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Autohasser oder doch nicht?

Nach sechs Monaten beginnt ein Verfahren gegen einen Radebeuler, der Spiegel abgetreten haben soll, neu. Und endet schneller als gedacht.

Vandalismus wie hier wird dem Angeklagten vorgeworfen. Er soll in Radebeul mehrere Autospiegel abgetreten haben.
Vandalismus wie hier wird dem Angeklagten vorgeworfen. Er soll in Radebeul mehrere Autospiegel abgetreten haben. ©  Archiv/Sebastian Schultz

Meißen/Radebeul. Die Mühlen der Justiz mahlen langsam, aber sicher, heißt es. Bereits Anfang März begann das Verfahren, doch erst jetzt wurde es zu Ende geführt. Dass es mit diesem Verfahren so langsam vorangeht, hat aber einen Grund, der außerhalb der Zuständigkeit des Meißner Amtsgerichtes liegt. Grund war die Corona-Krise, derentwegen in Meißen wochenlang nicht verhandelt werden konnte.

Erst jetzt, ein halbes Jahr später, kann dieses Verfahren wieder aufgenommen werden. Einem 50-jährigen Radebeuler wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, mitten in der Nacht um 3 Uhr auf der Louisenstraße in Radebeul drei Autospiegel an geparkten Fahrzeugen abgetreten oder diese zumindest beschädigt zu haben. Es entstand ein Schaden von mehr als 300 Euro.

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Doch er will es nicht gewesen sein. Er sei zwar in jener Nacht von Dresden nach Radebeul nach Hause gelaufen, habe aber keine Autos beschädigt.  Für ihn  völlig überraschend sei dann die Polizei aufgetaucht und habe ihn verhaftet. Ob er auch in der betreffenden Straße gewesen sei, wisse er nicht.

Viele Indizien, keine Beweise

Schon vor Corona entwickelt sich die Verhandlung zäh. Eine Zeugin hatte eine Person zwischen den Autos beobachtet. Ob es ein Mann oder eine Frau war, weiß sie nicht, das Gesicht hat sie nicht erkannt. Sie hat allerdings eine Männerstimme gehört, sagt sie. Gesehen haben will sie aber einen Rucksack, welchen die Person trug. Diesen Rucksack erkennt sie dann aber vor Gericht nicht sicher wieder. Jedenfalls kann sie keine Merkmale nennen, anhand derer sie den Rucksack zuordnen kann.

Es gibt aber noch weitere Indizien, dass der Angeklagte auch der Täter sein könnte. So hat das Landeskriminalamt Sachsen dessen Schuhe untersucht und Glassplitter gefunden. Das Ergebnis: Das Glas hat den gleichen Brechungsindex wie das Spiegelglas eines Mitsubishi, eines der geschädigten Autos. Das bedeutet, das Glas stammt von einem Auto gleichen Typs. Es ist aber nicht zwingend, dass es auch das betroffene Auto ist. Durchaus auch möglich, dass der Angeklagte nicht der Täter, sondern nur zufällig in die Glassplitter getreten ist.

Bleibt noch ein Indiz, das Handy des Angeklagten. Das wurde von der Polizei an einem der Tatorte gefunden. Verlor er es, als er zutrat, oder doch nur zufällig? Nach dem Handy sollen nun noch Polizisten befragt werden. Doch dazu kommt es nicht. 

Ein Freispruch ist das nicht

Zur neuen Verhandlung werden alle Zeugen abgeladen. Gericht und Staatsanwalt haben sich auf eine andere Lösung geeinigt. Der Angeklagte war im Jahr 2018 wegen Besitzes von Betäubungsmitteln zu einer Geldstrafe von 1.200 Euro verurteilt worden. Zwei Monate später erhielt er wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs eine weitere Geldstrafe von 1.500 Euro. 

Die jetzt angeklagte Tat geschah vor diesen zwei Verhandlungen. Wäre sie rechtzeitig abgeurteilt worden, hätte eine Gesamtstrafe gebildet werden müssen. Dabei wäre die jetzige Tat, falls er denn überhaupt verurteilt würde, kaum ins Gewicht gefallen.

„Der Angeklagte darf jetzt nicht schlechter gestellt werden“, so Richter Michael Falk. Auf Antrag des Staatsanwaltes will er das Verfahren im Hinblick auf die beiden anderen Verurteilungen einstellen. 

Da muss der Angeklagte freilich zustimmen. Der berät sich lange mit seinem Anwalt, willigt schließlich ein. Ein Freispruch, den er wohl wollte, ist das natürlich nicht. Und die Frage, ob der Mann ein Autohasser ist, bleibt offen.

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