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Auf kurzem Weg zu Bahn und Bus

Die Stadt denkt über einen Tunnel zum Bahnhof nach. Erste Pläne dafür gibt es bereits.

Über einen Durchgang unter den Gleisen könnten der Bahnhof sowie der Busbahnhof schneller erreicht werden.
Über einen Durchgang unter den Gleisen könnten der Bahnhof sowie der Busbahnhof schneller erreicht werden. © Luftbild: Claudia Hübschmann

Meißen. Ein Tunnel zum Bahnhof und Busbahnhof soll perspektivisch geschaffen werden. Eher beiläufig fiel diese Bemerkung in der vorigen Woche, als Landrat Ralf Hänsel und Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke gemeinsam an der Brauhausstraße entlangschlenderten. „Der Landkreis verkauft hier an die Stadt Meißen eine Fläche, auf dieser wird die Stadt einen Parkplatz schaffen“, sagte der Landrat laut einer Pressemitteilung der Kreisverwaltung. Im lokalen Fernsehen sind Landrat und Oberbürgermeister vor der leeren Fläche neben dem Landratsamt zu sehen, auf der das Gras sprießt. Beide zeigen auf die Bahnsteige des Bahnhofes.

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Eine Tunnellösung soll „einen einfacheren Zugang zum Bahnhof sowie zum Busbahnhof ermöglichen. Das verbindet die durch die Bahnlinie bislang getrennten Stadtteile“, zitiert die Pressemitteilung des Meißner OB. Die Nachfrage im Rathaus ergibt: „Es handelt sich um eine Zukunftsidee, die aus Richtung des Verkehrsverbundes Oberelbe kommt, aber natürlich auch für uns interessant ist“, wie Stadt-Sprecherin Katharina Reso informiert.

Das lässt aufhorchen. Mancher wird sich daran erinnern, dass in Meißen eine solche kurze Verbindung unter den Gleisen schon einmal zur Debatte gestanden hatte – unmittelbar vor dem Ausbau der S-Bahn-Linie in der Stadt. Damals war sie sehr schnell beendet worden, nämlich als es um die Frage ging: Wer soll das bezahlen? Weder Bahn noch Stadt wollten seinerzeit darauf antworten.

Erinnerungen an den "Posttunnel"

Die in den Jahren 2013 und 2014 anstehenden Bauarbeiten zur Erneuerung von Gleisen, Oberleitungen und Bahnanlagen böten die einmalige Chance, auch einen schnellen Durchgang zum Bahnhof ebenso wie zum Busbahnhof zu schaffen. So hatten es mehrere Bürger der Stadt vorgeschlagen. Diese Idee kam zur Sprache bei Infoveranstaltungen, zu denen die Bahn und die Stadt geladen hatten, um die Baupläne der Öffentlichkeit vorzustellen.

In Erinnerung mag vielen dabei sicher der „Posttunnel“ gewesen sein, der einen Eingang östlich vom heute noch zugänglichen Tunnel an der Rückseite des Bahnhofs hatte. Das war aber nie ein öffentlicher Personentunnel, sagt Dr. Claus-Dirk Langer. Wie der Architekt und ehrenamtliche Ortschronist berichtet, führte dieser Durchgang direkt zu den Gleisen und war über einen Aufzug mit dem Bahnsteigen verbunden. Auf der Nordseite des Bahnhofes hatte er auf dem Hof – dort, wo sich heute eine Fahrschule befindet – einen Ausgang. Als die Post die Bahn nicht mehr nutzte, um Briefe und Pakete befördern zu lassen, waren Tunnel und Aufzugsanlage überflüssig. Der Tunnel wurde verfüllt und der Aufzug abgebaut.

Ein Durchbruch durch den Bahndamm – der in Meißen übrigens erst in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts aufgeschüttet wurde, um die Kreuzung der Bahnlinie mit der Dresdener Straße schrankenfrei werden zu lassen, so Claus-Dirk Langer – kam vor etwa zwei Jahren wieder ins Gespräch. Im Landratsamt wurde gerade über den Neubau eines Bürogebäudes in unmittelbarer Nachbarschaft an der Brauhausstraße nachgedacht. Das war verbunden mit einem Auftrag an den Verkehrsverbund Oberelbe (VVO). Der Betreiber der S-Bahn-Strecke war um Vorplanung einschließlich grober Kostenabschätzung gebeten worden, berichtet VVO-Sprecher Christian Schlemper.

Die Stadt muss entscheiden

Der Verkehrsverbund steht der Tunnel-Idee grundsätzlich positiv gegenüber – nicht zuletzt deshalb, weil ein Durchgang, der direkt zum Bahnsteig führt, und seine Anbindung an einen P+R-Parkplatz die Nutzung von S-Bahn und Bussen noch attraktiver machen könne. Die Ergebnisse dieser Planungen, an denen auch die Bahn und ein Ingenieurbüro beteiligt waren und in die der VVO 50.000 Euro investiert hat, liegen jetzt bei der Stadt.

Über das „Wie weiter?“ muss die Stadt entscheiden, erklärt Christian Schlemper. Damit meint der VVO-Sprecher auch die Finanzierung, die sie als Bauherr eines solchen Vorhabens übernehmen muss. Erst wenn darüber sowie über Möglichkeiten zur Förderung eines solchen Bauvorhabens Klarheit herrscht, können konkrete Planungen beginnen. Neben den baulichen Details sind auch Auswirkungen auf den S-Bahn-Verkehr während der Bauzeit zu klären. Denn die S-Bahnen würden für längere Zeit nicht den Bahnhof sowie den Haltepunkt Meißen-Altstadt und den Bahnhof Triebischtal bedienen können.

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Rein technisch betrachtet, kann ein Bahndamm für einen Durchgang geöffnet werden, sagt Holger Metzig. Der Stadtrat mit dem Mandat der Unabhängigen Liste Meißen (U.L.M.) ist von Beruf Bauingenieur, der die Idee für „überlegenswert“ hält. Aufwand und Nutzen seien aber abzuwägen.

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