merken
Meißen.Lokal

"Born to be wild"

Zum Biken ist man nie zu alt! Die neue Motoradsaison 2021 beginnt und die meisten Biker holen ihren verchromten Liebling aus dem Winterschlaf.

Harald Vogt und seine Frau Angelika bei einer Bikerfahrt.
Harald Vogt und seine Frau Angelika bei einer Bikerfahrt. © Foto: privat

Auf diesen Augenblick hat man doch lange und sehnsüchtig gewartet. Vor einem liegt im morgendlichen Sonnenaufgang die noch leere Straße, die dich in die weite Welt führen wird. Du drehst den Zündschlüssel, schmeißt den Motor an und schon ist er da - der Geruch, das Geräusch des Motors, es ist dein Sound, deine Musik, den du solange vermisst hast.

Wie entstand das erste Motorrad?

Die Geschichte des Motorrads ist zunächst die Geschichte des Fahrrads. Sie begann 1817 mit der „Laufmaschine“ von Karl Drais. Pierre Michaux entwickelte 1869 das Dampfrad, das als Vorläufer des Motorrads gilt. Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach konstruierten 1885 den Reitwagen, einen Versuchsträger für den schnelllaufenden mit Benzin betriebenen Ottomotor. Dieses Fahrzeug gilt – trotz seiner seitlichen, nicht federnden Stützräder – als erstes Motorrad.

Das erste Motorrad mit Benzinmotor, das sich tatsächlich wie ein Motorrad fahren ließ und auch in Serie produziert wurde, ist die Hildebrand & Wolfmüller von 1894. Dieser Hersteller verwendete erstmals das Wort „Motorrad“ und ließ es patentrechtlich schützen. 1897 ging das De-Dion-Bouton-Motordreirad in Produktion, das erfolgreichste Motorfahrzeug vor der Jahrhundertwende. Im gleichen Jahr entwickelten die Gebrüder Werner in Frankreich ein Motorrad mit Frontantrieb. Mit der technischen Innovation des Spritzdüsenvergasers, einem Patent von Wilhelm Maybach von 1893, und der Magnetzündung, einem Patent von Robert Bosch von 1901, wurde das Motorrad wesentlich einfacher benutzbar.

Wie heißt es in dem ultimativen Bikersong?

„Get your motor runnin´
Head out on the Highway
Looking for adventure …"

Es gibt sicherlich einige Gründe, Motorrad zu fahren. Manche suchen den Adrenalinkick, andere eher die Entspannung. Eine Paarung zwischen Unvernunft, Stolz und dem Duft nach Freiheit und Benzin. Und dann gibt es Leute wie Harald Vogt, die Motorrad fahren, um einfach einen schönen Ausgleich zu finden. Ganz nach dem Motto „Lass deinen Motor laufen, fahre auf die Straße, auf der Suche nach Abenteuer“.

Auf der Suche nach Abenteuer ist auch Rentner-Biker Harald Vogt aus Weinböhla.

Interview mit einem Biker aus Leidenschaft

Im Gespräch: Harald Vogt (71), Rentner aus Weinböhla

„Herr Vogt. Die Sonne lacht, die Temperaturen steigen wieder. Der Frühling kommt und somit auch das Motorradfahren oder besser gesagt: das Biken. Was verbinden Sie mit diesem Gefühl?“

„Das ist mit drei Worten eigentlich gar nicht erklärt. Es ist eine Bewusstseinsveränderung, wenn man in die Bikerstiefel und in seine Lederkombi steigt. Ich bin dann wie ein anderer Mensch, ein Biker, mit dem typischen Freiheitsgedanken, der den Duft der Natur atmen will und die Sucht nach „biken“ einfach stillen möchte.“

„Welche Maschine fahren Sie?“

"Ich fahre eine Suzuki VS 1400 Intruder. Für mich absolut maßgeschneidert. Sie wiegt natürlich eine Kleinigkeit, aber ich kann Sie wunderbar beherrschen."

„Hat Ihr Motorrad auch einen Namen?“

„Black Pearl“.

„Wie sind Sie zum Biken gekommen?“

"In meiner frühen Jugend fuhr ich eine Simson AWO Sport. Das war auch die Zeit, als ich meine Frau kennengelernt habe. Aber dann waren eher andere Prioritäten wichtiger - Familie, Haus, Garten und natürlich die eigene Firma. Da blieb nicht mehr viel Zeit für das Hobby. Als ich 50 geworden bin, kam der „Biker-Drang“ zurück. Auf einer Motorradmesse in Meißen sprach meine Tochter dann die magischen Worte: „Papi, wenn du es jetzt nicht machst, machst du es nie“. Ja, und da stand sie dann und es war Liebe auf den ersten Blick. Minutenschnell hatte ich einen Kaufvertrag unterschrieben und habe mich am Anfang gar nicht nach Hause getraut.

Es brauchte einige Stunden Zeit, um meine Frau von der wieder aufflammenden Leidenschaft zu überzeugen. Aber nachdem sie dann in ihrer neuen Ledermontur vor mir stand und fragte: „Nimmst du mich so mit?“ war das Eis gebrochen."

„Behandelt man sein Motorrad wie seine eigene Frau?“

„Ehrlich kann ich jetzt nicht antworten.", lacht Herr Vogt. "Natürlich liebt man seine Maschine. Sie widerspricht wenigstens nicht. Und wenn Platz wäre, würde ich sie auch neben mein Bett stellen.“ (Herr Vogt lacht weiter. Wir hoffen, seine Frau auch.)

„Im Film „Born to be wild – Saumäßig unterwegs" (2007) starten vier Männer in ein Bikerabenteuer, um sich selbst zu beweisen, dass sie dafür noch nicht zu alt sind und auch, um Alltagsfrust und einer aufkommenden Midlife-Crisis zu entfliehen. Haben Sie selbst schon einmal so einen Ausflug unternommen?“

„Wir sind ein kleiner, aber feiner Bikerclub: „Motorradfreunde Coswig“. Ehren- und altershalber werde ich mit „El Präsidente“ angesprochen. Wir sind meist mit unseren Mädels unterwegs, mittlerweile fast europaweit. Auch wenn das Navi manchmal spinnt und wir statt in Oybin im Spreewald landen, haben wir trotzdem immer eine lustige, gemeinsame Zeit."

„Der Film endet damit, dass Bikerlegende Peter Fonda die „Rockerbande“ daran erinnert, auf was es beim Biken wirklich ankommt. Worauf kommt es Ihnen an?“

„Ich brauche keinen Adrenalinkick und keinen Beweis dafür, was meine Maschine auf der Autobahn leisten kann. Ich fahre um des Fahrenswillen. Man erkundet die Landschaft, ist in der Gemeinschaft, hat Spaß am Fahren und wenn man am Ziel ist, gibt es ein kühles Bier.“

Das Gespräch führte Christiane Weikert.

Aus welchen Gründen man auch immer auf sein Motorrad steigt, um sich den Fahrtwind um die Nase flattern zu lassen. Rücksichtnahme auf sich und Andere sollte an oberster Stelle stehen.

"We were born - Born to be wild" - "Wir wurden geboren - Geboren um Wild zu sein."

Feuer frei und gute Fahrt in die Saison 2021!

Mehr zum Thema Meißen.Lokal