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Pirna

Wider die Trägheit

Sächsische.de-Reporter Thomas Möckel schildert täglich den Alltag zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung.

Sächsische.de-Reporter Thomas Möckel: Arbeiten im Wohnzimmer.
Sächsische.de-Reporter Thomas Möckel: Arbeiten im Wohnzimmer. © Daniel Schäfer

Sonnabend, 28. März: Ich habe mich heute notgedrungen erneut mit Naturwissenschaften beschäftigt. Ausgerechnet auch noch mit Physik. Physik ist noch weniger meins als Mathe. Ich glaube, mein Physiklehrer hat mich früher im Unterricht lediglich geduldet. Viel beizutragen hatte ich nicht wirklich.

Nun kramte ich in verschüttetem Wissen. Diesmal ging es aber gar nicht um die Schulaufgaben der Kinder. Sondern es ging um mich. Ich setzte mich also mit der Trägheit auseinander. Sie wissen, Trägheit ist die Eigenschaft einer Masse, ihren bewegungslosen Zustand beizubehalten, solange keine Kraft einwirkt, die diesen Zustand ändert.

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Diese kritische Masse war in diesem Fall ich, die zu allem Übel auch schon recht lange ziemlich bewegungslos verharrte. Homeoffice, Schulaufgaben mit den Kindern und die notwendige Hausarbeit sorgen in der Woche nicht gerade für üppige Bewegungsschübe.

Nun musste also die Physik helfen. Mit viel mentaler Kraft versuchte ich, auf meine fast gänzlich zum Stillstand gekommene Masse einzuwirken. Und siehe da: Nach einer Weile ließ sich mein Körper in einen Zustand der Fortbewegung versetzen, er fuhr sogar eine ganze Stunde Fahrrad. Nach zwei Wochen Homeoffice und sehr begrenztem Bewegungsradius wusste ich gar nicht mehr, wie schön eine Änderung des Bewegungszustandes sein kann. Nun bin ich leidlich erholt und der Rücken schmerzt nicht mehr so sehr.

So einfach also lässt sich Trägheit überlisten. Ich nehme den Punkt Bewegungsänderungen ab sofort in meinen Wochenplan auf. Aber heute Abend, nach der Radtour, möchte mein Körper dann doch lieber wieder recht bewegungslos verharren.

Gilt Klopapier als Bestechung?

Freitag, 27. März: Als ich diese Woche beruflich zum Termin war, verlief zunächst alles normal. Es gab Kaffee, wir plauderten nett. Doch dann geschah etwas Ungewöhnliches.

Der Gastgeber überreichte mir ein Geschenk: eine Rolle Toilettenpapier. Ich war überrascht, offensichtlich verfügte der Schenker über einen Quell des derzeit raren Gutes, der noch nicht versiegt war. Innerlich jubilierte ich.

Andererseits fragte ich mich: Darf ich das überhaupt annehmen? In Zeiten, in denen die Regale leer sind, und jene aufgewickelte Zellulose wohl mehr wert ist als Gold und Aktien - gilt da eine Rolle schon als Bestechung?

Insgeheim überlegte ich mir schon, wofür ich diese Rolle verwenden könnte: Als Anzahlung für ein neues Auto? Als Sicherheit für einen Hauskredit?

Angesicht schrumpfender heimischer Vorräte entschied ich mich dann aber dafür, es für seinen eigentlichen Zweck zu verwenden. Doch wie lange würde diese Rolle reichen? Ich dividierte die Zahl der Blätter durch die Anzahl der durchschnittlichen Wischvorgänge ... Aber lassen wir das. Mathe ist nicht meins, wenn es alle ist, dann ist es eben alle.

Nach diesem kurzen Gehirnfasching nahm ich die Rolle dankend an, das Geschenk war eine nette Geste meines Gesprächspartners. Und das Toilettenpapier bleibt ja doch nichts weiter als weiches Altpapier - das uns stets den Allerwertesten rettet.

Staufrei zum Sonnenstein

Donnerstag, 26. März: Am Morgen hatte ich ein leicht mulmiges Gefühl. Seit reichlich zwei Wochen hatte ich erstmals wieder beruflich einen Termin außer Haus. Ich würde also wieder Menschen treffen, so ganz real, so von Angesicht zu Angesicht.

Aber wusste ich überhaupt noch, wie das funktioniert? In den letzten Tagen hatten sich die Kontakte - zumindest außerfamiliär - auf Telefonate und Mails beschränkt. Ich war also, zugegeben, etwas aus der Übung.

Zum Glück hatte ich vor dem Aufbruch noch den Einfall, dass ich mich jetzt wieder ausgehfein machen musste, um nicht im homeofficeeigenen Schlabberlook durch die Gegend zu schlurfen. Im Auto angekommen, stellte ich erleichtert fest: Ich trug weder Schlafanzug noch Jogginghose.

Trotz anfänglicher Bedenken klappte dann auch die direkte zwischenmenschliche Kommunikation. Was man einmal kann, verlernt man doch nicht so schnell. Ich musste nur beim Abschied darauf achten, nicht aus Versehen "Auf Wiederhören" zu sagen.

Auch meine Zeitsorgen erwiesen sich im Nachhinein als unbegründet. Für die fünf Kilometer lange Fahrt von daheim zum Termin auf dem Sonnenstein hatte ich eine halbe Stunde Fahrzeit eingeplant. Man weiß ja nie, was auf der B 172 so los ist.

Aber außer mir war kaum einer unterwegs. So schnell war ich noch nie auf dem Sonnenstein und wieder zurück. Auf dem Rückweg ertappte ich mich dabei, wie ich extra langsam durch die Serpentinen schlich, vermutlich, um eine stauähnliche Situation zu simulieren. Doch es staute sich keiner mit. Für einen Moment hatte ich den Eindruck, die Pirnaer Südumfahrung sei schon fertig.

Das Geheimnis der Bruchrechnung

Mittwoch, 25. März: Kind eins hatte eine knifflige Aufgabe in Mathe zu lösen. Aufgelistet waren vier Fußballtorhüter. Der Nationaltrainer hatte aus mehreren Spielen jeweils die Schüsse auf ihr Tor sowie die dabei kassierten Treffer notiert. Auszurechnen war nun die Halte-Quote der Torhüter, der mit der besten Quote sollte dem Trainer fürs nächste Länderspiel empfohlen werden. Die Quote sollte in gemeinen und in Dezimalbrüchen angegeben werden.

Kind eins beherrscht die Bruchrechnung, aber gemeine Brüche in Dezimalbrüche umzurechnen, erwies sich doch als etwas schwierig, so ohne Taschenrechner und anderes neumodisches Zeug.

Ich versuchte mich, an meine Schulzeit zu erinnern und fragte mich, ob ich wohl so etwas jemals im Unterricht hatte. Es fiel mir partout nicht mehr ein, vielleicht war ich ja damals gerade Kreide holen, als die Bruchrechnung dran war.

Nach einigen Probeläufen gelang uns dann die Lösung. Ich weiß nun, wie man gemeine Brüche dividiert, um einen Dezimalbruch zu bekommen. Wofür ich das auch immer brauchen werde.

Aber die Erkenntnis daraus: Homeoffice und Schulunterricht für die Kinder in einem Raum fördern ungemein das Allgemeinwissen. Langeweile war gestern.

Später habe ich mit Kind zwei in Sachkunde noch einen Ausflug zu den menschlichen Sinnesorganen gemacht und gelernt, wie ich meinen Namen in Blindenschrift schreibe. Ich überlege gerade, mich für die diesjährigen Abi-Prüfungen anzumelden. Wenn sie denn stattfinden ...

Muss ich wirklich schon aufstehen?

Dienstag, 24. März: Als mein Wecker kurz nach sechs am Morgen klingelte, ertappte ich mich bei dem Gedanken: Muss ich wirklich schon aufstehen? Weil Homeoffice angesagt ist, liegt mein Arbeitsplatz ja nur wenige Schritte von der Schlafstätte entfernt, der Weg auf Arbeit entfällt. Ein halbes Stündchen könnte ich doch noch liegenbleiben, ein Viertelstündchen vielleicht, zehn Minuten wenigstens ...

Dunkel erinnere ich mich an jene Zeit, in der die Tage einem festen Rhythmus folgten. Aufstehen, Frühstück und Pausenbrote für die Kinder machen, zur Arbeit gehen, Beiträge schreiben, Feierabend, Heimweg, mit den Kinder Schulaufgaben erledigen, Abendbrot ... Jetzt, bei der Heimarbeit, ist jedoch vieles anders. Haben Sie sich schon mal bei dem Gedanken erwischt, sich im Homeoffice etwas gehen zu lassen, alles etwas lockerer anzugehen?

Meine Erkenntnis schon nach kurzer Zeit in Heimarbeit: Ich muss die Tage einteilen, getreu  dem Motto "Struktur und Arbeit". Habe mir überlegt, früh einfach eine Viertelstunde spazieren zu gehen, um den Arbeitsweg zu simulieren. Auch lag der Gedanke nahe, frei nach dem  "Dinner for One" die nicht anwesenden Kollegen durch Playmobil-Figuren zu ersetzen. Es erwies sich allerdings als zu zeitaufwendig, stets deren Rollen zu spielen, geschweige denn, deren Arbeit mit zu erledigen.

Aber mal im Ernst: Ich habe mir feste Arbeitszeiten vorgegeben, die ich größtenteils  einhalte, auch wenn es daheim manchmal etwas Mühe macht. 

Eines hat sich allerdings, im Gegensatz zu sonst, im heimischen Büro eingebürgert: Die Jogginghose bleibt an, selbst wenn ich laut Modezar Karl Lagerfeld auf diese Weise die Kontrolle über mein Leben verloren haben sollte.

Frühsport am Esstisch

Montag, 23. März: Als ich am Morgen aufstand, war Kind eins bereits in der Wohnung unterwegs, angezogen, die Zähne geputzt. Offensichtlich funktioniert der übliche Biorhythmus noch, Kind eins verlässt derzeit das Bett kaum später als zu gewöhnlichen Schulzeiten.

Bester Laune und von flotter Musik begleitet, stand das Kind am Esstisch und hielt sich daran fest, während es es sich immer wieder auf die Zehenspitzen stellte. Kurz darauf schleppte es einige schwere Bücher herbei, hielt sie mit ausgestreckten Armen und sang dabei ein Lied. 

Auf meine vielen Fragezeichen in den Augen erklärte mir mein Kind, es mache jetzt Sportunterricht, wie in der Schule, nur eben anders. Damit die Kinder nicht so ganz aus der Übung kommen, hatte die Lehrerin per Handy kleine Trainingseinheiten für zu Hause geschickt - Liegestütze, auf einem Bein springen, Bücher mit den ausgestreckten Armen halten und dabei mindestens zwei Strophen eines Liedes intonieren.

Ich fand das klasse, dass auch an so etwas gedacht wird, denn die körperliche Ertüchtigung kommt zurzeit in der Tat etwas zu kurz. Das sehe ich an mir selbst, meine sportliche Betätigung besteht derzeit weitgehend aus einem beschwerlichen Abstieg aus der ersten Etage zum Briefkasten und einem noch beschwerlicheren Aufstieg zurück. 

Ich nehme mir vor, künftig mit meinem Kind gemeinsam Sportübungen zu machen. Jetzt muss ich aber erst einmal aufhören zu schreiben, der Rücken schmerzt, weil ich wieder wie eine Bogenlampe auf einem zugegebenermaßen nicht gerade bequemen Esszimmer-Stuhl vor dem Rechner gehockt habe.

Überraschung auf der Motorhaube

Sonntag, 22. März: Am Morgen, ich war noch etwas im Halbschlaf, meldete mir mein Mobiltelefon eine Nachricht. Der Absender bat mich, doch mal auf mein Auto im Hof zu schauen, dort wäre etwas für mich deponiert.

Als ich zum Wagen kam, stand eine große Papiertüte auf der Motorhaube, gefüllt mit wunderbarem Inhalt: drei Rollen Toilettenpapier und drei große Schokoladen-Osterhasen für die Kinder und für mich. Was für eine Überraschung, was für eine Geste!

Mit einem Anruf bedankte ich mich später beim Schenker. Ich sagte ihm, wie großartig und hilfreich ich seine Idee und seine Spende fand. Er erzählte mir, er wolle es einfach als kleine Aufmerksamkeit verstanden wissen, kein großes Ding und so.

Und ich merke: es sind gerade diese kleinen Gesten, diese kleinen Akte der Nächstenliebe, so profan sie auch manchmal erscheinen mögen, die unser Leben lebenswert machen. Offensichtlich bedarf es - leider - oft einer großen Krise, um uns das wieder bewusst zu machen. 

So war es beispielsweise bei den beiden zurückliegenden Flutkatastrophen, die die Solidarität unter den Menschen wieder aufflammen ließen. 

Auch, wenn wir nun räumlich auseinander rücken müssen, haben wir die Chance, menschlich wieder näher zusammen zu rücken. Wir sollten jetzt natürlich auf uns achten, aber auch auf unsere Nächsten, die unter Umständen Hilfe benötigen, und wenn es nur ein Kontakt, ein Gespräch sein sollte. Es gibt zum Glück so viele Kanäle, um untereinander zu kommunizieren, zu reden, einander Mut zu machen. Jede große Hilfe fängt im Kleinen an.

Geschirr-Tetris in der Küche

Sonnabend, 21. März: Der Wocheneinkauf hat mich kurzzeitig in meine Kindertage zurückversetzt. Früher, in der HO-Kaufhalle meines Vertrauens, kam es durchaus mal vor, dass es Dinge gab, die es sonst nicht gab. Damit vom raren Gut für jeden etwas abfiel, war an der Ware oft ein Schild befestigt mit dem Hinweis "Bitte nur einmal nehmen".

Jeder hielt sich daran, mehr mitzunehmen, erschien auch sinnlos, weil strenge Verkäuferinnen über die Einhaltung des Gebotes wachten. Solche Zettel begegneten mir heute wieder, vornehmlich am Toilettenpapier-Regal. "Bitte nur einmal nehmen", stand da, ich fragte mich nur: einmal nehmen wovon? Es war nix da, alles leer. Dabei dachte ich, wir hätten die Mangelwirtschaft längst überwunden. Fast scheint es so, als ginge da draußen ein aggressiver Magen-Darm-Infekt rum ...

Immerhin gab es Spülmittel, denn es galt, eine große Errungenschaft dieser Woche zu beseitigen: einen riesigen Stapel schmutzigen Geschirrs, dessen sich bisher niemand erbarmt hatte. Zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung hatten sich Teller, Tassen und Besteck in der Küche auf wundersame Weise vermehrt.

Die Kinder hatten dabei offensichtlich ein neues Spiel erfunden: Geschirr-Tetris. Sie hatten versucht, das auf dem hohen Turm übereinander gestapelte Geschirr möglichst in die Form des darunter stehenden zu passen. Dabei schien die Schwerkraft entrückt, eher ein Akt zauberhafter Balance, schwere Teller schwebten scheinbar mühelos über Müslischalen.

Doch der schiefe Turm musste nun weg, zu allem Übel ist aber der Geschirrspüler kaputt. Etwas Gutes hat der manuelle Waschgang zumindest: Man kann im Spülwasser sehr, sehr lange seine Hände desinfizieren.

Das Toilettenpapier geht zur Neige

Freitag, 20. März: Heute Morgen habe ich die Kinder geschockt. Hefte raus, unangekündigte Klassenarbeit, rief ich ins Zimmer, um zumindest den Hauch eines Schulalltages durch die Wohnung wehen zu lassen. Als Reaktion wehte mir ein Sturm maximaler Begeisterung entgegen. Ohr nö, bloß nicht, sagte Kind eins. Damit war die Sache dann auch erledigt. Und ich merke, dass mir doch noch so einiges zur pädagogischen Autoritätsperson fehlt.

Dennoch bin ich stolz auf meine beiden Kinder, dass sie jeden Tag so selbstständig ihre Schularbeiten machen. Neun Stunden und mehr täglich arbeiten und zudem die Kinder betreuen, ist nicht immer ganz einfach. Ich weiß, so wie mir geht es derzeit vielen da draußen, und ich bewundere jeden Einzelnen von euch.

Inzwischen stehen wir aber vor einem ganz anderen existenziellen Problem: Das Toilettenpapier geht zur Neige, eine Rolle ist noch da. Sämtliche Einkaufsbemühungen in dieser Woche schlugen bislang fehl. Was also tun? Essen und Verdauung einstellen, ist sicher nicht die beste Lösung. 

Ich überlege gerade, ein Verfahren zu entwickeln, um gebrauchtes Toilettenpapier zu recyceln. Doch Reinigung und Trocknung dieser sensiblen Zellulose, wie funktioniert das? Wo hänge ich die Blätter auf? Reichen die Klammern? Fragen über Fragen.

Sollte ich mal wieder Rollen ergattern, nehme ich mir vor, einen kleinen Vorrat anzulegen. Der bringt derzeit sicher eine größere Wertsteigerung mit sich als Immobilien oder Gold.

Hurra, ich habe passierte Tomaten!

Donnerstag, 19. März: Neben der Arbeit im Homeoffice und der Kinderbetreuung ist eine weitere Aufgabe dazugekommen: Koch und Küchenkraft. Ich gehöre glücklicherweise zu jener Spezies, die mehr kochen kann als nur Wasser. Doch stellt einen der Aspekt, dass das Mittagessen in Schule und Hort vorerst flach fällt, durchaus vor Herausforderungen.

Kind eins ist in dieser Hinsicht schon sehr selbstständig. Es hat zum Mittag für sich und Kind zwei eigene Spiegeleier gemacht, dazu Toast mit Butter und Salz. Ohne Hilfe. Ich bin stolz. Auch wenn ich noch nicht weiß, wer das wieder aufräumt. Küchenschlacht eben.

Für den Abend sind Nudeln avisiert, es sind noch welche da, wie immer eigentlich. Ich gehöre nicht zu denen, die Unmengen Vorräte anlegen, auch jetzt in Krisenzeiten nicht.  Doch meine Hamster-Verweigerung hätte fast zu einem herben Verlust geführt: Es hätte Nudeln blank gegeben. Als ich letztens einkaufen war, gab es nirgendwo mehr passierte Tomaten. Aber Nudeln ohne Tomatensoße? Undenkbar. 

Ein Blick in den Küchenschrank bescherte dann doch ungeahnte Glücksmomente. Hurra, ich habe noch drei Päckchen passierte Tomaten! Das Abendbrot war gesichert. Aber lange hält der Vorrat nicht mehr. Mal sehen, was der Wochen-Einkauf so bringt.

Wir haben uns überlegt, für die kommenden Tage einen Speiseplan aufzustellen, damit es nicht jeden Tag Nudeln gibt. Ideen hatten wir reichlich. Ich weiß nur noch nicht, wer das alles wann kochen soll.

Lager-Koller nach drei Tagen

Mittwoch, 18. März: Ich habe die Kinder zeitig geweckt. Irgendwie muss man ja den Anschein eines Schultages wahren. Jetzt bloß keinen Schlendrian einziehen lassen, die Versuchung ist da. Dennoch war das Gemaule der beiden groß. 

Hab mich dann durch lange Mails gekämpft, wer jetzt wie seine Schulaufgaben bekommt. Ich konstatiere: das läuft. Trotzdem weigert sich Kind zwei beharrlich, seine Aufgaben zu machen. Aber was muss, das muss. Nach dem Lernen ist Spielzeit, doch schon nach kurzer Zeit dringen beunruhigende Geräusche aus dem Kinderzimmer. Wenig später verweist Kind eins  Kind zwei seines Zimmers. Sonst haben sie nicht so viel Zeit zusammen, aber nun war es gleich mal zu viel. Eine Weile belagert Kind zwei meinen Schreibtisch, doch ich brauche Ruhe, ich muss arbeiten. Entsetzt stelle ich fest: Schon am dritten Tag beginnt der Lager-Koller, wir hängen zu sehr aufeinander rum. 

Die Kinder müssen an die frische Luft. Später waren beide draußen, getrennt voneinander. Sie kehren fröhlich zurück. Die Lehre aus diesem Tag: Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht zu sehr auf die Ketten gehen. 

Zu späterer Stunde erwäge ich - geistig wahrscheinlich nicht mehr ganz auf der Höhe - eine Petition zu starten, um die Schulschließungen wieder aufzuheben. Vielleicht ist ja eine Corona-Welle leichter zu ertragen, als die nächsten fünf Wochen mit den Kindern zu verbringen. Ich weiß, das klingt jetzt sehr nach Rabenvater. Aber es war nicht so ganz ernst gemeint ...

Wie unterrichte ich meine Kinder?

Dienstag, 17. März: Nun haben wir den Salat: Mein Leben pendelt jetzt zwischen Heimarbeit und Kinderbetreuung. Kind eins war am Montag schon eine halbe Stunde nach dem sonst üblichen Schulbeginn wieder daheim, bepackt wie ein Lasten-Esel, da waren die Aufgaben für die nächsten Tage noch nicht dabei. Kind zwei musste aus der Grundschule abgeholt werden, obwohl es nur die Schulsachen holen sollte. Es hatte aber keinen Zettel mit, dass es allein heimgehen darf. Manch Bürokratie kriegt selbst Corona nicht klein.

Doch wie soll es jetzt werden? Mit den Kindern Hausaufgaben erledigen, ist ja okay. Aber jetzt neben der Arbeit unterrichten? Soll ich täglich vier Stunden Schule simulieren? Den Plan, ein Kinderzimmer als Klassenraum einzurichten, habe ich inzwischen wieder verworfen. Auch mit dem Lehrgang an der Volkshochschule "Lehrer werden in drei Tagen" wird es nun nichts, die VHS ist ja dicht.

Wenigstens hat die Schule inzwischen die Aufgaben geschickt. Die Kinder nehmen es derweil gelassen, sie sind irgendwie im Ferienmodus. Und ich merke, dass mir schon nach zwei Tagen die Argumente ausgehen, warum Lernen jetzt wichtiger als Spielen ist. 

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Doch dann die Überraschung: Beide Kinder verkünden stolz, sie hätten schon ihre Aufgaben erledigt. Puh, was für ein Glück. Denn ich muss gestehen: Ich hatte wegen der ganzen Arbeit nicht eine Minute Zeit, mich mit den Kindern hinzusetzen.

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