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Aus Geburtstagsparty wird Hochzeitsfeier

Schloss Schleinitz ist auch unter Corona-Bedingungen bekannt für nicht alltägliche Veranstaltungen. Und für Überraschungen. Eine solche erlebt eine Döbelner Familie.

Hochzeit in Zeiten von Corona im Schloss Schleinitz: Ein Überraschungsfest erlebte hier jetzt eine Döbelner Familie.
Hochzeit in Zeiten von Corona im Schloss Schleinitz: Ein Überraschungsfest erlebte hier jetzt eine Döbelner Familie. © Claudia Hübschmann

Nossen. Eigentlich sollen es Familienfotos zum 40. Geburtstag werden. Eigentlich. Denn es werden Hochzeitsfotos. Geladen sind Eltern und Oma, Schwiegereltern und natürlich die beiden sechs- und neunjährigen Söhne zum Schloss Schleinitz. Keiner weiß Bescheid. Nadja Zahnke aus dem Döbelner Ortsteil Maltitz wollte anlässlich ihres runden Geburtstages „nur“ ein paar Erinnerungsbilder für das Familienalbum schießen lassen – so die Information an die Verwandten. Dann die Überraschung.

„Mir kam es komisch vor, dass sie es so groß aufziehen wollte“, erzählt Mutter Edith Zahnke. Ihr Mann habe aber schon etwas geahnt: „Er sagte zu mir: Schön anziehen. Wetten, dass die heiraten.“ Doch sie selbst hat daran nicht so recht geglaubt. Als sie am Schloss eintreffen und Nadjas Lebensgefährte Lutz Enkelmann und die gemeinsamen Kinder in feinstem Zwirn sehen, da ist es auch ihr klar.

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Die Eltern des Bräutigams haben hingegen überhaupt nicht damit gerechnet. „Ich bin total verdutzt“, sagt Rosmarie Enkelmann kurz vor der Trauung. Als ihre Enkel dann mit den Ringen ankamen, „war ich baff. Es hieß ja nur, wir fahren zum Essen hierher.“

Ursprünglich wollte Nadja an ihrem Geburtstag überhaupt nicht da sein, erzählt Bräutigam Lutz Enkelmann. „Sie hat Angst vorm Älterwerden.“ Deshalb, so erzählt Nadja, hatte sie vor, in Lissabon in einer Straße Kaffee zu trinken und Menschen zu beobachten. „Ich wollte ganz allein sein.“ 

Doch das wusste Lutz zu verhindern – mit der Hochzeit. Einen Heiratsantrag gibt es zwar schon lange, Heiligabend 2004, aber jetzt, das war dann doch überraschend. „Ich habe erst einmal geschluckt, dachte zunächst nur an Standesamt mit anschließendem kleinen Essen. Lutz wünschte sich aber etwas mehr Etikette.“

"Ich verstehe viele, die verzweifeln"

Corona machte den beiden dabei keine Sorgen. Die Trauung sollte ohnehin im engen Familienkreis sein. Dennoch: „Ich bin froh, dass wir heute ohne Einschränkungen heiraten konnten. Wenn wir hätten Maske tragen müssen, hätte uns das heute aber auch nicht abgehalten“, sagt Nadja, die nun den Familiennamen Enkelmann trägt.

Beim Sektempfang tragen Schloss-Pächterin Silke Langer und ihre Tochter Josi einen Mund-Nasen-Schutz. Desinfektionsmittel an den Eingängen, Abstand und Maske am Buffet, darauf achtet Silke Langer. „Ich will auch nicht mein Personal gefährden. Toi, Toi, toi. Bisher ist auch noch nichts passiert.“

Das Organisieren von Veranstaltungen auf Schloss Schleinitz ist zum Glück nicht ihr einziger Erwerb. Sie ist Notfall-Chirurgin in einem Leipziger Krankenhaus, hatte jedoch ihre Arzttätigkeit deutlich reduziert, wie sie erzählt. „Ich liebe diesen Job, aber private Veränderungen haben mich umdenken lassen. 24-Stunden-Nachtdienste taten mir nicht mehr gut. Mir wurde bewusst, was wir wirklich begrenzt haben, ist Zeit.“ Zeit mit Freunden und Familie.

Wegen der Corona-Pandemie konnte erst wieder im August die erste Hochzeit auf Schloss Schleinitz stattfinden. „Die meisten haben ihre Termine in das nächste Jahr verschoben“, sagt Silke Langer. Generell ging es langsam mit Veranstaltungen wieder los. Doch mit Absagen rechnet sie immer wieder.

Beim Sektempfang tragen Schloss-Pächterin Silke Langer und Tochter Josi (im Foto) einen Mund-Nasen-Schutz. Desinfektionsmittel an den Eingängen, Abstand und Maske am Buffet, darauf achtet Silke Langer - nicht nur bei dieser Hochzeit.
Beim Sektempfang tragen Schloss-Pächterin Silke Langer und Tochter Josi (im Foto) einen Mund-Nasen-Schutz. Desinfektionsmittel an den Eingängen, Abstand und Maske am Buffet, darauf achtet Silke Langer - nicht nur bei dieser Hochzeit. © Claudia Hübschmann

In den nächsten Tagen soll eine deutsch-griechische Jugendbegegnung stattfinden. Für die Gäste wurden extra Duschpläne aufgestellt, da nicht jedes Zimmer der Herberge über eigene Bäder verfügt. „Wegen Corona haben wir mehr Aufwand, auch mehr Personalkosten. Da verstehe ich viele, die verzweifeln.“

Silke Langer ist froh, wenn wenigstens etwas Geld in die Kasse kommt, denn fixe Kosten sind zu begleichen. „Aber ich mache gern Leute glücklich.“ So organisiert sie nicht nur, sondern dekoriert auch. Die Weinklause im Schloss hat sie für die Hochzeit auch selbst geschmückt. Alles muss schön sein. Das ist ihr Anspruch. „Wenn mir eine Naht bei einem Patienten nicht gefällt, mache ich die auch noch einmal neu“, sagt die Chirurgin lachend.

Die Zeit des Lockdowns nutzte sie mit ihrem Team, um ein paar Veränderungen und Renovierungsarbeiten in der Herberge und im Schloss auf eigene Kosten vorzunehmen. Fußboden erneuert, gestrichen und im Schloss aus den drei Einzelzimmern Doppelzimmer gemacht.

Während die kleine Hochzeitsgesellschaft nun in der Weinklause gemütlich feiert, sind die nächsten Interessierten da. Es geht weiter mit kleinen Veranstaltungen im Schloss Schleinitz.

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