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Aus für Kindergartenpläne?

Niederau und Stauchitz möchten neue Einrichtungen bauen. Doch das könnte problematisch werden.

Durch den Neubau einer Kindertagesstätte in Niederau könnte eine Gruppe aus der Kindertagesstätte Auenknirpse in Oberau herausgenommen und dort Platz für einen Personalraum geschaffen werden.
Durch den Neubau einer Kindertagesstätte in Niederau könnte eine Gruppe aus der Kindertagesstätte Auenknirpse in Oberau herausgenommen und dort Platz für einen Personalraum geschaffen werden. © Claudia Hübschmann

Niederau/Stauchitz. Niederau fällt ein bisschen aus der Rolle. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden konnte seit drei Jahren die Einwohnerzahl konstant bei über 4.000 gehalten werden, stieg sogar leicht an. Ein wesentlicher Grund sind Zuzüge von jungen Familien mit Kindern. Doch jede Medaille hat eben zwei Seiten. Diese zweite Seite ist, dass mit mehr Kindern auch die Zahl der benötigten Plätze in den Kindereinrichtungen steigt.

Deshalb plant die Gemeinde den Bau einer neuen Kindertagesstätte. Diese soll insgesamt 80 Plätze haben, 30 davon wären allerdings nur neu. Die anderen sollen belegt werden von einer Kindergartengruppe, die derzeit im Hortgebäude untergebracht ist. Auch aus der Kindertagesstätte Oberau könnte dann eine Gruppe herausgenommen werden, um Platz für einen Personalraum zu schaffen.

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Doch es gibt mehrere Probleme. Problem Nummer 1: das Geld. Ein solcher Neubau würde nach bisherigen Berechnungen rund 3,5 Millionen Euro kosten. Das kann sich eine Gemeinde wie Niederau nicht leisten. Es geht nur mit Fördermitteln. Und hier kommt Problem Nummer 2: Fördermittel sind derzeit nicht in Sicht. Ein Grund ist Corona und die damit verbundenen zusätzlichen Ausgaben des Staates. "Es ist tatsächlich so, dass die Fördermittel nicht mehr so sprießen wie vor Corona. Wir sind seit rund eineinhalb Jahren im Gespräch", sagt Bürgermeister Steffen Sang (parteilos).

Und es gibt Problem Nummer 4, das aber nichts mit Corona zu tun hat: Bestehende Förderprogramme sind hoffnungslos überzeichnet. Es gibt also viel mehr Anträge, als Geld zur Verfügung steht.

Der Hort der Grundschule Ragewitz ist viel zu klein. Ausgelegt für 80 Hortkinder, wird er dank Ausnahmegenehmigung von 120 Mädchen und Jungen besucht. Jetzt soll ein Neubau her.
Der Hort der Grundschule Ragewitz ist viel zu klein. Ausgelegt für 80 Hortkinder, wird er dank Ausnahmegenehmigung von 120 Mädchen und Jungen besucht. Jetzt soll ein Neubau her. © Sebastian Schultz

Planungen werden fortgeführt

Die Devise lautet: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Es ist also von Vorteil, wenn die Planungen schon in der Schublade liegen. Um überhaupt erst einmal Fördermittel beantragen zu können, sind vorbereitende Planungen nötig. "Wir wollen dieses Geld jetzt in die Hand nehmen, werden aber noch keine Durchführungsplanung machen. Ob wir die Planungen weiterführen, ist offen. Klar ist, dass es ohne Fördermittel nicht geht", sagt Sang. Nötig seien 50, besser aber 75 Prozent Förderung. Ansonsten sei ein solcher Bau illusorisch. Auch wenn die Zinsen am Boden liegen und Niederau finanziell relativ gut dasteht, könne sich die Gemeinde eine solch hohe Schuldenaufnahme nicht leisten.

Die Gemeinde hatte die Hoffnung, dass der Bau schon im nächsten Jahr beginnen könne, wenn es Fördermittel gibt. Diese Hoffnung schwindet, zumindest was den Baubeginn betrifft. Der Bürgermeister nimmt es mit Humor. "Wenn nicht, dann haben wir eben ein paar Jahre mehr Zeit zum Sparen", sagt er.

Ohne Förderung nicht zu stemmen

Auch die Gemeinde Stauchitz plant den Neubau von Kindereinrichtungen. Hier ist das Problem sogar noch dringlicher. Der Hort der Grundschule ist völlig überbelegt, zu 145 Prozent ausgelastet. Bei einer Kapazität von 80 Mädchen und Jungen werden fast 120 betreut. Möglich ist das nur durch eine Ausnahmegenehmigung. Die läuft aber irgendwann aus. Und es wird nicht besser. Ab dem kommenden Schuljahr gibt es in der Grundschule acht Klassen, aber nur sieben Horträume.

Weil Erweiterungen nicht möglich sind, soll ein neues Gebäude gebaut werden. Die reinen Baukosten: 3,5 bis vier Millionen Euro. "Ohne Förderung von mindestens 50 Prozent ist das nicht machbar. Ansonsten müssten wir einen Mordskredit aufnehmen", sagt Bürgermeister Dirk Zschoke (parteilos).

Er hofft auf ein Bundesprogramm zur Ganztagsbetreuung, über das schon digitale Tafeln angeschafft werden konnten. Der Hauptteil dieses Förderprogramms sei aber noch in Arbeit. Er weiß, dass durch Corona die Fördertöpfe nicht mehr so gut gefüllt werden können. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagt der Stauchitzer.

Der Hort ist nicht das einzige Problem. Die Gemeinde hat zwar zwei Kindertagesstätten und derzeit mehr Betreuungsplätze als notwendig wären, doch in beide Häuser müsste erheblich investiert werden. Da stellt sich die Frage, ob nicht ein kompletter Neubau auf Dauer kostengünstiger wäre. Der Gemeinderat hat eine solche Variante wegen der hohen Kosten schon einmal abgelehnt.

Doch jetzt wird neu nachgedacht. Klar ist jedoch, dass auch dieser Neubau nur mit erheblichen Fördermitteln zu schaffen ist. Und so könnte auch dieser Traum platzen.

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