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Meißen sucht den Supergründer

Während andere Städte allein mit Geld leere Geschäfte beleben möchten, setzt man an der Elbe lieber auf einen Wettbewerb.

© Claudia Hübschmann

Von Stephan Hönigschmid

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Meißen. Bestimmte Dinge entfalten schnell eine Sogwirkung. Steht beispielsweise ein Haus leer und es wirft jemand eine Scheibe ein, muss man meistens nicht lange warten, bis auch eine dritte und vierte Scheibe zerstört sind. Auf diese Weise wird es dort, wo es ohnehin nicht schön ist, Schritt für Schritt immer schlimmer.

Am Ende entsteht ein Teufelskreis, der auch vor leerstehenden Ladenflächen in der Innenstadt nicht halt macht. Vor diesem Hintergrund wundert es kaum, dass gegenwärtig eine Initiative der Stadt Sebnitz für Furore sorgt. Das Prinzip: Jeder, der in der Stadt ein Ladenlokal am Markt oder an den umliegenden Straßen übernehmen möchte, kann künftig einen städtischen Zuschuss erhalten. Je nach Größe des Ladens sind bis zu 10 000 Euro drin.

Stellt sich die Frage, ob solch ein Modell auch für Meißen interessant wäre? Denn obwohl der Leerstand in der Domstadt noch nicht ganz so dramatisch wie andernorts ist, gibt es durchaus Ecken wie die Neugasse oder die Gerbergasse, die eine Belebung gebrauchen könnten.

Darauf angesprochen, sagt Meißens Stadtmarketingchef Christian Friedel: „Ich halte nichts davon, das Geld nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen. Bei uns wird niemand pauschal 10 000 Euro bekommen“, sagt er. Doch auch wenn die Verwaltung nicht den Sebnitzer Weg gehen möchte, will sie angesichts des bestehenden Leerstands auch nicht untätig bleiben. Stattdessen verfolgt sie gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung eine andere Strategie.

„Wir sind ebenfalls daran interessiert, leerstehende Läden zu reduzieren, aber für uns gilt: Qualität vor Quantität.“ In diesem Sinne sei ein Existenzgründerwettbewerb geplant, bei dem die Teilnehmer eine Expertenjury aus Bankern, Steuer- und Unternehmensberatern sowie Vertretern des Handels überzeugen müssen. „Richtig losgehen wird es mit dem Projekt im Sommer. Dann werden wir in ganz Sachsen Flyer verteilen, um möglichst viele Menschen anzulocken, die in Meißen ein Geschäft eröffnen möchten“, sagt Friedel und fügt an: „Ziel ist es, dass die Sieger im Frühjahr 2019 mit dem Geschäftsbetrieb beginnen können.“

Zuvor müssen sie jedoch so wie bei den Castings von bekannten Fernsehshows mehrere Runden überstehen und für ihre Ideen kämpfen. Nur wenn sie ihre Konzepte verständlich herüberbringen und auch als Persönlichkeit überzeugen, haben sie eine Chance, ins Finale zu kommen.

Man möchte Menschen erreichen, die nicht nur teilnehmen, weil es etwas umsonst gibt, sondern die tatsächlich für ihre Idee brennen, heißt es aus dem Stadtmarketing. Erlaubt sind sowohl Geschäftsideen aus dem Einzelhandel, als auch aus dem Dienstleistungs- oder Gastronomiebereich. Vorteilhaft ist für die Bewerber, dass am Ende wohl mehrere Gründer zum Zuge kommen.

„Wir haben vor, dass die Gewinner auf den ersten vier Plätzen alle für ein Jahr ein Ladengeschäft zu günstigen Konditionen bekommen. Der Erstplatzierte kann sich außerdem kostenfrei eine Homepage erstellen lassen und erhält einen Satz Visitenkarten“, sagt Friedel. Allerdings schränkt er gleichzeitig ein: „Die Zahl der zu fördernden Geschäftsideen hängt letztlich von deren Originalität und Zukunftsfähigkeit ab.“

Uwe Reichel vom Gewerbeverein, der ebenfalls an der Initiative beteiligt ist, sagt dazu: „In Zeiten des Internethandels muss man ein Erlebnis schaffen, damit die Menschen in die Stadt kommen.“ Von daher seien vor allem Ideen gefragt, die Gastronomie und Einzelhandel verbinden. Sollte dies nachhaltig gelingen, hätte seiner Meinung nach auch keiner der alteingesessenen Händler etwas gegen die Unterstützung der Neuen. „Wenn mehr Besucher kommen, haben ja alle etwas davon“, sagt Reichel.