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Meissen-Insider sieht im Finanzminister das Übel

Seine Hinhalte-Taktik habe die Verluste der Manufaktur verursacht, heißt es. Doch der Minister erhält auch Beistand.

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© Robert Michael

Von Peter Anderson

Meißen. Hatten Aufsichtsratschef Kurt Biedenkopf (CDU) und Vorstandschef Christian Kurtzke doch recht? Lagen sie mit ihren Plänen für einen Aufstieg von Meissen in die Liga von Louis Vitton, Dior, Hermès eigentlich ganz richtig? Und hat nicht erst Sachsens Finanzminister Georg Unland (CDU) durch Zudrehen des Geldhahns für die Luxus-Expansion die Porzellan-Manufaktur an den Rand des Ruins gebracht?

Diese Fragen wirft ein „interner Bericht“ auf, der nach Angaben der Süddeutschen Zeitung dem Aufsichtsrat des Staatsunternehmens vorliegen soll. Konkret wird der Vorwurf erhoben, Unland habe 2014 ein „nach intensiven Verhandlungen unterschriftsreifes Joint Venture mit einem chinesischen Importhaus für Luxusgüter“ platzen lassen. Millioneneinnahmen seien weggefallen, der Zugang zu neuen Märkten blieb verschlossen.

Tatsächlich hatte der damalige Meissen-Vorstand Christian Kurtzke Mitte März 2014 verkündet, er habe in China einen wichtigen Franchisepartner gewinnen können. Dieser wollte erheblich in Boutiquen und Meissen Villen investieren, um die Marke in den chinesischen Markt einzuführen. Eine 20-Millionen-Euro-Lieferung Meissener Produkte für die nächsten drei Jahre wurde vereinbart. 50 Prozent der Waren sollten Porzellan umfassen, die andere Hälfte weitere Luxusgüter wie Möbel oder Schmuck. Später allerdings war von diesem großen Geschäft nicht mehr die Rede, sondern nur von einzelnen Kooperationen in Shanghai und Peking.

Eine weitere Grundlage für Unlands plötzliches Nein zu weiteren Investitionen in den Ausbau Meissens zum Luxuskonzern bildete laut Süddeutscher Zeitung eine Risikoanalyse des kurzzeitig in der Manufaktur tätigen kaufmännischen Geschäftsführer Klaus Hipp. Dieser habe für den nicht ungefährlichen Expansionskurs Rückstellungen von 50 Millionen Euro und mehr prognostiziert. Das sei dem Minister offenbar zu viel Geld gewesen.

Aus dem Finanzministerium heißt es auf SZ-Nachfrage, eine Stellungnahme werde zu solchen Wertungen grundsätzlich nicht abgegeben. Darüber hinaus wären davon Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse betroffen. Gleichzeitig weist die Behörde darauf hin, dass es sich bei dem Bericht nicht etwa um eine unabhängige Analyse aus neutraler Quelle handele. Stattdessen gebe es „eine Wertung aus der Sicht einzelner (ehemaliger) Gremienmitglieder.“ Welche früheren Führungskräfte in der Manufaktur damit gemeint sind, will das Ministerium nicht mitteilen. Das Büro von Kurt Biedenkopf verneinte allerdings gegenüber der SZ, der Urheber zu sein. Vom Verfasser des Artikels selbst, dem Berliner Wirtschaftsjournalisten Steffen Uhlmann, war zu erfahren, dass auch Christian Kurtzke nicht die Quelle gewesen sein soll. Keinen Kommentar gab es vom früheren Syndikus des Unternehmens, dem Rechtsanwalt Torsten Bremer.

Befremdet von dem ganzen Vorgang zeigt sich der Finanzexperte der Partei Die Linke Sebastian Scheel. Er verfolgt bereits seit längerer Zeit die Querelen rund um den Schlingerkurs der Manufaktur. Aus seiner Sicht ist Finanzminister Georg Unland nicht anzukreiden, dass dieser den jährlich neue Millionen verschlingenden Expansionskurs gestoppt habe. Im Gegenteil: Letztlich sei der Minister viel zu spät aktiv geworden. Erst im Nachhinein habe er von Wirtschaftsprüfern untersuchen lassen, ob die hochfliegenden Pläne Biedenkopfs und Kurtzkes überhaupt realistisch waren. Selbst als sich herausstellte, dass die Risiken immer weiter ausuferten, habe Unland nicht direkt gehandelt, sondern vielmehr so lange indirekt Druck ausgeübt, bis Christian Kurtzke Anfang 2015 aus eigenem Antrieb zu Porsche Design wechselte.

Für das Unternehmen selbst in seiner aktuellen Lage spielt die jetzt geführte Diskussion über den gescheiterten Umbauversuch keine Rolle mehr. Die Rückkehr zum Porzellan als Kerngeschäft ist ausgemacht. Wie Sprecherin Sandra Jäschke am Mittwoch der SZ bestätigte, gibt es keine neue Kleiderkollektion. Die Uhren, welche bisher angeboten wurden, erhalten keine Neuauflage. Die konkrete zukünftige Geschäftsstrategie werde gerade erarbeitet.