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Meißen nimmt sich etwas vor

Der Gewerbeverein will 2016 für gute Nachrichten aus der Stadt sorgen und die negativen Schlagzeilen vergessen machen.

© DK

Von Peter Anderson

Meißen. Wer zuletzt kommt, muss oder darf an den Tresen. Mühelos füllt der Gewerbeverein an diesem Abend die Privatbrauerei Schwerter Meißen. Rund 120 Meißnerinnen und Meißner sind erschienen. Alles, was Rang und Namen hat, drängt sich zwischen den blinkenden Kupferkesseln und Tabletts voller Probiergläser mit schäumendem Bennator. Sparkassen-Vorstand Rainer Schikatzki hat neben Kunstpreisträger Ulrich Jungermann einen Platz gefunden. Tourismus-Chefin Sindy Vogel tauscht sich mit der CDU-Landtagsabgeordneten Daniela Kuge aus. Der Kino-Macher und frisch gebackene Papa Alexander Malt fachsimpelt mit dem Geschäftsführer der Coswiger Börse Thomas Kretschmer. Nur im Laufschritt schaffen es die Kellnerinnen, den Durst der Gäste zu stillen. Gewerbevereinsvorsitzender Uwe Reichel sorgt mit Co-Vorstand Andreas Krause für eine Verschnaufpause. Eine runde halbe Stunde lang blicken die beiden Geschäftsmänner nach vor und zurück. Die Schäden von 2015 müssten die Mitglieder des Gewerbevereins mit sehr viel Engagement wieder ausgleichen, heißt es in der Rede. Die regelmäßigen Demonstrationen der rechtsextremen Initiative Heimatschutz hätte Meißens Ruf genauso geschadet, wie die Berichte über den Brand der künftigen Asyl-Unterkunft im Rauhental.

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Die alte Garde des Gewerbevereins wurde beim Neujahrsempfang in der Brauerei ausgezeichnet.
Die alte Garde des Gewerbevereins wurde beim Neujahrsempfang in der Brauerei ausgezeichnet. © Claudia Hübschmann
Vorstandschef Uwe Reichel erzählte von den schwierigen Anfängen.
Vorstandschef Uwe Reichel erzählte von den schwierigen Anfängen. © Claudia Hübschmann

„Für Ausländerfeindlichkeit ist bei uns kein Platz“, so Reichel und Krause. Mit seinen Veranstaltungen könne der Verein, den Bürgern von Meißen und den Gästen zeigen, wie weltoffen und international die Stadt sei. Mehrere Neuheiten stehen für 2016 auf dem Programm. Der Frühlingsmarkt soll sich in einen Ostermarkt mit neuem Konzept verwandeln. In der Vergangenheit hatte es Kritik gegeben, dass viele der Angebote nicht dem Motto entsprechen würden, Billigware das Niveau senke. Nach dem Sommer wird ein Antik- und Trödel-Wochenende den traditionellen Herbstmarkt ersetzen. In der heißen Jahreszeit ist erneut ein Kneipennachmittag mit viel Musik unter freiem Himmel geplant. Weitere Überraschungen sind in Arbeit, so Reichel. „Wir arbeiten uns in allen Bereichen jedes Jahr ein Stück nach vorn“, sagt der Gewerbevereinschef.

Vorstandschef würdigt Pioniere

Lob dafür gibt es von vielen Seiten Brauerei-Geschäftsführer Eric Schäffer bedankt sich beim Vorstand des Vereins. Nicken und Klatschen am Tisch der Gäste aus Meißens böhmischer Partnerschaft Leitmeritz (Litomerice). Von so einer intensiven Zusammenarbeit der Unternehmer in der Stadt könnten sie nur träumen, heißt es später von den Tschechen.

Was geschafft wurde, zeigt sich im Rückblick auf die Anfänge. Uwe Reichel würdigt die Pioniere, welche 1990 den Gewerbeverein neu gründeten. Die Themen damals: überhöhte Ladenmieten von Alteigentümern aus Westdeutschland. Auf Seminaren wurde die Funktionsweise der Umsatzsteuer erklärt. 1992 organisierte der Verein sein erstes Weinfest. Marktmeister Hans Köhler säuberte mit Helfern persönlich den Markt von leeren Flaschen.

Als einer der geehrten Aktivisten steht Braumeister Andreas Girbig am Tresen. Ausruhen ist seine Sache nicht. Beim Kanu-Verein plant er im Frühjahr die nächste Lesung und Signierstunde zu seiner Brauerei-Chronik, natürlich mit Illustrator Kay LEO Leonhardt. Neben Girbig wärmen ICM-Geschäftsführer Jürgen Vater und Finanz-Fachmann Wolfgang Matthes Anekdoten auf. Ein Prosit fliegt auf die andere Tresenseite zu Stadtwerke-Sprecherin Lilly Schneider, die sich mit Agentur-Chefin Christiane Weikert unterhält. Die tiefen Minusgrade sind ganz nach dem Geschmack der Stadtwerke-Mitarbeiter. Der Gasverbrauch steigt. Das Gewerbe brummt. So kann es 2016 weitergehen.