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„Mein Kampf“ in sächsischen Schulen

70 Jahre lang war der Nachdruck von „Mein Kampf“ verboten. Jetzt kommt eine wissenschaftlich kommentierte Fassung auf den Markt. Diese könnte auch in sächsischen Schulen im Unterricht eingesetzt werden.

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© dpa

Dresden. Die neue kommentierte Fassung von Hitlers „Mein Kampf“ kann als historische Quelle im Unterricht an Sachsens Schulen verwendet werden. Das Kultusministerium mache neben Büchern, die Teil des Lehrstoffs sind, sowie Literaturempfehlungen für Fachlehrer keine weiteren Vorgaben zur Bücherwahl, sagte eine Sprecherin am Donnerstag in Dresden. Über die Freigabe berichtete die Leipziger Volkszeitung.

Lehrer können der Sprecherin zufolge selbst entscheiden, welche frei verfügbaren und rechtlich zulässigen Werke sie verwenden. Sie seien hervorragend ausgebildet und vorbereitet, Inhalte dieses Buches verantwortungsvoll zu besprechen.

Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) erklärte: „Ziel muss es dabei sein, die NS-Ideologie zu entlarven, Schüler gegen Rechtsextremismus stark zu machen und sie zu Persönlichkeiten zu erziehen, die der Ideologie des Nationalsozialismus und allen anderen extremistischen Tendenzen sowie Gewaltherrschaften entschieden entgegentreten.“

70 Jahre lang war der Nachdruck von „Mein Kampf“ verboten, die Urheberrechte sind nun ausgelaufen. Von diesem Freitag an wird das Buch in deutschen Buchläden erhältlich sein - als historisch-kritische Ausgabe mit umfangreichen Kommentaren. Der Umgang mit diesem Werk stelle eine Herausforderung dar, sagte Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle am Donnerstag in München. Das Institut für Zeitgeschichte (ifz) hat jahrelang recherchiert, um die darin geäußerten Ansichten Hitlers kritisch zu hinterfragen und zu widerlegen. In einer Auflage von 4000 Stück soll das 1950 Seiten dicke Buch für 59 Euro verkauft werden. Unkommentierte Ausgaben von „Mein Kampf“ bleiben weiterhin in Deutschland verboten.

Hitler hatte die Hetzschrift nach seinem Umsturzversuch im November 1923 in der Haft verfasst. Darin sind etwa die Grundlagen für die Rassentheorie und seine spätere Eroberungspolitik angelegt. (dpa)