merken

Mehr Verkehrstote auf dem Land als in der Stadt

Außerhalb von Ortschaften ist nicht nur das Risiko schwerer Unfälle höher, es gibt auch weniger Alternativen zum Auto.

© Symbolbild: dpa

Von Gunnar Saft

Dresden. Auf sächsischen Straßen sind immer mehr Fahrzeuge unterwegs und doch konnte die Polizei für das vergangene Jahr einen Tiefstand vermelden. Mit 147 Verkehrstoten war deren Zahl im Freistaat so niedrig wie noch nie. Ein Problem gibt es aber weiterhin: So sterben in den Landkreisen bei Unfällen deutlich mehr Verkehrsteilnehmer als in den großen Städten.

Mit nur vier Menschen, die getötet wurden, war Dresden 2017 in der Kategorie die mit Abstand sicherste Stadt im Land – und das, obwohl es in der Landeshauptstadt gleichzeitig absolut zu den meisten Verkehrsunfällen gekommen war. In Chemnitz starben im gleichen Zeitraum sechs Verkehrsteilnehmer und in Leipzig zehn.

In den meisten Landkreisen mussten dagegen deutlich höhere Opferzahlen beklagt werden. Im Kreis Leipzig kam es mit 21 Verkehrstoten sogar zu mehr Todesfällen als in den drei sächsischen Metropolen Dresden, Leipzig und Chemnitz zusammen. Ähnlich hoch lag die Zahl der Unfallopfer auch in den Landkreisen Nordsachen (18) sowie Mittelsachsen (17).

Der Landtagsabgeordnete Enrico Stange (Linke) hatte der Staatsregierung zuletzt mehrere parlamentarische Anfragen zum Unfallgeschehen in Sachsen gestellt. Er vermutet mehrere Gründe hinter der unterschiedlichen regionalen Verteilung. „Die ohnehin kürzeren Wege in den Großstädten können gerade für ältere und jüngere Menschen auch nachts und an Wochenenden mit einem deutlich besseren ÖPNV-Angebot zurückgelegt werden. Die Möglichkeit haben viele Menschen auf dem Land nicht. Sie sind auf das Auto angewiesen.“

Zudem verweist er darauf, dass die unangepasste Geschwindigkeit nach wie vor zur häufigsten Unfallursache im Straßenverkehr gehört. Gerade in Städten würden aber seltener tödliche Geschwindigkeiten erreicht. „Ein Auffahrunfall mit 30 oder 40 km/h ist allgemein wesentlich ungefährlicher als mit 130 km/h.“ Stange fordert vom Freistaat, sich stärker auf die Situation einzustellen. „Wir brauchen auch in ländlichen Regionen attraktive ÖPNV-Strukturen und -Angebote. Und dazu auf Landstraßen, Bundesstraßen und Autobahnen wirksame und verhaltensändernde Geschwindigkeits- und Abstandskontrollen.“

Auch das Innenministerium sieht in höheren Fahrgeschwindigkeiten außerhalb von Ortschaften ein größeres Risiko für tödliche Unfälle. Dazu komme es in Städten häufiger zu Vorfahrtsunfällen oder Unfällen mit Fußgängern, während es sich in den Landkreisen oft um Unfälle durch Fahrfehler inklusive dem Abkommen von der Fahrbahn handelt. Über notwendige Präventions- und Kontrollmaßnahmen entscheide die jeweilige Polizeidirektion mit der örtlichen Verkehrsunfallkommission.