte der Vorsitzende Michael Junge. "Die allermeisten Auszubildenden erhalten eine angemessene Vergütung, das Bewusstsein für eine gute Ausbildung hat sich spürbar erhöht." Auch in der Altenpflege gebe es hervorragende Ausbildungsbetriebe.

Um den Bedarf an Fachkräften decken zu können, muss sich Junge zufolge jedoch noch mehr ändern. So müsse ein allgemein akzeptiertes Verfahren für die Personalbemessung der Unternehmen gefunden werden, um die Arbeitsbelastung zu begrenzen. Es müsse verlässlichere Dienstpläne geben, besseren Gesundheitsschutz, eine deutlich höhere Grundvergütung und mehr Geld für Schichtarbeit und Feiertagsarbeit. Die akademische Pflegeausbildung müsse verstärkt und mehr Abiturienten für den Beruf gewonnen werden. Da gebe es noch immer zu wenige Studienplätze an Hochschulen.

An der Evangelischen Hochschule in Dresden gibt es ab dem Wintersemester einen Bachelor-Studiengang "Pflege". Der Professor für Pflegewissenschaft, Thomas Fischer, rechnet mit guter Nachfrage. Ob die Corona-Krise das Interesse steigere, werde sich möglicherweise in einem Jahr zeigen. "Entscheidungen für ein Studium werden eher längerfristig getroffen." Zwei weitere Studiengänge sind berufsbegleitend und richten sich an Bewerber mit Berufserfahrung. (dpa) 

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