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Alte Frau auf Friedhof begrapscht

Der angeklagte Meißner fasste die Frau auch im Bus und in der Kirche an, umarmte sie und versuchte, sie zu küssen.

Als auf einem Friedhof eine Witwe ans Grab ihres Mannes ging, belästigte sie ein 55-jähriger Meißner.
Als auf einem Friedhof eine Witwe ans Grab ihres Mannes ging, belästigte sie ein 55-jähriger Meißner. © Angelika Warmuth/dpa

Meißen. Das muss ein Albtraum ein. Ein Mann setzt sich in einem Linienbus neben eine Frau, greift nach ihrem Arm  und küsst diesen bis zur Schulter. Ein paar Wochen später umarmt er die Frau, als er sie wohl nicht ganz zufällig in einer Meißner Kirche trifft.  Als die Mittsiebzigerin am Totensonntag in einer Kirche in Andacht an ihren verstorbenen Mann eine Kerze anzündet, taucht der 55-Jährige wieder auf, versucht sie zu küssen.

 Als die Geschädigte wenig später zum Grab ihres Mannes geht,  ergreift er ihre Hand und küsst sie, drückt den Kopf der Frau an seine Schulter.  "Die Geschädigte fühlte sich in allen Fällen angeekelt und belästigt", so die Staatsanwältin.  Wegen sexueller Belästigung muss sich der Mann nun vor dem Meißner Amtsgericht verantworten.  

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Verteidiger Wolfgang Tücks räumt im  Namen seines Mandanten die Taten ein. Dieser hatte schon im Ermittlungsverfahren gestanden, deshalb hatte  das Gericht auch darauf verzichtet, die Geschädigte als Zeugin zu laden, um der alten Frau einen Auftritt vor Gericht zu ersparen.  Doch nun versucht der Mann, die Sache zu relativieren. Er habe die Frau doch nur trösten wollen.  Sie zu umarmen und zu küssen, das würde er sich doch gar nicht trauen. Und überhaupt: An der angegebenen Haltestelle würde er nie in den Bus einsteigen, sondern an einer anderen,  um zu seiner Mutter zu fahren.   

Vom Landgericht verurteilt

Nach einem Gespräch mit seinem Anwalt und mit seinem Betreuer räumt er die Taten schließlich doch ein. Der Meißner steht nicht das erste Mal wegen solcher Taten vor Gericht. Schon im vergangenen Jahr war er wegen sexueller Nötigung in drei Fällen und sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt. Der damalige Meißner Richter befand den Mann allerdings für schuldunfähig und sprach ihn frei. 

Die Staatsanwaltschaft ging dagegen in Berufung. Vor dem Landgericht Dresden wurde der Meißner wegen dieser Taten schließlich im Frühjahr dieses Jahres zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Die Strafe wurde für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.    

Dass der Mann psychische Probleme hat und nicht in der Lage ist, sein Leben in den Griff zu kriegen, steht außer Frage. Seine Wohnung ist total vermüllt, deshalb hält er sich tagelang bei seiner Mutter auf, nistet sich dort regelrecht ein, stapelt Müll im Keller. Die  Mutter kann sich dagegen nicht wehren, ist bettlägerig. 

Er sieht das nicht ein. "Mutti freut sich immer, wenn ich zu ihr komme", sagt er. Sein Betreuer hat sich nun um eine Unterbringung in einer sozialpsychiatrischen Wohnstätte in Großenhain gekümmert. Das Zimmer wird derzeit für ihn freigehalten.  Doch der Mann weigert sich mit Händen und Füßen, nach Großenhain zu ziehen, findet 1.000 Gründe, warum das nicht geht.  Sein Betreuer ist verzweifelt. Der Umzug nach Großenhain sei die letzte Chance für ihn,  ins soziale Leben zurückzukehren, sagt er.  

"Lassen Sie die Frau in Ruhe"

Das jetzige Verfahren war im Hinblick auf das andere Verfahren schon einmal eingestellt worden. Nach dem überraschenden Freispruch wurde es wieder aufgenommen. Dann aber kam doch noch die Verurteilung durch das Landgericht. Aus diesem Grund entschied das Schöffengericht des Amtsgerichtes Meißen nun, das jetzige Verfahren erneut einzustellen. 

Richterin Petra Rudolph, bis vor Kurzem noch Betreuungsrichterin am Amtsgericht Meißen, appellierte eindringlich an den Angeklagten: "Nehmen Sie die Chance wahr und ziehen Sie nach Großenhain. Und vor allem lassen Sie die Frau in Ruhe. Wenn Sie noch einmal irgendjemanden berühren, der nicht berührt werden will, landen Sie im Gefängnis." Denn neben einer neuen Strafe würde auch die Bewährung widerrufen. Ob das bei dem Angeklagten durchgedrungen ist, darf bezweifelt werden.   

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