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Ausgabe auch bei Eiseskälte

Die ehrenamtlichen Helfer der Tafel sorgen dafür, dass Bedürftige versorgt werden können. Die Einrichtung am Kynastweg darf aber nicht betreten werden.

Evelin Fritsch (vorn) und Kerstin Kalkowski gehören zum Team der Meißner Tafel.
Evelin Fritsch (vorn) und Kerstin Kalkowski gehören zum Team der Meißner Tafel. © Claudia Hübschmann

Meißen. Die eisige Kälte dieser Tage macht schon zu schaffen – drinnen wie draußen. Das Fenster als Ausgabe muss bleiben, sagt Ursula Gleisberg. Die Räumlichkeiten dürfen nicht betreten werden. Die Chefin der Meißner Tafel weiß, dass dies natürlich eine Zumutung ist. Aber: Nur die peinliche Einhaltung der Corona-Schutzvorschriften garantiert, dass die Ausgabestelle der Meißner Tafel auf dem Kynastweg offen bleiben und Bedürftige versorgen kann.

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25 bis 30 Leute kommen in diesen Tagen während der zweistündigen Öffnungszeit vorbei, um sich die Lebensmittel abzuholen, die von den Tafel-Helfern bei Supermärkten, Lebensmittelgeschäften und Bäckereien abgeholt werden. In normalen Zeiten erscheinen um die 60 Menschen bei der Meißner Tafel, sagt Ursula Gleisberg.

Derzeit sorgen insgesamt 18 Helfer dafür, dass montags, dienstags, donnerstags und freitags genügend Lebensmittel da sind, um allen einen Beutel oder eine Kiste mit Nahrungsmitteln, Obst und Gemüse füllen zu können. Für drei Euro bekommen die Tafel-Besucher von allem, was gerade da ist. „Wir fragen die Leute, was sie haben möchten“, erläutert die Tafel-Chefin. Klar, dass nur das ausgegeben werden kann, was in Regalen und Kühlschränken vorrätig ist. Geduldig und manchmal auch mit Nachdruck bemühen sich Ursula Gleisberg und ihre Helfer, dies immer wieder zu erklären.

Die Lebensmittelausgabe bei der Meißner Tafel muss durch das Fenster erfolgen.
Die Lebensmittelausgabe bei der Meißner Tafel muss durch das Fenster erfolgen. © Claudia Hübschmann

Schneemassen und eisige Kälte, die vielerorts chaotische Zustände und lange Staus auf den Autobahnen verursacht hatten, machen sich in diesen Tagen auch im Angebot auf dem Kynastweg bemerkbar: Der Kälteeinbruch blieb nicht ohne Auswirkungen auf die Versorgung einzelner Supermärkte und Geschäfte. Demzufolge konnten auch die drei Fahrzeuge der Meißner Tafel in den vergangenen Tagen weniger Obst und Gemüse heranschaffen.

Seit nun schon 25 Jahren betreibt der Verein Meißner Kinder- und Familienhilfe e.V. die Tafel, die bedürftige Menschen in Meißen sowie einmal wöchentlich in Lommatzsch und Nossen versorgt. In Meißen hatte sich im Februar 1996 eines der ersten Tafelprojekte in den neuen Bundesländern gegründet. „Bis heute machen wir das alles im Ehrenamt“, sagt Ursula Gleisberg. Sie und ihre Helfer sorgen dafür, dass überschüssige Lebensmittel gesam­melt und an an­spruchsberechtigte Mitmenschen verteilt werden können. Das erfordert Organisation ebenso wie kräftiges Zupacken und viel Zeit und Geduld, um die Lebensmittel zu sichten und für die Ausgabe vorzubereiten.

Mit ihren 86 Jahren kümmert sich Ursula Gleisberg um den Bürokram, wie sie es nennt. Dazu gehören nicht nur die Kontakte zu den Geschäften, bei denen die Fahrer Lebensmittel abholen können. Die Tafel-Chefin sorgt auch dafür, dass Diesel und Reparaturen für die Fahrzeuge bezahlt werden können. Und sie organisiert, dass es genügend Helfer bei der Tafel gibt.

Dies ist heutzutage gar nicht so einfach, gibt sie unumwunden zu. Schließlich arbeiten sie und ihre Helfer ehrenamtlich. Der Altersdurchschnitt liegt bei über 60 Jahren. Auch deshalb legt sie allergrößten Wert auf die Einhaltung der Hygiene-Vorschriften in den Ausgabestellen. Und sie weiß es zu schätzen, dass der Apotheker und Stadtrat Dr. Oliver Morof das Team mit kostenlosen FFP2-Masken versorgt.

Ein herzliches Dankeschön

„1996 erklärten sich zwei Bäcker, ein Lebensmittelmarkt und ein Fleischer bereit, nicht mehr benötigte Waren zur Verfügung zu stellen. Inzwischen kann die Tafel auf rund 40 bis 45 Spender und Unterstützer im Landkreis zählen. Ebenso sprunghaft stieg die Zahl der versorgten Personen, die man 1996 noch an zwei Händen abzählen konnte. Im letzten Jahr nahmen bereits 3.650 Kunden die Leistungen der Tafel in Anspruch“, heißt es in einer Presseerklärung, die das Rathaus dieser Tage anlässlich des Jubiläums der Meißner Tafel veröffentlichte. Allein im vergangenen Jahr teilten die Helfer rund 62.665 Kilogramm Lebensmittel aus, zudem 53.962 Kilogramm Obst und Gemüse und 45.000 Stück Backwaren.

Oberbürgermeister Olaf Raschke richtete ein herzliches Dankeschön an alle ehrenamtlichen Helfer, Unterstützer und Spender, „die in den vergangenen 25 Jahren auch in schwierigen Situationen die Meißner Tafel so reibungslos am Laufen gehalten haben“. „Sie sollen wissen, dass ihr Engagement nicht im Verborgenen bleibt, sondern große gesellschaftliche Wertschätzung verdient“, so der Oberbürgermeister.

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