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Meißen.Lokal

Bedrohte Existenzen

Was bleibt nach dieser Pandemiekrise. Diese Frage stellen sich immer mehr Händler und Dienstleister aus Meißen.

Von Christiane Weikert
 4 Min.
© Symbolbild: Pixabay

Die Stadt ist leer. Das Herbstlaub schwebt durch die leeren Gassen, es wird nicht mal richtig hell. Viele Händler sitzen in Ihren Geschäften und warten auf Kundschaft. Die Uhr tickt. Es ist das Warten. Das Warten auf Kundschaft, warten auf Umsatz um Kosten zu decken. Oder das Warten auf den nächsten Lock-Down.

„Seien wir doch mal realistisch. Der kommt.“ erzählt mir eine Ladenbesitzerin. Sie möchte, wie viele andere in dieser Zeit unbenannt bleiben. „Seit 12 Jahren habe ich mein Geschäft in Meißen, aber da war das Hochwasser ja noch angenehmer, wenn man sich die heutigen Zeiten betrachtet. Sie wissen ja, wie ich das meine. Heute hatte ich genau zwei Gäste. Das entspricht einem Umsatz von 12,80 Euro.“

Sie rechnet mir ihre monatlichen Kosten vor. Die Liste ist lang. Strom, Miete, Versicherungen, Und, Und, Und. „Da sind meine persönlichen kosten wie Miete und meine Krankenversicherung noch gar nicht mit drin.“

Und Sie ist nicht die Einzige. Viele haben Existenzängste.

Was bleibt nach der Pandemie?

„Es geht nicht darum, dass ich mich beschwere. Wer hat den Schuld an dieser Krise. Es ist ja die ganze Welt betroffen. Aber ich glaube, in den heutigen Zeiten ist sich selber jeder der Nächste. Man möchte unbeschadet dadurch kommen und hofft, dass eines Tages in der Zeitung steht „Die Krise ist überstanden.“ Diese Regelungen kann mein gesunder Menschenverstand nicht nachvollziehen. Viele meiner Kunden werden von der 2G-Regelung abgeschreckt, die doch eigentlich schützen soll. Auch in meinem Bekanntenkreis sind einige, die „Impfskeptiker“ sind. Keiner ist ein Impfgegner, wie es immer dargestellt wird. Aber man traut sich nun gar nicht mehr, seine Meinung zu sagen aus Angst, dass die Kunden ausbleiben. So oder So. Es wird mit Fingern auf einander gezeigt. Wie sind wir eigentlich so geworden?“ Die Frage stellt sich gerade einigen.

Auf in die nächste KO-Runde

Ein Gastronom aus Meißen vergleicht das Szenario mit einem Boxkampf. „Ich fühle mich manchmal wie Rocky Balboa, den Boxer. Du stehst im Ring und willst kämpfen. Und seit Monaten bekommst du immer wieder ein paar rein und gehst auf die Matte. Im letzten Jahr die lange Schließung der Kneipen, dann der Gong zur nächsten Runde. Du rappelst du dich wieder auf und kämpfst weiter. Suchst Personal, weil einige sich nach der langen Auszeit für eine andere berufliche Richtung entschieden hat. Man hatte eine gute Saison, dann der nächste Tiefschlang – 2G Regelung und du knickst ein. Natürlich rechnen auch wir wieder mit der kompletten Schließung der Einrichtung. Dann liegst du wieder auf der Matte. Keine Ahnung wie lange man die Kraft noch aufbringt, die nächste Runde durchzuhalten. Wer weiß, wer der nächste Gegner ist.“

Ein Betreiber eines Modegeschäftes erklärt: „Wir sind nun in der 2-Klassen-Gesellschaft angekommen. Herzlichen Glückwunsch. Der Druck, der hier ausgeübt wird ist das falsche Signal meiner Meinung nach. Ich hätte sicherer damit leben können, wenn es die 1G-Regel gegeben hätte. Das einzige was für mich zählt: Getestet. Nur so kannst du dir sicher sein, das kein „Coronawirt“ in meinen Laden kommt. Alle hätten einkaufen gehen können um sich ein schönes Weihnachtsfest zu ermöglichen. Die Wut der Leute trifft uns, nicht die, die es beschließen. Wir müssen uns dem Gesetz beugen, sonst drohen uns Geldbussen bis 3.500,00 Euro. Und bei unserem derzeitigen Umsatz….“. Dann lacht er bitter, schüttelt den Kopf und schaut aus dem Fenster auf die leere Straße.

Die Touristen fehlen

Auch in diesem Jahr tummeln sich keine internationalen Touristen ist der Stadt. Beherbergungsverbot. Hotelbetreiber schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Die Betten bleiben leer und kalt. Wie die Küche. „Es lohnt sich nicht, dass Restaurant zu öffnen, wenn keine Gäste im Haus sind. Und für die zwei bis drei Leute, die sich dann bis 20 Uhr in die Stadt verirren, lohnt es sich einfach leider nicht.“

Alle hier geschriebenen Berichte kommen von Meißner Händlern oder Dienstleistern. Alle wollen nicht namentlich genannt werden, weil sich die wenigstens noch trauen, ihre Meinung öffentlich laut zu sagen.

„Ich bin die Diskussionen und Beschimpfungen leid. Egal von welcher Seite. „Gemeinsam durch die Corona-Krise“, da lache ich mich kaputt. Deswegen höre kein Radio mehr und schaue kaum noch Fernsehen. Ich kann diese Durchhalteparolen nicht mehr hören. Ich sehe einfach kein Land mehr.“

Wann sind wir eigentlich so geworden?

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