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Wie sicher ist Parken am Elbkai?

Im letzten Jahr wurde Grit Yildiz mehrfach Opfer von Autoaufbrüchen, jedes Mal am Meißner Elbkai. Ihre Erfahrungen decken sich nicht mit der Kriminalstatistik.

Im letzten Jahr wurde in das Auto von Grit Yildiz dreimal eingebrochen. Zweimal wurde es beschädigt.
Im letzten Jahr wurde in das Auto von Grit Yildiz dreimal eingebrochen. Zweimal wurde es beschädigt. © Claudia Hübschmann

Meißen. Von der Altstadtbrücke bis hin zur Tankstelle auf der Fischergasse, überall kann Grit Yildiz von Autoaufbrüchen oder zumindest Vandalismus berichten. Allein ihr Auto wurde in den letzten 12 Monaten gleich fünfmal aufgeknackt oder beschädigt.

Anfangs sei die 49-Jährige von Beschaffungskriminalität ausgegangen. Doch die Art und Weise der Verwüstung spricht eine andere Sprache. So tragisch die Einbrüche, so skurril sind die geklauten Gegenstände: eine riesen Hundebox, ihr altes Campingzeug. "Sogar der Verbandskasten und das Autoputzzeug. Alles war weg. Ich weiß gar nicht, was man damit anfangen soll? Geld lässt sich damit sicher nicht machen."

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Nachdem der zweite Einbruch genauso ablief, geht Yildiz von Langeweile, verursacht durch die Corona-Pandemie, als Tatmotiv aus. Ihr stärkstes Indiz: Nach jedem Einbruch habe es in ihrem Auto wie in einer Schnapsbrennerei gerochen. Auch die Schneise der Verwüstung schreit nach Vollrausch. "An einem Morgen waren lauter Außenspiegel abgetreten und auf den verschiedenen Motorhauben drapiert“, berichtet Yildiz. "Das ist wüster Vandalismus, ohne Sinn und Verstand.“

Im letzten Jahr hat Grit Yildiz ihr Auto gleich dreimal so oder so ähnlich vorgefunden.
Im letzten Jahr hat Grit Yildiz ihr Auto gleich dreimal so oder so ähnlich vorgefunden. ©  privat

Alles Schäden, für die keine Versicherung aufkommt. Lediglich ihr Kennzeichen habe sie versichern können. Das sei auch schon an mehreren Fahrzeugen am Elbkai abmontiert worden, kurioserweise jeweils nur das hintere Kennzeichen. Aber schon ein fehlendes Kennzeichen habe eine Rechnung von über 100 Euro verursacht. Ihr Wunschkennzeichen ist damit natürlich auch gesperrt. Zumindest diese Kosten, könnte sich die 49-Jährige beim nächsten Mal – aufgrund ihrer neuen Versicherung – sparen.

Schwerer als der finanzielle Schaden von 400 Euro, den allein der letzte Einbruch hinterlassen habe, wiegt der emotionale Schaden: „Durch diese Machtlosigkeit wächst die Wut.“ Sie habe schon daran gedacht, Strom zu legen und Glassplitter im Auto zu verstreuen. Am Ende habe sie es dabei belassen, sich mit anderen Geschädigten abzusprechen und das Gassigehen mit einer Art Streifengang zu verbinden. Doch die Einbrecher würden erst dann zuschlagen, wenn keiner mehr wach ist.

"Wir können nur Straftaten verfolgen, die uns bekannt sind."

Mit Blick auf die Zahlen wirkt die unsichere Parksituation eher wie eine gefühlte Unsicherheit: Die Diebstähle von und aus Autos im Landkreis sind im letzten Jahr auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren gefallen. Eine erfreuliche Entwicklung, nachdem die Autoaufbrüche im Jahr 2019 noch zu den deutlichst wachsenden Kriminalitätsbereichen im Kreis gehörten. Sogar die Aufklärungsquote hat sich im Coronajahr 2020 erhöht. Wenigstens wird jetzt etwa jeder siebte Fall aufgeklärt. Zum Vergleich: Bei allen anderen Diebstählen ist die Aufklärungsquote allerdings mehr als doppelt so hoch.

Aus diesem Jahr sind der zuständigen Polizeidirektion lediglich zwei Vorfälle entlang der Hochuferstraße bekannt; eine Sachbeschädigung und ein Einbruch. Bei zwei Fällen könne weder von Auffälligkeiten oder Häufungen gesprochen werden.

Besonders was die Sachbeschädigungen angeht, zweifelt Yildiz an der Vollständigkeit der Statistik. Allein bei den fünf abgetreten Autospiegeln habe es wohl keine einzige Anzeige gegeben. "Ich erstatte jedes Mal eine Anzeige", sagt Yildiz. "Schon aus Prinzip."

Polizeisprecher Marko Laske kann diese Einstellung nur unterstützen und rät ganz grundlegend dazu, jede Sachbeschädigung anzuzeigen. "Wir können nur Straftaten verfolgen, die uns bekannt sind." Auch wenn sich die Geschädigten tatsächlich nicht besonders große Hoffnungen machen dürften, dass das Verbrechen aufgeklärt wird: Dafür würden die Täter zu wenige Spuren hinterlassen. Eine Anzeige habe trotzdem einen spürbaren Effekt. Bei vielen Anzeigen würde auch die Streifentätigkeit erhöht. Doch soweit muss es gar nicht kommen.

So lassen sich Einbrüche vermeiden

Am effektivsten ließen sich Autoeinbrüche vermeiden, wenn keine Wertsachen und Taschen im Auto zurückgelassen würden. "Das gilt auch für den kurzen Einkauf am helllichten Tag", erklärt Laske. Einen zeitlichen Schwerpunkt bei Aufbrüchen gebe es nämlich nicht. Viel entscheidender sei eine gute Gelegenheit. Der eigentliche Einbruch sei dann in wenigen Sekunden erledigt. "Ein Auto ist kein Tresor. Die Täter kennen auch die vermeintlich sicheren Verstecke und wissen, in welchen Ecken sie schauen müssen." Auch bei Yildiz' Einbrüchen sei jedes noch so kleine Kläppchen ausgeräumt und sogar die Reserveradklappe ausgeräumt worden. Außerdem empfiehlt Laske, nicht zu abgelegen zu parken.

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Doch die Alternativen entlang der Hochuferstraße seien rar: "An manchen Abenden bin ich eine dreiviertel Stunde umhergefahren", sagt Grit Yildiz. Erfolglos. Fährmannstraße und Martinstraße seien abends permanent zugeparkt.

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