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Mein Haus, mein Auto, mein Kreditproblem

Die Rushhour-Generation will alles – und dann auch noch alt werden.

Von Julia Kilian

Nach dem Studium ein Auto von den ersten Gehältern, später das Haus für die Kleinfamilie. Wer nach der Ausbildung in den Beruf startet, auf den kommen in den nächsten Jahren wichtige Entscheidungen zu. Das zeigt sich bei Menschen zwischen 25 und 45 Jahren auch auf dem Konto. „Man hat höheren Finanzbedarf“, sagt Karsten John von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). „Und der wird natürlich auch über Kredite bedient.“

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Nach Angaben der Auskunftei Schufa müssen Menschen in dem Alter in der Regel mehr Kredite abzahlen als andere. Jeder Fünfte stottert einen Ratenkredit ab, zum Beispiel um ein Auto zu finanzieren. Im Bundesdurchschnitt ist es nur etwa jeder Sechste. Und mit dem Alter werden auch die geliehenen Summen größer: Liegt der durchschnittliche Ratenkredit der 25- bis 29-Jährigen noch bei 6 200 Euro – sind es in der Gruppe der 40- bis 44-Jährigen fast 2 300 Euro mehr. Hinter Ratenkrediten steckten oft Konsumwünsche, berichtet ein Schuldnerberater von der Arbeiterwohlfahrt Berlin: „Man wünscht sich ein neues Auto oder braucht eines, man kreditiert Möbel oder Haushaltsgeräte.“ Im Alter zwischen 25 und 45 kämen auch einige auf die Idee, sich selbstständig zu machen. „Das ist mit erheblichen Risiken verbunden.“ Wer seine Kredite mit dem eigenen Geld auf lange Sicht nicht zurückzahlen kann, gilt als überschuldet. Laut Auskunftei Creditreform waren davon im vergangenen Herbst bundesweit 6,6 Millionen Menschen betroffen.

Aber dauerhaft in den Miesen? Das ist vielen 25- bis 45-Jährigen eher fremd. Die Schufa sieht keine Anzeichen dafür, dass die Gruppe leichtfertig mit Geld umgeht. Drei von vier sind in ihrem Leben noch nie in finanzielle Schwierigkeiten gekommen, die sie durch einen Kredit gelöst haben, ergab eine GfK-Befragung von 500 Menschen in dem Alter. Claudia Kurzbuch von der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung hat den Eindruck: „Sie lassen sich nicht mehr bequatschen oder unterschreiben blindlings.“ Ähnlich verantwortungsbewusst sind übrigens die meisten Deutschen. Laut Schufa wurden 2013 nahezu alle Ratenkredite nach Plan zurückgezahlt.

Doch mit einem Kredit für Waschmaschine oder Auto ist es oft nicht getan. Die 25- bis 45-Jährigen planen noch weiter. Laut GfK-Befragung hat fast jeder Vierte in den vergangenen fünf Jahren in Haus oder Eigentumswohnung investiert, vor allem die Älteren in der Gruppe.

Nach Ansicht von John kommt auf die Generation noch eine weitere Herausforderung zu: die Altersvorsorge. In der Befragung der Konsumforscher gaben 86 Prozent der Interviewten an, eine private Rentenversicherung zu haben. „Das fand ich in der Untersuchung sehr überraschend: Dass das Thema Altsein, Altwerden schon einen so hohen Stellenwert hat“, sagt er.

Soziologen nennen die Phase zwischen 25 und 45 Jahren auch die „Rushhour des Lebens“. In dieser Zeit legen Menschen die Grundsteine für ihr Berufs- und Privatleben, müssen mitunter Karriere und Familie vereinbaren. „Diese Entscheidungen machen eben das Leben anstrengend“, erklärt John. Dass heute Arbeitsverträge kürzer seien, man für den Job öfter umziehen müsse, mache auch finanzielle Entscheidungen schwerer. „Das ist das, was diese Generation stärker belastet als vergleichbare Generationen vorher“, sagt John. (dpa)