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Meise läuft Amsel den Rang ab

Bei der Stunde der Wintervögel werden im Kreis weniger Amseln registriert. Insgesamt ist die Zahl der freiwilligen Helfer gesunken.

© dpa

Von Tina Soltysiak

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Döbeln. Bundesweit haben 130 651 Vogelfreunde aus 88 752 Gärten und Parks 3 405  399 Vögel gemeldet. Damit habe die diesjährige Stunde der Wintervögel alle Rekorde gebrochen, meldete der Naturschutzbund (Nabu), der zu dieser Aktion aufgerufen hatte. Doch auf Mittelsachsen trifft dies nicht zu. Hier ist die Zahl der Freiwilligen im Vergleich zu 2017 gesunken.

Mittlerweile seien alle Paperbögen erfasst worden und die Daten bis auf Landkreisebene auf einer interaktiven Karte im Internet abrufbar. Positiv sei laut Nabu zu berichten, dass „vor allem Arten, die sich 2017 rar gemacht hatten, nun wieder in die Gärten zurückfinden, allen voran die Meisen, aber auch Kleiber, Buntspecht und Kernbeißer“.

In Mittelsachsen haben 490 Vogelfreunde in 294 Gärten 12 118 Vögel gezählt. Zum Vergleich: 2017 hatten 520 Freiwillige in 355 mittelsächsischen Gärten 14 341 Tiere erfasst. Damals war die Beteiligung deutlich größer als in den Vorjahren. Am häufigsten vor das Fernglas geflogen sind den Mittelsachsen 2017 Haussperlinge, Amseln und Kohlmeisen.

Ähnlich sieht es in diesem Winter aus: Unangefochtener Spitzenreiter unter den Vogelarten, die sich in den hiesigen Parks und Gärten wohlfühlen und blicken lassen, ist der Haussperling. Er wurde an sechs von zehn Zählstationen beobachtet. Der Spatz gehört zu den Kulturfolgern. Das bedeutet, dass er maßgeblich von der Lebensweise des Menschen profitiert. Auch wenn in diesem Jahr in Mittelsachsen mehr dieser nur 15 Zentimeter kleinen Tiere festgestellt wurden (1919), nehmen die Bestände laut Nabu insgesamt betrachtet ab – und zwar überall in Europa. Ursachen lägen möglicherweise im Mangel an Insekten, die der Haussperling für die Aufzucht seiner Jungen benötigt. Auch die weitreichenden Altbausanierungen ließen Nistmöglichkeiten verlorengehen.

Auf Platz 2 der gezählten Wintervögel landen im Mittelsachsenranking die Kohlmeisen (1 702), gefolgt von Feldsperling (1545) und Blaumeise (1389). Für alle diese Arten ließ sich ein Zuwachs zwischen drei und 30 Prozent verzeichnen. Anders sieht es bei den Amseln aus. 1 046 Stück flogen den Beobachtern insgesamt vors Fernglas. Das sei ein Rückgang um 38 Prozent. Allerdings bewegt sich die Zahl auf dem Niveau der Jahre 2011 bis 2016. Im vergangenen Jahr gab es in der Statistik schlichtweg einen Ausreißer nach oben. Die Amsel ist laut Nabu nach dem Buchfink Deutschlands zweithäufigster Vogel. Vor etwa 150 Jahren sei sie noch ein recht scheuer Waldvogel gewesen, der im Winter nach Italien oder Frankreich zog. Doch mittlerweile habe sich der Vogel angepasst. Im Winter tummelt er sich vor allem an Futterhäuschen, pickt aber auch in Komposthaufen herum und labt sich zum Beispiel an Resten von Äpfeln oder Beeren.

Positiv fällt auf, dass in diesem Jahr deutlich mehr Stare und Bachstelzen gezählt wurden. Der Zuwachs lag laut Nabu bei 439 beziehungsweise 629 Prozent. Stare sind eigentlich klassische Zugvögel, die im Mittelmeerraum überwintern. Zwar kehren sie als eine der ersten Vogelarten zurück. Allerdings meist erst Ende Februar. Gezählt wurden die Wintervögel in diesem Jahr aber vom 5. bis 7. Januar. Die Naturschützer machen jedoch den Trend aus, dass einige der Stare auch im Winter ihrem Revier treu bleiben. Statt Würmer stehen dann vor allem Beeren auf der Speisekarte.

www.nabu.de