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Meissen schließt Villa in Mailand

Die Staatliche Porzellan-Manufaktur hat das Geschäftsjahr 2015 erneut mit einem Millionen-Verlust abgeschlossen. Aus dem Italien-Geschäft will man sich jetzt zurückziehen.

© Thomas Gasparini

Von Peter Anderson

Meißen.Ernste Gesichter diese Woche in Meißen. Der Aufsichtsrat mit seinen neun Mitgliedern unter dem Vorsitzenden Aufbaubankchef Stefan Weber trat am Montag zusammen, um über die Probleme der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen zu beraten. Am Dienstagnachmittag wurden die Ergebnisse der Gespräche dann in einem abgestimmten Schreiben mitgeteilt.

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Im Kern muss der Staatsbetrieb für das vergangene Geschäftsjahr erneut einen Verlust von gut zwölf Millionen Euro bilanzieren. Dies ist zwar im Vergleich zum Minus von fast 20 Millionen Euro im Jahr 2014 ein deutlich verbessertes Ergebnis. Trotzdem bleiben die roten Zahlen eine schwere Hypothek für Meissen. Der Umsatz lag bei fast 40 Millionen Euro.

„Wir haben 2015 hart gearbeitet und viele Maßnahmen auf den Weg gebracht. Die ersten Ergebnisse sind zu sehen, aber ein solcher Prozess braucht Zeit,“ so Meissen-Geschäftsführer Tillmann Blaschke. Er sei überzeugt, dass alle Beteiligten eine erfolgreiche Zukunft für die Manufaktur gestalten könnten, wenn sich das Unternehmen auf sein Kerngeschäft konzentriert.

Als Hauptverlustbringer erwies sich 2015 nach Aussagen des Staatsbetriebes wie schon das Jahr zuvor die Tochtergesellschaft Meissen Italia. Direkt oder indirekt seien auf sie die Sondereffekte zurückzuführen. Gelder für mögliche Verluste mussten zurückgestellt und Werte abgeschrieben werden, heißt es aus der Manufaktur.

Der Aufsichtsrat hat sich daher zu einem harten Schritt entschlossen. Er empfiehlt dem Freistaat als Besitzer der Manufaktur, sich nicht länger an Meissen Italia zu beteiligen. Fest steht bereits jetzt: Die Villa Meissen wird in einem ersten Schritt bis Ende 2016 geschlossen.

Der seit 2012 auf der noblen Einkaufsstraße Via Montenapoleone bestehende Schauraum sollte ursprünglich als Basis für die internationale Expansion dienen. Aus Mailand heraus sollte Meissen zur „führenden deutschen Luxusmarke weltweit“ aufgebaut werden. Geplant war, die Einrichtungsideen des Hauses, alles, was Meissen zu bieten hat, in verschiedenen Kombinationen vorzustellen. Das Tochterunternehmen Meissen Italia sollte die Produktpalette der Manufaktur weit über Porzellan hinaus um Schmuck, Möbel und Kleider erweitern.

In einem Gespräch mit der SZ bezeichnete Meissen-Geschäftsführer Tillmann Blaschke die Mailand-Strategie jüngst als Fehler. Vor allem in Europa habe es Meissen in den vergangenen Jahrzehnten versäumt, Angebote für jüngere Käuferschichten zu entwickeln. „Das Unternehmen hat dann versucht, diese Schwäche durch Ausflüge in andere Produktsegmente zu übertünchen“, so Blaschke.

Zurück zum Handbemalten

Zur künftigen Strategie empfiehlt der Aufsichtsrat, die Geschäftspolitik der Manufaktur auf das Kerngeschäft und die Kernkompetenzen zu konzentrieren und diese weiterzuentwickeln. Dazu wurde die Geschäftsführung beauftragt, einen entsprechenden Plan auszuarbeiten, der den Schwerpunkt auf die Produktion von hochwertigem Porzellan legt. Mit diesem Satz sollen offenbar auch Kritiker beruhigt werden, die sich in den vergangenen Wochen zu Wort gemeldet hatten. Sie zeigten sich irritiert über eine Ankündigung, wonach Meissen künftig mit sogenannten technischen Dekoren neue Käuferschichten erschließen wolle. Im Gegensatz zur traditionellen Aufglasurmalerei in Handarbeit werden diese Muster maschinell, zum Beispiel mithilfe spezieller Drucker, aufgebracht. Für den Käufer böte das Verfahren zwei Vorteile: Diese Meissener Teller wären künftig spülmaschinenfest und kosteten den halben Preis. In der gestrigen Mitteilung war davon nicht die Rede.

Erleichtert dürfte die Rückkehr zur Kernkompetenz in Japan aufgenommen werden, dem wichtigsten Auslandsmarkt. Generalimporteur Masanobu Hashida hatte erst jüngst in einem SZ-Gespräch betont, dass er für echtes Meissener sehr wohl einen großen Markt sehe, wenn es sich für die junge Generation neu erfinde.