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Meißen immer internationaler

Menschen aus fast 80 Ländern leben derzeit in Meißen. Die Zahl der Ausländer steigt seit Jahren. Darunter gibt es kuriose Fälle.

© Claudia Hübschmann

Von Marcus Herrmann

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Meißen. Junge Familien aus Dresden zieht es immer öfter ins Umland, meistens, weil hier die Preise für Grundstücke niedriger sind. So auch in Meißen. Dabei kommen nicht nur Menschen aus anderen Teilen Deutschlands in die Domstadt, sondern aus vielen Ländern der Welt. Laut aktueller Statistik der Stadtverwaltung leben derzeit 1 603 Einwohner mit nichtdeutschem Pass in Meißen. Sie kommen aus 77 Ländern. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt circa 5,6 Prozent und hat sich im Vergleich zu 2014 fast verdreifacht.

Mikael Fagerlund ist der derzeit einzige Meißner Einwohner aus Schweden. 2016 ist er mit seiner deutschen Frau in die Domstadt gezogen. Er arbeitet in Dresden.
Mikael Fagerlund ist der derzeit einzige Meißner Einwohner aus Schweden. 2016 ist er mit seiner deutschen Frau in die Domstadt gezogen. Er arbeitet in Dresden.

Zu den eher exotischen Neu-Meißnern gehört zum Beispiel die Gruppe der Skandinavier. So wohnen derzeit sechs Dänen, eine Finnin, ein Norweger und ein Schwede hier. Dieser heißt Mikael Fagerlund und wohnt mit seiner deutschen Frau Maria seit 2016 in Meißen. Die Geschichte des 40-Jährigen und seiner fünf Jahre jüngeren Gattin ist beispielhaft für die Entwicklung der letzten Jahre. „Ich habe längere Zeit in Schweden gelebt und dort meinen heutigen Mann kennengelernt“, sagt Maria Fagerlund. Nach einem Umzug in die irische Hauptstadt Dublin wurde irgendwann die Sehnsucht nach dem deutschen Freundeskreis zu groß. So entschied sich das Paar zunächst zur Rückkehr in Marias eigentliche Heimat Dresden. Weil die beiden aber drei Kinder haben, sollte es für die Familie ein Haus sein. „In Niedermeisa haben wir den perfekten Platz dafür gefunden und das Haus ist erschwinglich“, sagt die Neu-Meißnerin, die beim Verein Buntes Meißen in der Flüchtlingshilfe tätig ist.

Die Familie fühle sich in der Kleinstadt sehr wohl, in der unmittelbaren Nachbarschaft leben Schotten, Syrer und US-Amerikaner. „Und für meinen Mann ist der Weg zur Arbeit nach Dresden kein Problem. Mit der S-Bahn ist er in 25 Minuten da“, erzählt Maria Fagerlund. Ihr Gatte Mikael arbeitet in der IT-Branche in der Landeshauptstadt. „Wir sehen uns als Teil einer Bewegung junger, internationaler Familien, die hier in dieser schönen Stadt heimisch geworden sind“, sagt die 35-Jährige. Neben der kleinen Gruppe der Skandinavier leben derzeit unter anderem zwei Äthiopier, eine Taiwanesin, ein Bolivianer, zwei Litauer, fünf Iren, eine Chilenin, ein Australier und sogar eine Frau aus Madagaskar in Meißen. Die größte Gruppe ausländischer Einwohner kommt aus Syrien. 170 Männer und 107 Frauen aus dem von kriegerischen Konflikten erschütterten Land leben unterhalb der Albrechtsburg. Die zweitgrößte Gruppe bilden die derzeit 140 Afghanen. Somit kommt rund jeder vierte Ausländer in Meißen aus einem der beiden Länder.

Trend geht zu mehr Osteuropäern

Als staatenlos oder mit ungeklärter Herkunft gelten momentan 35 Personen. Dass die Gesamtzahl der Ausländer seit fünf Jahren kontinuierlich steigt – in den letzten beiden Jahren um fast 300 –, obwohl die Zahl der Asylbewerber abnimmt, mag verwundern. „Tatsächlich sind die Neuanmeldungen von Personen aus Syrien oder Afghanistan seit 2016 nicht signifikant gestiegen“, sagt Stadtsprecherin Katharina Reso. Jedoch gäbe es einen Trend zu immer mehr Neuanmeldungen aus dem EU-Ausland, darunter vor allem aus osteuropäischen Ländern wie Polen, Rumänien oder Bulgarien.