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Besuchsbeschränkungen in Seniorenanlagen

Im Kreis Meißen versuchen Betreiber von Heimen und Wohnungen die Bewohner vor Corona zu schützen. Abriegeln wie im Frühjahr soll vermieden werden.

Erst desinfizieren und dann noch reichlich Abstand beim Mittagessen. So wird es zum Schutz vor Corona in der Seniorenwohnanlage der Volkssolidarität in der Lutherstraße in Coswig gehalten.
Erst desinfizieren und dann noch reichlich Abstand beim Mittagessen. So wird es zum Schutz vor Corona in der Seniorenwohnanlage der Volkssolidarität in der Lutherstraße in Coswig gehalten. © Arvid Müller

Meißen/Radebeul/Riesa/Großenhain. Im Frühjahr war jeder Dritte mit Corona-Infizierte ein Bürger im Seniorenalter. Jetzt steigt die Zahl wieder. Sind es im Sommer vor allem jüngere Leute, die auf Reisen waren und gefeiert haben, gewesen, die sich angesteckt haben, so entwickelt sich jetzt die Kurve wieder in Richtung Ältere.

Laut dem neusten Lagebericht des RKI, so schreibt die FAZ, haben sich seit Anfang September die Infektionen in den Altersklassen von 80 bis 89 Jahren und von 90 bis 99 Jahren in etwa verachtfacht; bei den Sechzig- bis Siebzigjährigen und Siebzig- bis Achtzigjährigen wurde ungefähr eine Verfünffachung beobachtet. In der Gesamtbevölkerung stiegen die wöchentlichen Neuinfektionen seit Anfang September von 8.572 auf 24.853 in der vergangenen Woche, was in etwa eine Verdreifachung ist. Mit anderen Worten: Was die Jüngeren aus dem Urlaub mitbrachten, kommt jetzt verstärkt bei den Älteren an.

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Viele erinnern sich an die drastischen Bilder und Schilderungen aus dem Frühjahr, als die Heime und teils auch Wohnanlagen von Senioren komplett für Besucher geschlossen wurden. Angehörige durften sogar ihre kranken Großeltern oder Eltern nicht besuchen. Selbst bei Sterbefällen war das verboten.

Solche Situationen wollen die Betreiber der Heime und Anlagen im Kreis Meißen vermeiden. Die SZ hat sich umgehört, wie sie darauf vorbereitet sind.

Volkssolidarität: Keine Besucher von draußen in den Begegnungsstätten

Acht Seniorenwohnanlagen hat die Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen im Kreis. Der ambulante Pflegedienst betreut in den Wohnungen knapp 300 Senioren. Geschäftsführer Frank Stritzke: „Wir haben den großen Vorteil, dass es separate Wohnungen sind. Die Pflegedienste können zu jedem einzeln gehen.“

Man wolle vor allem keine Panik machen, sondern gut zusammenhalten, so der Geschäftsführer. Hygiene, Hygiene, Hygiene sei das oberste Gebot, woran sich bisher alle halten. Ganze Schließungen sollen vermieden werden. Allerdings gibt es jetzt schon Einschränkungen in den Begegnungsstätten. Stritzke: „Dort lassen wir keine Besucher mehr von außerhalb rein. Die Stuhlreihen und Tische sind auseinandergerückt, auch beim Mittagessen, vor dem sich nochmals jeder die Hände desinfiziert, wie die SZ am Donnerstag etwa in der Wohnanlage in der Lutherstraße 4 in Coswig erleben konnte.

Arbeiterwohlfahrt: Besuchszeit schon auf eine Stunde reduziert

Das AWO-Pflegeheim in Rödern bei Radeburg hat noch keinen Besucherstopp für Angehörige erlassen. Die tägliche Besuchszeit ist allerdings auf eine Stunde beschränkt, die Besucher müssen ihre Kontaktdaten hinterlassen und Maske tragen.

Seit Mittwoch haben die Vorschriften im Diakonie-Seniorenzentrum Helene Schmieder Großenhain angezogen. „Noch gibt es keinen Besuchsstopp, aber Angehörige müssen sich nun vorher unbedingt telefonisch anmelden“, sagt Anja Oertel, Assistenz der Einrichtungsleiterin. 

Anja Oertel nimmt im Diakonie-Pflegeheim „Helene Schmieder“ in Großenhain telefonische Anmeldungen von Angehörigen entgegen. Ohne diese Vorinformation dürfen Besucher nicht mehr ins Haus.
Anja Oertel nimmt im Diakonie-Pflegeheim „Helene Schmieder“ in Großenhain telefonische Anmeldungen von Angehörigen entgegen. Ohne diese Vorinformation dürfen Besucher nicht mehr ins Haus. © Kristin Richter

Damit will das Personal den Überblick behalten, wer im Haus ist. Für den Besuch gibt es Zeiträume, die die Mahlzeiten und Ruhezeiten auslassen. Angehörige werden auch nur mit Mund-Nase-Bedeckung ins Heim gelassen. „Die Bewohner fühlen sich dadurch sicher und auch die Angehörigen können mit dieser Regelung leben“, sagt Oertel. Ein Besuchsverbot sieht man nur als allerletzte Variante, wenn es vom Gesundheitsamt angeordnet wird. Auch verstärkte Antigen-Schnelltests soll es geben, weiß die Mitarbeiterin. Die Diakonie erarbeite sich dazu gerade einen Standpunkt, heißt es.

Im Seniorenzentrum Pro Civitate Großenhain ist man guter Dinge. Sowohl die Häuser in der Röderstadt als auch in Meißen seien nach wie vor für Angehörige und Besucher zugänglich. Natürlich unter all den Bedingungen, welche die Damen und Herren zwischen 60 und 100 Jahren seit dem Frühjahr schon gewöhnt seien. „Es ist inzwischen eine Selbstverständlichkeit, sich in Listen einschreiben zu müssen, Mundschutz zu tragen und bereitstehende Desinfektionsmittel zu benutzen“, sagt Daniel Zschau.

Wie der Heimleiterassistent betont, stehe das Wohlergehen der Bewohner absolut im Vordergrund. Dafür habe man Sorge zu tragen und das tue man auch. Ein Wohlergehen, zu dem aber auch der regelmäßige Kontakt mit der Familie gehöre. Entsprechend den Vorgaben der sächsischen Landesregierung sei man im Frühjahr freilich weder um eine Ausgangsbeschränkung noch eine Kontaktsperre herumgekommen. Der Kontakt mit Angehörigen wäre wie in anderen Einrichtungen ausschließlich über Telefon und Videokonferenz möglich gewesen.

„Wenn es angewiesen wird und die Situation erfordert, müssen wir uns daran halten und die Häuser wie im Falle von heftigen Durchfallerkrankungen oder der jährlich wiederkehrenden Grippe schließen. Bisher gibt es für uns aber keinen Anlass“, erklärt Daniel Zschau.

Diakonie: Wenn es nötig ist, Besucherzonen einrichten

„Wir halten uns an die regionalen Empfehlungen vom Gesundheitsamt“, sagt Katrin Wittig-Lau, die das Seniorenhaus „Albert-Schweitzer“ in Riesa und das Seniorenzentrum „Helene Schmieder“ in Großenhain von der Diakonie Meißen leitet.

Den Heimen war im Frühjahr vorgeworfen worden, dass die Kontakteinschränkungen zu groß sind. Allein sterben habe aber auch damals niemand müssen. „Aber nicht wir können darüber entscheiden, ab wann die Türen zu bleiben müssen.“

Die Hygienekonzepte seien auf dem aktuellen Stand. Jedes Haus habe andere räumliche Möglichkeiten, Besucher auch unter Auflagen zu ermöglichen: In Großenhain stehen dafür etwas mehr Räumlichkeiten zur Verfügung, aber auch in Riesa habe man Möglichkeiten gefunden, bei Notwendigkeit Besucherzonen mit Besuchertischen einzurichten. „Es muss nicht immer eine Glasscheibe zwischen dem Besucher und dem Bewohner sein – reichlich Abstand und eine Mund-Nasen-Maske schützen ja auch.“ Anders als im Frühjahr sei man jetzt gut mit Schutzkleidung ausgestattet.

Wichtig sei es, dass sich alle – ob Angehöriger oder Mitarbeiter – an die Maskenpflicht halten. „Da ist jeder selbst gefragt, auf sich selbst aufzupassen und seinen Nächsten nicht zu gefährden.“ Man wolle deshalb nicht unbedingt Security-Mitarbeiter vor die Tür stellen.

ASB: Plan B in der Schublade, für drastisch weniger Besuche

Aktuell gebe es bei den Besuchsregeln keine Veränderungen, sagt Andreas Krüger, Geschäftsführer des ASB-Ortsverbandes Riesa. Dieser betreibt zwei Pflegeheime in Gröditz und Riesa. Auf behördliche Anordnungen will man dort nicht warten. Sollten die Infektionszahlen in der Region steigen, habe man für die Einrichtungen einen Plan B in der Schublade: Erreiche der Inzidenzwert im Kreis Meißen 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner, sollen die Besuchszeiten reduziert werden und dann dürfe auch nur noch eine Person pro Besucher zu Besuch kommen.

Derzeit dürfen Menschen an fünf Tagen ihre Angehörigen besuchen, davon an drei Tagen vor- und an zwei Tagen nachmittags. Mund-Nasen-Schutz ist auch jetzt schon obligatorisch, Abstand zu halten auch. Auf die Einhaltung der Besuchsregeln achtet man beim ASB unter anderem per Videoüberwachung.

Wenn es einen Infektionsanstieg gebe, werde man den Bewohnern auch empfehlen, auf Einkäufe mit Angehörigen oder Besuche bei Angehörigen daheim zu verzichten. „Man kann ja die Bewohner nicht einsperren.“ Es sei denn, die Corona-Schutzverdordnung werde entsprechend geändert.

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Daneben arbeite man daran, die Mitarbeiter zu sensibilisieren, Risikogebiete möglichst zu meiden.

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