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Mehrheit für Radverkehr auf Neugasse

In absehbarer Zeit werden wohl Radler in beiden Richtungen über die Neugasse fahren. Aber es gibt Bedingungen.

© Claudia Hübschmann

Von Marcus Herrmann

Meißen. Ist es verkehrsrechtlich möglich, dass der Radverkehr auf der Einbahnstraße Neugasse demnächst in beide Richtungen rollt? Oder ist dies nur eine nett gemeinte aber unrealistische Idee? Seit über einem Jahr wird diskutiert. Nicht nur innerhalb der Bürger der Stadt und deren Verwaltung. Auch in der extra berufenen AG Radverkehr sowie im Stadtrat.

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Wie in diesem Bild könnte die Markierung für Radfahrer bald auch auf der Meißner Neugasse aussehen.
Wie in diesem Bild könnte die Markierung für Radfahrer bald auch auf der Meißner Neugasse aussehen. © Gesellschaft für Verkehrswesen

Am vergangenen Mittwoch tagte nun die AG öffentlich im Großen Ratssaal. Wichtigster Gast war Markus Enke, Diplom-Ingenieur und Mitarbeiter im Landesinstitut „Gesellschaft für Verkehrswesen und ingenieurtechnische Dienstleistungen“. Als Experte für verkehrsrechtliche Angelegenheiten berät die GmbH unter anderem das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). Für den in Betracht gezogenen Teil zwischen Roßmarkt und Stiftsweg, so Enke, sei eine Aufhebung der Einbahnstraßenführung für Radfahrer möglich und auch sicher. Die SZ sagt, warum das so ist, stellt die dafür nötigen Bedingungen vor und erklärt, wie es nun weiter geht.

Die Voraussetzungen: Tempo 30 und gute Sicht an Engstellen

Allgemein nannte Enke mehrere Bedingungen, die laut StVO für den der Einbahnstraße entgegengesetzten Radverkehr erfüllt werden müssen. Maßgeblich dafür sei die Richtlinie für Anlagen von Stadtstraßen (RASt). So darf die Geschwindigkeit der Autofahrer 30 km/h nicht überschreiten. Es dürfe nicht zu viele Engstellen geben und an diesen dürfe die Sicht von Radfahrern und Autofahrern aufeinander nicht beeinträchtigt sein. „Außerdem muss die Straße dort maximal 3,50 Meter breit sein, wo sich die Verkehrsteilnehmer begegnen“, so Enke. Im Wesentlichen träfen die Bedingungen auf die Neugasse zu. Die Breite der Straße beträgt sechs Meter, sodass ausreichend Platz für einen Fahrradschutzstreifen, Parkflächen für Pkw und die Fahrbahn vorhanden ist. Eine Anregung aus der AG Radverkehr lautete: „Wir müssen unbedingt die Knotenpunkte am Hahnemannsplatz, Roßmarkt und Nicolaisteg klar regeln und gut beschildern. Ist hier die Verkehrsführung nicht eindeutig strukturiert, wird es nichts werden.“ Diesem stimmte Enke ausdrücklich zu.

Die Varianten: Experte empfiehlt Fahrradschutzstreifen

Für den beidseitigen Radverkehr auf der Neugasse empfiehlt Enke einen Fahrradschutzstreifen. Die gestrichelte Markierung muss laut RASt mindestens einen Meter breit sein und 75 Zentimeter von den fahrenden Autos entfernt. Der Schutzstreifen hätte den Vorteil, dass er von Pkw oder Lkw überfahren werden darf. Somit werden etwa das Be- und Entladen auf der Neugasse weiter möglich sein. Alternativ wäre auch ein Radfahrstreifen mit durchgezogener roter Linie möglich. Dieser dürfte aber nicht überfahren werden. „Somit spricht mehr für die Variante Radschutzstreifen“, sagte Markus Enke.

Die Sicherheit: Studien belegen Vorteile der Öffnung in beide Richtungen

Seit 2001 gäbe es Rückmeldungen von rund 900 Kommunen, die Radverkehr entgegen der Einbahnstraße praktizierten. Viele sind in Studien festgehalten worden, so Enke. Dabei kam heraus, dass von 2300 für Radler freigegebenen Einbahnstraßen nur 25 als problematisch galten. Am Beispiel der Stadt Köln zeigte der Verkehrsforscher, dass auf den 200 geöffneten Einbahnstraßen jährlich lediglich 13 Unfälle passieren. Zudem komme es weniger oft zu Unfällen mit Schwerverletzten. „Wenn das Regelwerk eingehalten wird, gilt eine Öffnung als sicher“, resümierte Markus Enke.

Die Haltung der AG Radverkehr: Die Neuerung macht Stadt attraktiver

Frank Buchholz aus der AG sagte, dass es für den zunehmenden Radverkehr unverantwortlich wäre, diesen nicht beidseitig über die Neugasse zu führen. „Das macht Meißen auf einen Schlag urbaner und touristenfreundlicher.“ Andere Mitstreiter sehen für aus dem Triebischtal kommende Radfahrer gar keine andere Möglichkeit. Bisher müsse man aus dieser Richtung kommend, auf die vielbefahrene S 177 ausweichen oder illegal die Neugasse entlang radeln. CDU-Stadtrat Nico Riefling sprach sich ebenso für beidseitigen Radverkehr aus. „Wir sollten das Gros der Autos über den Neumarkt und die Poststraße führen, nicht über die Neugasse.“

Der Ausblick: Stadt ist am Zug. Bürger sollen informiert werden

Der Ausbau der Neugasse läuft. Deshalb werde sich die Stadt, bei der die Entscheidung liege, nun zeitnahe positionieren, sagte Bürgermeister Markus Renner. Das dafür erarbeitete Konzept des Verkehrsplaners solle der Bürgerschaft möglichst rasch via Internet und Amtsblatt gezeigt werden.