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Bruchstücke im Digitalen

In den Räumen des Kunstvereins sind Arbeiten ausgestellt, die nicht ohne weiteres zu sehen sind.

Kunstlehrerin Anja Krause (auf Leiter) und ihre Kollegen Andrea Kotztin sowie Michael Erler vom Landesgymnasium St. Afra bei den Vorbereitungen zur Werkschau ihrer Schüler im Kunstverein Meißen.
Kunstlehrerin Anja Krause (auf Leiter) und ihre Kollegen Andrea Kotztin sowie Michael Erler vom Landesgymnasium St. Afra bei den Vorbereitungen zur Werkschau ihrer Schüler im Kunstverein Meißen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Eine Geisterausstellung. Andrea Kotztin fällt nur dieses Wort ein, wenn sie über die aktuelle Schau in den Räumen des Kunstvereins spricht. Die Fachlehrerin für Kunst und Musik vom Landesgymnasium St. Afra ist eine der wenigen, die den gezeigten Arbeiten wirklich nahe kam – sie hat diese Ausstellung mit aufgebaut.

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Der Kunstverein pflegt auch in diesem Jahr eine Tradition: Zum Jahresauftakt stellt er seine Räumlichkeiten für eine Werkschau zur Verfügung, in der Elftklässler der Kunst- und Musik-Kurse vom städtischen Gymnasium Franziskaneum und vom Landesgymnasium St. Afra künstlerische Ergebnisse präsentieren, die innerhalb einer Projektwoche entstanden. Die etwa 20 Bilder, Grafiken, Collagen, Fotos, Videos, Comics und eine Installation sind eine Auswahl, die zeigen soll, was sich die Schüler zum Thema „Bruchstücke“ haben einfallen lassen. Auf dieses Thema hatten sich alle Beteiligten bereits im November geeinigt.

Unter Bedingungen des Homeschooling waren alle Beteiligten auf neue Weise gefordert. Schon der Auftakt zu den Projekttagen, der sonst in Form von Exkursionen und Ausstellungsbesuchen stattfindet, musste ins Digitale ausweichen – über Links zu Galerien und Museen. Über das Portal Lernsax, zuweilen auch über Whatsapp-Chats schalteten sich die Schüler zusammen und tauschten sich über Ideen, Assoziationen und Techniken aus, berichtet Andrea Kotztin.

Die ausgedruckten Ergebnisse der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema „Bruchstücke“ sind nun auf der Burgstraße 2 zu sehen. Die großen Schaufenster der Räumlichkeiten des Kunstvereins ermöglichen es, die Arbeiten von außerhalb wahrzunehmen. Eine Installation, in der die Schüler Ergebnisse einer Umfrage zu den sieben Todsünden präsentieren, ist direkt ins Schaufenster gestellt worden. Ein übergroßes mit einem Poetry Slam-Text versehenes Ticket weist außerdem auf die Werkschau der Schülerinnen und Schüler im Meißner Kunstverein hin.

Die Ausstellung sollte auf keinen Fall abgesagt werden, erklärt Kunstvereins-Vorsitzender Matthias Lehmann, warum die Arbeiten trotz unmöglicher Öffnung der Räumlichkeiten präsentiert werden. Zugleich haben sich die Macher einiges einfallen lassen, um digital darauf hinzuweisen. „Schließlich sollen Projekte wie dieses auch dazu beitragen, junge Leute an die Kunst heranzuführen und Berührungsängste abzubauen“, sagt Matthias Lehmann.

Er selbst hat ein kleines Video produziert, auf dem die Schüler einen Teil ihrer Arbeiten zeigen und das Anliegen des Projekts in Form eines Poetry Slams vorstellen. Es kann auf der Web-Seite des Meißner Kunstvereins angeschaut werden. Außerdem bereiten die Schüler eine Plattform im Internet vor, auf der über Lernsax Fotos und Videos aus der Werkschau ausgetauscht werden können, berichtet Andreas Kotztin.

Kunst im Digitalen – das ist schon eine besondere Herausforderung, resümiert die Fachlehrerin. Dass Computerausdrucke von Malereien oder Collagen nicht nur farblich ganz anders erscheinen als im Original, gehört zu den Erkenntnissen am Ende des Projekts. Ebenso, dass Belange des Datenschutzes zu bedenken und zu berücksichtigen sind. So mussten Einverständniserklärungen der abgebildeten Personen eingeholt werden, ehe Fotos und Collagen per Dropbox verteilt werden konnten, nennt Andrea Kotztin ein weiteres Beispiel.

Dennoch hoffen Kunstverein und Betreuer darauf, dass die Projektausstellung zum Jahresauftakt 2022 wieder hauptsächlich im Analogen zustandekommt und der Öffentlichkeit präsentiert werden kann. Neben beiden Schulen will sich dann auch die Freie Werkschule an diesem Vorhaben beteiligen.

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