SZ + Meißen
Merken

Meißner Schwerter-Bier wird teurer

Trotz steigender Nachfrage erhöht die Meißner Schwerter Brauerei den Bierpreis. Grund dafür sind nicht nur die gestiegenen Preise für Hopfen und Malz.

Von Marvin Graewert
 3 Min.
Teilen
Folgen
Bei den gestiegenen Rohstoffpreisen transportiert Konrad Wüstner eine immer teurere Fracht für die Meißner Schwerter.
Bei den gestiegenen Rohstoffpreisen transportiert Konrad Wüstner eine immer teurere Fracht für die Meißner Schwerter. © Claudia Hübschmann

Meißen. Die letzte Preiserhöhung der Meißner Privatbrauerei ist vier Jahre her. Seither hat die Coronakrise die Transport- und Rohstoffkosten überschäumen lassen. Die Brauerei kündigt deshalb "moderate Preiserhöhungen" fürs erste Quartal 2022 an.

Deshalb auf Ur-Krostitzer oder Sternburg Bier umzusteigen, bringt wenig, da auch die führende Brauerei dahinter, die Radeberger Gruppe sowie Krombacher, Bitburger und Veltins einen Preisanstieg fürs kommende Jahr angekündigt haben.

Die Meißner Schwerter Brauerei kämpft – wie die multinationale Konkurrenz auch – mit Lieferengpässen und Preissteigerung, die sich ein Stück weit bedingen würden: „Das fängt schon beim Papier für die Etiketten an“, verdeutlicht Norbert Rogge, Pressesprecher der Meißner Schwerter Brauerei, der die Lieferketten durch die Folgen der Pandemie ursächlich gestört sieht. Zudem seien die Energiekosten und die Mineralölsteuer eklatant angestiegen.

Wie viel mehr eine Flasche Meißner Schwerter nach der Preiserhöhung kostet, lasse sich nicht vorhersagen, da am Ende die Händler die Preise machen. Eine Kostenführerschaft strebe die Meißner Brauerei sowieso nicht an: „Egal was auf dem Markt passiert, werden wir an unserer Qualität nicht schrauben“, verspricht Rogge, der dabei auf sein über die Jahre gewachsenes Netzwerk aus regionalen Händlern setzt: Das Malz kommt aus Heidenau, der Hopfen aus dem Anbaugebiet Elbe-Saale. Zumindest zum Großteil.

Welcher Preisanstieg auf Händler und Restaurants zukommt, wollte Rogge nicht verraten. Das Branchenmagazin Getränke News geht davon aus, dass ein Glas Bier im Restaurant markenübergreifen zwischen 30 und 50 Cent teurer werde, der Kastenpreis im Handel dürfte um einen Euro steigen.

Mangel an Bierkästen

Es gibt auch gute Neuigkeiten: Die Nachfrage steigt. Durch den Lockdown sei der Absatz an Flaschenbier im Einzelhandel deutlich angestiegen und seitdem stabil. Im Sommer sei dann der Fassbierabsatz an Restaurants und Kneipen wieder angelaufen, allerdings lange noch nicht auf einem Niveau wie vor der Pandemie. Aufgrund der Planungsunsicherheit der unbeständigen Corona-Regeln werde lieber ein Fass weniger als zu viel abgenommen: "Mit der neuen 2G-Regel wird sicherlich noch weniger bestellt werden", prognostiziert Rogge.

Dass die Privatbrauerei die steigende Nachfrage bedienen kann, ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Selbst Bierkästen seien auf dem Markt zur Mangelware geworden: "Zum Glück hatten wir vor Corona den richtigen Riecher und haben eine ganze Menge an Bierkästen besorgt", so der Sprecher. "Sonst könnten wir die jetzige Nachfrage gar nicht bewältigen."

Nicht nur in der Bierbranche habe das zu einem Paradigmenwechsel geführt. Während volle Lager vor der Pandemie einen Wettbewerbsnachteil bedeuteten, weil sich die Konkurrenz die Hallenkosten sparen konnte und die Rohstoffe bedarfssynchron anliefern ließ; ist das heute nicht mehr möglich: "Wir haben uns darauf eingerichtet, langfristiger zu denken: Die Lagerhaltung zu optimieren, ist da keine Option mehr. Heute geht es darum, Materialien zu bevorraten", sagt Rogge. Wie sehr die ganze Produktionskette davon abhängt, habe sich erst im Sommer gezeigt, als die Brauerei unter anderem mit fehlendem Leergut zu kämpfen hatte.

Die Meißner Schwerter blicken trotzdem zuversichtlich in die Zukunft, denn auf Lieferengpässe hätte sich das Unternehmen mittlerweile eingestellt und käme auch mit weiteren gut zurecht. Um die gestiegenen Kosten auszugleichen, setzt die Brauerei auf Investitionen: Die Gärkeller haben neue Tanks bekommen und eine neue Fassabfüllung wurde angeschafft: "Das zahlt sich heute aus, weil wir weniger Strom brauchen." Außerdem wurden Arbeitsabläufe optimiert, so arbeite das Unternehmen bereits seit einigen Jahren papierlos. Zukünftig gehe es darum, langfristigere Verträge im Einkauf oder an der Strombörse abzuschließen, um auf Preisschwankungen nicht mehr so sensibel zu reagieren.