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Wie die Baupreise explodieren

Der Bau des Verwaltungsdepots in Lommatzsch wird deutlich teurer. Allein die Zimmererarbeiten sind zweieinhalb mal so hoch wie geplant.

Die Bauarbeiten am künftigen Verwaltungsdepot in Lommatzsch sind in Verzug geraten. Und sie werden wohl deutlich teurer als geplant.
Die Bauarbeiten am künftigen Verwaltungsdepot in Lommatzsch sind in Verzug geraten. Und sie werden wohl deutlich teurer als geplant. © Gerhard Schlechte

Lommatzsch. Die Stadt lässt derzeit zwei ruinöse Häuser an der Frauenstraße 4 und 6 sanieren. Sie werden teilweise abgerissen und denkmalgerecht wieder aufgebaut. In dem Verwaltungsdepot, das dort entsteht, sollen unter anderem städtische Akten und Bauunterlagen aufbewahrt werden. Auch das Magazin des Museums soll in den Gebäuden untergebracht werden.

Von Anfang an gab es Kritik, dass sich die Stadt ein solch teures Projekt leistet. Immerhin wurden die Kosten erst mit 900.000 Euro angegeben, mittlerweile ist man bei einer Million Euro. Und auch das wird nicht reichen. "Aufgrund der gestiegenen Baupreise werden wir auch damit nicht auskommen", so Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP). Wie hoch die Kostensteigerungen ausfallen werden, kann sie derzeit nicht konkret sagen. Der Stadtrat werde jedenfalls ständig informiert.

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Wie drastisch die Preise gestiegen sind, zeigte jetzt eine Stadtratssitzung. Die Zimmererarbeiten sollten vergeben werden. Diese Arbeiten wurden schon einmal ausgeschrieben. Die Angebote waren aber so teuer, dass die Stadt die Ausschreibung aufhob und nun erneut ausschrieb.

Stadtrat verweigert Vergabe

Die jetzigen Angebote waren zwar preisgünstiger, lagen aber noch immer deutlich über der Kostenrechnung des Architekturbüros. Dieses hatte für die Arbeiten rund 24.600 Euro veranschlagt. Das günstigste Angebot bei der ersten Ausschreibung betrug rund 80.000 Euro. Im zweiten Anlauf lag der günstigste Anbieter, eine Holzbaufirma aus Riesa, mit einer Summe von 65.234 Euro vorn.

Dennoch weigerte sich der Stadtrat, den Auftrag an diese Firma zu vergeben. Der Grund: Auch eine Lommatzscher Firma hatte ein Angebot abgegeben, das nur wenige Hundert Euro über dem der Riesaer lag. Die Stadträte wollten, dass die einheimische Firma den Auftrag erhält.

Die Bürgermeisterin ging gegen diesen Beschluss in Widerspruch. "So sehr ich mir wünschte, dass eine Lommatzscher Firma den Auftrag erhält, so hätte dies gegen das Vergaberecht verstoßen. Als Bürgermeisterin habe ich einen Eid geschworen, mich an die geltenden Gesetze zu halten", sagt sie und berief eine Sondersitzung ein. Nach rund einstündiger Diskussion stimmte der Stadtrat der Vergabe an die Riesaer Firma nun doch zu. Insgesamt wurden in der beschränkten Ausschreibung sieben Firmen angefragt. Vier gaben ein Angebot ab. Eines fiel raus wegen einer fehlenden Unterschrift. Ein zweiter Bieter wurde wegen eines unangemessen hohen Angebotes ausgeschlossen.

Bauarbeiten dauern länger als geplant

Klar ist schon jetzt, dass die Bauarbeiten deutlich teurer werden als geplant. Diese werden über das Bund-Länder-Programm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ im Fördergebiet Stadtkern der Stadt Lommatzsch gefördert. Bisher wurden Fördermittel für das gesamte Fördergebiet von 605.000 Euro bewilligt. Wegen der deutlichen Kostensteigerungen hat die Stadt zusätzliche Fördermittel in Höhe von 261.000 Euro beantragt. Eine Entscheidung von der Sächsischen Aufbaubank über diesen Antrag liegt zurzeit noch nicht vor.

Unabhängig davon, ob es mehr Fördermittel gibt oder nicht, erhöht sich auch der Eigenanteil der Stadt. "Wir gehen von deutlichen Mehrkosten aus, die wir aus den laufenden Haushaltsmitteln bestreiten müssen", sagt die Bürgermeisterin.

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Nicht zu halten sein wird auch der geplante Fertigstellungstermin im April nächsten Jahres. "Wenn wir zur Jahresmitte fertig sind, können wir froh sein", so Anita Maaß. Das bedeutet auch, dass die Frauenstraße länger teilweise gesperrt und Sackgasse ist.

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