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Betrunkener Polizist erneut vor Gericht

Er fuhr mit 3,17 Promille mit dem Auto. Auch das Landgericht Dresden verurteilte ihn in der Berufungsverhandlung. Entscheidender ist aber eine andere Frage.

Als Polizisten zu einem Mann fahren, der betrunken mit dem Auto unterwegs war, erleben sie eine Überraschung.
Als Polizisten zu einem Mann fahren, der betrunken mit dem Auto unterwegs war, erleben sie eine Überraschung. © Archiv/Marko Förster

Dresden/Meißen. Es ist der zweite Weihnachtsfeiertag 2019, als Polizisten des Revieres Meißen den Auftrag erhalten, nach Radebeul zu fahren. Sie sollen einen Mann kontrollieren, der stark alkoholisiert mit seinem Auto unterwegs gewesen sein soll. Zeugen hatten berichtet, der Mann habe an einer Tankstelle Luft aufpumpen wollen. Dabei sei er kopfüber umgefallen, weil er so betrunken war. Danach sei er schwankend in die Tankstelle gegangen, habe Bier gekauft, sich in sein Auto gesetzt, sei rasant rückwärts auf die Straße gefahren und dann in Schlängellinien weiter. Später habe er einem anderen Auto die Vorfahrt genommen, beinahe einen Unfall verursacht.

Zeugen hatten sich die Autonummer notiert, der Halter konnte so schnell ausfindig gemacht werden. Als die Polizisten an der Wohnungstür klingeln, trauen sie ihren Augen nicht. Der Mann, der da die Tür öffnet, ist ein Kollege aus dem Meißner Revier. Dresdener Polizisten übernehmen daraufhin die Angelegenheit.

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Auf dem Weg zur Blutalkoholkontrolle versucht der Mann kurzzeitig zu fliehen, überlegt es sich dann aber doch anders. Der Grund für den Fluchtversuch wird schnell offensichtlich. Die Blutalkoholkontrolle ergibt einen Wert von 3,17 Promille.

Gutachterin widerlegt Mär vom Nachtrunk

Bei seiner Verhandlung vor dem Amtsgericht Meißen im August vorigen Jahres kommt der Polizist mit einem alten Hut. Er habe erst getrunken, nachdem er von der Fahrt zur Tankstelle zurückkam. Dort habe er einige Flaschen Bier gekauft und im Kühlschrank eine Flasche Wodka gehabt. Die habe er zügig etwa zu einem Drittel geleert, behauptet er.

Eine rechtsmedizinische Gutachterin hatte jedoch überzeugend nachgewiesen, dass dies nicht stimmen kann. Hätte er eine solch große Menge starken Alkohols in so kurzer Zeit getrunken, wäre es zu einem Sturztrunk mit großen Ausfallerscheinungen gekommen. Das war aber nicht der Fall. Er war zwar betrunken, aber dennoch Herr seiner Sinne, konnte sich mit den Polizisten unterhalten, allein laufen, zog sich sogar noch eine andere Hose an, bevor es ins Krankenhaus ging.

Dass er schon stark betrunken war, als er zur Tankstelle kam, zeigen die Aufnahmen der Überwachungskameras. Dass der Angeklagte mit einer Blutalkoholmenge von 3,17 Promille noch ansprechbar war, spreche für eine gewisse Alkoholgewöhnung. Der Mann trinkt also offenbar regelmäßig Alkohol. Einen Nachtrunk schloss die Gutachterin jedenfalls aus.

Die Richterin kam nach dreitägiger Verhandlung zu der Überzeugung, dass der Polizist mit 3,17 Promille mit dem Auto gefahren ist, verurteilte ihn wegen Trunkenheit im Verkehr zu einer Geldstrafe von 6.300 Euro und dem Entzug der Fahrerlaubnis. Frühestens in 13 Monaten darf ihm die Verwaltungsbehörde den Führerschein wieder erteilen

Wieder verurteilt, aber geringere Strafe

Gegen dieses Urteil ging der 30-Jährige in Berufung. Die Verhandlung fand jetzt am Landgericht Dresden statt. Das Gericht hob das Urteil des Amtsgerichtes Meißen auf und erließ ein neues wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr. Die Geldstrafe wurde deutlich herabgesetzt auf jetzt nur noch 3.500 Euro.

Die Fahrerlaubnis wird entzogen, sie darf frühestens nach 14 Monaten ab Rechtskraft des Urteils erteilt werden. Automatisch bekommt er die Fahrerlaubnis aber nicht zurück. Weil er mit mehr als 1,6 Promille gefahren ist, muss er erst zur medizinisch-psychologischen Untersuchung, dem sogenannten "Idiotentest".

Da sowohl Staatsanwaltschaft als auch Angeklagter und Verteidiger auf Rechtsmittel verzichteten, wurde das Urteil sofort rechtkräftig.

Die spannendere Frage für ihn ist wohl, wie das dienstrechtlichen Verfahren gegen den Mann läuft. Er ist Beamter auf Probe, läuft Gefahr, dass er nicht als Beamter auf Lebenszeit übernommen wird. Die Meißner Richterin hatte ihm die Sozialkompetenz für den Beruf als Polizist abgesprochen. Die Entscheidung trifft allerdings die Polizeibehörde.

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