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Autoverkäufer crasht Nobelkarosse

Mitten in der Nacht und allein auf der Autobahn setzt der Mann das Fahrzeug in die Leitplanke. Der Grund ist schnell klar.

Auf der gesamten linken Seite ist der BMW beschädigt. Die Reparaturkosten von nur 2.800 Euro muten da schon seltsam gering an.
Auf der gesamten linken Seite ist der BMW beschädigt. Die Reparaturkosten von nur 2.800 Euro muten da schon seltsam gering an. © Polizei

Meißen. Es ist nachts kurz vor 1 Uhr, als der 29-Jährige mit einem BMW M5 auf der Autobahn 4 von Dresden in Richtung Eisenach fährt. Nahe Klipphausen kommt eine Baustelle, die Geschwindigkeit ist herabgesetzt. Plötzlich kracht es. Der Fahrer hat die Nobelkarosse in die Leitplanke gesetzt. "Ich bin wohl kurz eingenickt, da hat es auch schon gekracht", sagt der Mann, der nun vor dem Meißner Amtsgericht sitzt. Der Grund für sein Einnicken ist auch ziemlich klar. Er war betrunken. Wegen privater Probleme habe er an jenem Abend zwischen 19 und 23.30 Uhr fünf, sechs Flaschen Bier getrunken. Auch ein Beruhigungsmittel will er eingenommen haben. Danach setzte er sich ins Auto. Und fuhr dann rund 20 bis 30 Kilometer, bis es kracht.

Fristlose Kündigung droht

Nun sitzt der Mann wegen Trunkenheit im Verkehr vor dem Meißner Amtsgericht. Ihm geht es vor allem um den Führerschein. Der nämlich ist vorläufig eingezogen und soll das auch noch für weitere neun Monate bleiben. So steht es jedenfalls im Strafbefehl, den er erhielt und gegen den er Einspruch eingelegt hat. Denn der Mann ist beruflich auf seinen Führerschein angewiesen. Er ist Autoverkäufer. Ohne Führerschein geht da nichts. In seinem Arbeitsvertrag steht klipp und klar drin, dass bei Verlust des Führerscheines die fristlose Kündigung droht. Dennoch hat ihn sein Arbeitgeber nicht entlassen.

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Als die Polizei eintrifft, nehmen die Beamten sofort den Alkoholgeruch wahr, beschlagnahmen den Führerschein. Eine Blutalkoholkontrolle rund zwei Stunden nach dem Unfall ergibt einen Blutalkoholwert von 1,06 Promille. Das ist haarscharf unter dem Wert, bei dem ein Fahrer als absolut fahruntauglich gilt. Dies sind nämlich 1,1 Promille. Zum Unfallzeitpunkt dürfte er diesen Wert also überschritten haben.

Eines muss man dem Mann lassen. Er hat nach dem Unfall alles getan, was möglich ist, um die Folgen abzumildern. Machte Nachschulungen, unterzog sich einem Gesundheitscheck, begab sich in eine Therapie. Ein Verkehrspsychologe hat ihm danach bescheinigt, dass er nicht mehr ungeeignet zum Führen eines Kraftfahrzeuges ist. Auch seine Leberwerte weisen nicht darauf hin, dass er ein gewohnheitsmäßiger Trinker ist.

Den Schaden an dem Fahrzeug - es war ein Dienstwagen - hat er auf eigene Kosten reparieren lassen. Diese sind für das Schadensbild übrigens erstaunlich niedrig. Da hat das Autohaus wohl zum Selbstkostenpreis gearbeitet.

Vor Gericht zeigt sich der Angeklagte einsichtig und reumütig. "Ich habe getrunken und danach die Verantwortung abgegeben", sagt er. Als er das kaputte Auto sah, sei er "aus allen Wolken gefallen". Der 29-Jährige weiß, dass er großes Glück im Unglück hatte. "Als ich das kaputte Auto sah, wusste ich, es hätte auch ganz anders ausgehen können", sagt er.

Seine Verteidigerin möchte ihm den Führerschein retten, spricht beschwichtigend von einer "Verkettung unglücklicher Umstände" und einen "Ausnahmefall", möchte eine geringe Geldstrafe und keine Führerscheinmaßnahme.

Führerscheinsperre ist zwingend

Doch das lässt das Gesetz gar nicht zu, so Richter Michael Falk. Denn der Straftatbestand ist erfüllt, da kommt der Angeklagte nicht herum. Rechtsmediziner gingen sogar davon aus, dass bei 1,0 Promille eine Autofahrer absolut fahruntauglich sei, so der Richter. Das Gesetz sehe zwingend vor, dass in einem solchen Fall der Führerschein mindestens für sechs Monate zu entziehen sei, sagt er.

Der Angeklagte wird schließlich wegen Trunkenheit im Verkehr zu einer Geldstrafe von 2.100 Euro verurteilt. Die Fahrerlaubnis wird entzogen, der Führerschein eingezogen. Die Behörde darf ihm diesen nicht vor dem Ablauf von weiteren drei Monaten wieder erteilen. Da der Führerschein seit dem Unfall weg ist, ergibt sich eine Sperre von insgesamt sieben Monaten. Nun muss sich der Mann weitere drei Monate von Kollegen fahren lassen und hoffen, dass er weiter Autos verkaufen kann. Fahren darf er sie jedenfalls vorläufig nicht.

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