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Meißen.Lokal

1.000 Jahre Meißener Stadtgeschichte

… und dann kam das Wasser. Eine Stadt versinkt. Die großen Katastrophen in der Meißener Stadtgeschichte.

© Foto: Claudia Hübschmann

Seit jeher kämpft der Mensch gegen die Naturgewalten, aber in den meisten Fällen ist die Natur einfach nicht beherrschbar, sie lässt sich keinen Willen aufzwingen. So idyllisch Städte an Flüssen auch zauberhaft gelegen sind, verbirgt sich dahinter immer die Gefahr, dass diese Metropolen am ehesten von Flutkatastrophen heimgesucht werden können. Es ist eine Mischung aus Bedrohung und Faszination.

Was verursacht Hochwasser?

Dass Flüsse, wie z. B. die Elbe, Hochwasser haben, ist eigentlich normal. Verursacht werden solche erhöhten Pegelstände z. B. durch die Schneeschmelze im Frühjahr oder durch starke Regenfälle. Das Wasser läuft den Berg hinab und fließt ins Tal und in die Flüsse. Der Fluss wird breiter. Auch in den zuführenden Flüssen steigt der Pegel und es kommt zu einer Uferübertretung. Dämme oder Deiche können den Wassermassen nicht mehr standhalten. Es kommt zu Überschwemmungen und leider in den schlimmsten Fällen zu einer Flutkatastrophe.

Die älteste Hochwassermarke stammt von 1501

Hochwasserkatastrophen musste auch Meißen schon seit dem frühen Mittelalter miterleben. Chronologische Nachrichten über Hochfluten reichen für Meißen bis ins Jahr 1015 zurück. Seither hat es in der Stadt rund 200 Hochfluten gegeben. Die älteste Hochwassermarke zeigt das Jahr 1501. Aufzeichnungen ist zu entnehmen, dass im August des Jahres 1501 Mitteleuropa in den Fluten versank. Ein neuntägiger Regen in Böhmen setzte viele Teile Mitteleuropas unter Wasser. In Meißen stand das Wasser 12 Ellen (13,71 m) und 10 Zoll (0,246 m) über dem Stand.

Flutmarkierungen Stadtmuseum
Flutmarkierungen Stadtmuseum © Foto: Christiane Weikert
Markierungen Heinrichsplatz/Leipziger Str.
Markierungen Heinrichsplatz/Leipziger Str. © Foto: Christiane Weikert

Und wieder versinkt die Stadt – 1784

1783/84 gab es einen langen und sehr strengen Winter. Wochenlang war die Elbe gefroren, dann plötzlich setzte Tauwetter ein und der Wasserpegel stieg pro Stunde um 32 cm. So erreichte die Elbe am 1. März einen Stand von 8,57 m in Dresden und führte dazu, dass viele Städte und Dörfer im gesamten Elbtal unter Wasser gesetzt wurden und teilweise, durch das mitgeführte Treibgut schwer zerstört wurden. In Meißen wurde die Elbbrücke in Mitleidenschaft gezogen. Auch gab es einen großen Verlust an Nutzvieh, welches nicht gerettet werden konnte. Am 6. März verschwand die Elbe wieder in ihrem Flussbett und Meißen hatte neun Todesopfer zu beklagen.

Die Sächsische Sintflut - 1845

Der Winter 1844/45 zeichnete sich durch dauerhaft niedrige Temperaturen und hohe Schneemengen aus und war damit Verursacher für eine 1,5 m dicke gefrorene Eisschicht auf der Elbe, welche über mehrere Wochen anhielt. Durch einsetzendes Tauwetter wurde es zum Elbehochwasser des Jahrhunderts, auch die „Sächsische Sintflut“ genannt. Das Eis brach und der Fluss verbreiterte sich auf 250 m (normal: 110 m). Meißen stand wieder unter Wasser. Dämme und Deiche brachen, es kam zu großflächigen Überschwemmungen.

An der Altstadtbrücke staute sich das Eis und verhinderte so den Abfluss. Die Stadt wurde überflutet, einige Häuser standen bis zum Dach im Wasser oder stürzten ein.

Ein Augenzeuge berichtete:

„Das Getöse der an den Eisbrechern und Bogengewölbesteinen zerschellenden Häuser, Flöße und Gerüste, deren Langholz wie Tonpfeifenröhren zerbrachen, war fürchterlich und erfüllte die Bewohner der Elbufer mit immer größerem Graus.“ (Name unbekannt)

© Bild: Stadtarchiv Meißen

Die bei diesem Hochwasser erreichten Pegelstände wurden erst durch das Elbehochwasser 2002 übertroffen. Neben dem Magdalenenhochwasser von 1342 und der Jahrhundertflut von 2002 war das Elbhochwasser 1845 eine der schwersten Naturkatastrophen in Sachsen aller Zeiten.

2002 – das Wasser kommt

August 2002 - Tief „Ilse“ peitscht Sturm und Starkregen durch Mitteleuropa. Binnen 24 Stunden erreicht die Regenmenge einen Tageswert von 312 mm, eine noch nie gemessene Menge seit es Wettermessungen gibt. Die bereits schon feuchten Böden können die Wassermassen einfach nicht mehr aufnehmen und so fließt das Wasser sofort in die Täler. Die Flüsse schwellen binnen Stunden auf das Mehrfache ihrer Größe an und drücken das viele Wasser in die Nebenflüsse. Meißen erwischt es gleich zweimal hart hintereinander.

So stieg der Pegel, der durch Meißen führenden Triebisch rasant an und überflutete vom Stadtinneren heraus die Stadt. Nach dem Rückgang des Wassers innerhalb weniger Tage, sah man das ganze Ausmaß dieser ersten Katastrophe. Fußwege und Straßen waren aufgerissen worden. Alles, was das Wasser mitreißen konnte, lag wie Kinderspielzeug verteilt auf den in Mitleidenschaft gezogenen Gassen - Autos, Mülltonnen, Geröll und jede Menge Schlamm. Und das hatte nur die Triebisch verursacht. Die Bedrohung durch die nun immer mehr anschwellende Elbe war erschreckend, aber erkennbar und so herrschte ein Ausnahmezustand, welchen man bisher noch nicht gekannt hatte. Das Warten auf das Wasser. Vielerorts war die Strom- und Telefonversorgung bereits unterbrochen. Es herrschte eine gespenstige Stille und nur noch das Licht der Taschenlampen spendeten im Dunkeln etwas Licht. Es war bedrückend und man hörte nur das Rauschen des Wassers gleichmäßig und leise. Erst eine Woche später erreichte die Elbe am 17.8.2002 ihren Höchststand mit 10,40 m (nur 15 cm niedriger als zur Sächsischen Sintflut!).

Insgesamt kamen in Sachsen 21 Menschen durch das Hochwasser 2002 ums Leben.

Auch 2013 verheißt nichts Gutes

Anfang Juni gab es einen anderthalbwöchigen Dauerregen. Die Flüsse stiegen im Gegensatz zum Hochwasser 2002 nicht so überraschend schnell an. Auch die errichteten Hochwasserschutzbauten konnten einen ersten erfolgreichen Dienst versehen, aber das Wasser nicht aufhalten. Die Schutzwand funktionierte nur bis zu einer Pegelhöhe von 7,85 m. Tausende Helfer waren überall im Einsatz, um gegen die einsetzenden Wassermassen zu kämpfen.

Anfang Juni steigen die Pegelstände unaufhörlich und die nächste Flut wird zur bitteren Realität. Der Katastrophenalarm wird ausgerufen. Hubschrauber kreisen ständig über dem Elbtal um die aktuelle Lage zu kontrollieren und um die nächsten Maßnahmen einzuleiten. In vielen Städten wird nun der Strom abgestellt, Häuser evakuiert. Die Altstadt überflutet. DLRG, Helfer der Bundeswehr, Technisches Hilfswerk und die Mitarbeiter der Stadt sind unentwegt unterwegs, helfen und informieren. Facebook leistet zu diesen Zeiten einen wertvollen Beitrag in der Vernetzung der vielen, vielen freiwilligen Helfer. Alle wollen die Schäden eindämmen.

© Foto: Claudia Hübschmann

Trotzdem bleibt die Situation angespannt, alle warten auf den Höchststand. Am 5.6. steht der Pegel bei 8,89 m - 103,55 über Normalnull. Aber er steigt weiter. Ab dem 07.06. fallen langsam die Pegelstände, aber eine Entspannung ist noch nicht in Sicht.

Was bleibt?

Leider können die Anwohner noch nicht in ihre Häuser zurück. Überall wird gepumpt und schon mit den ersten Aufräummaßnahmen begonnen. Was bleibt ist Schlamm, Gestank und viel Verzweiflung.

Viele Häuser und historische Gebäude wurden in Mitleidenschaft gezogen und stark verwüstet oder beschädigt. Einzelhändler stehen vor dem Nichts. Aber, es muss weitergehen.

Die vorläufige Schadenshöhe wurde auf etwa 2 Milliarden € beziffert (Stand: 25. Juni 2013). Im Vergleich dazu beliefen sich die Schäden des Hochwassers 2002 auf etwa 6,2 Milliarden €. Insgesamt kamen 14 Menschen durch das Hochwasser 2013 ums Leben.

Aber gerade solche Katastrophen zeigen uns auch, wie hoch der Zusammenhalt und die Solidarität unter den Menschen ist. Die Spendenbereitschaft war enorm.

Heute sind die Spuren der letzten Flutkatastrophe in Meißen nicht mehr erkennbar. Man kann trockenen Fußes durch Meißen schlendern. Aber vergessen sind sie nicht.

…. So idyllisch Städte an Flüssen auch zauberhaft gelegen sind, verbirgt sich dahinter immer die Gefahr, dass diese Metropolen am ehesten von Flutkatastrophen heimgesucht werden können. Mein schönes Meißen. Gott erhalt´s…

(Quelle: Wikipedia, Stadt Meißen und Stadtlexikon Meißen)

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