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Jahnhalle als Quartierzentrum

Das Gebäude und seine Umgebung sollen sich in einen Treffpunkt für die Bewohner des Viertels verwandeln. Jetzt sind die Anwohner gefragt.

Diese Visualisierung im Internet-Auftritt der Bürgerstiftung Meißen zeigt, wie der Alltag im Jahnhallen-Areal aussehen könnte.
Diese Visualisierung im Internet-Auftritt der Bürgerstiftung Meißen zeigt, wie der Alltag im Jahnhallen-Areal aussehen könnte. © Bürgerstiftung Meißen

Meißen. Wenn ihre Tochter am Nachmittag aus der Schule kommt, dann macht sie Pause. Sie verlässt ihr Büro, das in Zeiten mobilen Arbeitens Coworking-Space genannt wird. Im Café auf der Galerie gibt es Kakao und Kuchen. Dann ist Spielen und Chillen angesagt. Dafür gibt es Bänke, Spiel- und Sportgeräte, einen Parcours sowie verschiedene Stationen in der Jahnhalle. Später kommt der Papa dazu, um hier nach der Arbeit ein paar Fitnessübungen zu machen. Und zwischendurch bietet sich immer wieder eine Gelegenheit, um mit Bekannten oder Freunden ins Gespräch kommen.

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Endspurt Richtung Zukunft
Endspurt Richtung Zukunft

Die Halbjahresnoten glattgebügelt und der Vorsatz, nochmal richtig Gas zu geben, zeigen es!

„So könnte die Zukunft auf dem Jüdenberg aussehen“, sagt Johanna Singer. Die Vision, die sie anhand ihrer Familie in zehn Jahren beschreibt, soll zeigen, welchen Gewinn die Jahnhalle und ihre Umgebung für Meißen und seine Einwohner bedeutet.

Noch arbeiten die Mitglieder der Bürgerstiftung und viele Helfer mit großem persönlichen Einsatz daran, die Halle wieder herzurichten. Neben der denkmalgerechten Sanierung der vor 126 Jahren im Jugendstil errichteten Halle sehen die Baupläne im Innern neben Möglichkeiten für Sport und Spiel auch Räume vor, die von Vereinen oder als Coworking-Space genutzt werden zu können. Eine Bewegungslandschaft auf dem Außengelände, die schrittweise erweitert werden soll, ist im vorigen Jahr bereits genutzt worden. Open-Air-Yoga-Veranstaltungen waren gut besucht.

Johanna Singer im Büro der Bürgerstiftung Meißen auf der Burgstraße.
Johanna Singer im Büro der Bürgerstiftung Meißen auf der Burgstraße. © Claudia Hübschmann

Mit Leben füllen

Die Bürgerstiftung ist dabei, der Jahnhalle und ihrer Umgebung neues Leben einzuhauchen. Der Millionenaufwand und der Fleiß derjenigen, die in Arbeitseinsätzen auf dem Jüdenberg selbst mit anpacken, lohnen sich aber nur, wenn hier etwas dauerhaft Nutzbares entsteht. Auch deshalb arbeitet Johanna Singer jetzt an einem Konzept für das Jahnhallen-Areal.

„Ziel ist es, Halle und angrenzendes Außengelände mit Leben zu füllen und als Zentrum des umgebenden Quartiers zu entwickeln“, umreißt sie die Aufgabe. Über die Fernsehlotterie wird ihre Stelle als Leiterin dieses Projekts für ein Jahr gefördert. Eine Anschlussförderung, um Ideen aus dem nun entstehenden Konzept umsetzen zu können, ist in Aussicht gestellt.

Ein Zentrum der Bewegung und Begegnung – mit dieser Idee konnte die Bürgerstiftung viele begeistern und mobilisieren, als sie 2017 die ruinöse Halle samt umgebendem Gelände nach mehreren gescheiterten Rettungsversuchen von der Stadt übernahm. Dieses Ziel soll nun näher beschrieben werden. Als Zentrum soll das Jahnhallen-Areal vor allem von den Anwohnern der Altstadt, der Triebischvorstadt sowie der Siedlungen an der Alten Ziegelei und dem Kynast zur Verfügung stehen.

Dieses Foto entstand im vorigen Sommer: Ina Heß und Bill Quaas vom Vorstand der Bürgerstiftung auf dem Außengelände an der Jahnhalle, wo bereits erste Spielgeräte generationsübergreifend genutzt werden können.
Dieses Foto entstand im vorigen Sommer: Ina Heß und Bill Quaas vom Vorstand der Bürgerstiftung auf dem Außengelände an der Jahnhalle, wo bereits erste Spielgeräte generationsübergreifend genutzt werden können. © Claudia Hübschmann

Hilfe im Alltag

Fitness, körperliche Betätigung, Spielen und Verweilen sollen aber nicht alles sein, was das Zentrum bietet. „Unser Ziel ist es, viele Menschen unterschiedlicher Generationen zueinander zu bringen“, erläutert Johanna Singer. So sehen die Baupläne vor, das Gelände barrierefrei zu erschließen, damit auch Ältere und Menschen mit Behinderungen hierher kommen können. Die Büros in der Halle sollen auch Beratungsmöglichkeiten bieten: Denkbar ist das Organisieren von Einkaufshilfen oder der generationsübergreifende Austausch zur Hilfe am Computer. Das fast 14.000 Quadratmeter umfassende Areal bietet aber auch Möglichkeiten für kulturelle Veranstaltungen wie Open-Air-Konzerte an, nennt die Projektleiterin einige Möglichkeiten.

Neben den 14 Parkplätzen, die an der Jahnhalle entstehen, sehen die Baupläne Flächen zum sicheren Abstellen von Fahrrädern und eine Ladestation für E-Bikes vor. Autos können auch an der Nossener Straße abgestellt werden – von dort aus sind es nur noch wenige Gehminuten über die Schreberstraße bis zum Jahnhallen-Areal. Das Zentrum ist auch für diejenigen erreichbar, denen der Weg über die Justusstufen zu beschwerlich ist.

Zunächst sollen alle zu Wort kommen, für die das Konzept gemacht wird: Voraussichtlich im April startet eine Online-Befragung, kündigt Johanna Singer an. Außerdem will sie mit Privatpersonen ins Gespräch kommen, Schulen und Kitas aufsuchen, was hoffentlich bald wieder möglich ist. In Schulen und Kitas sind Ideen-Wettbewerbe vorgesehen, bei denen die Kinder ihre Erwartungen zeichnen oder aufschrieben können. Aber auch mit Senioren will Johanna Singer ins Gespräch kommen – bei einer Tasse Kaffee will sie deren Vorstellungen, Wünsche und Ideen in Erfahrung bringen.

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Dem ermittelten Bedarf entsprechend soll das Konzept dann nicht nur Angebote für die Freizeitgestaltung unterbreiten. Als Zentrum soll das Jahnhallen-Areal auch Teil der Infrastruktur im Quartier sein. Spielen, toben, quatschen oder wohnortnahe Beratung und Begleitung – hier soll man sich treffen.

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