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Corona-Impfteam erscheint nicht

Eine Nossener Ärztin ist verärgert: In einem Lommatzscher Pflegeheim sollte am Montag geimpft werden. Doch alle warteten vergebens.

Eigentlich sollte am Montag in einem Lommatzscher Pflegeheim geimpft werden. Doch das Impfteam vom DRK erschien nicht.
Eigentlich sollte am Montag in einem Lommatzscher Pflegeheim geimpft werden. Doch das Impfteam vom DRK erschien nicht. © Sven Hoppe/dpa

Lommatzsch/Nossen. Am Montag sollten alle Bewohner und Mitarbeiter des Pflegeheims in Lommatzsch geimpft werden. Doch die ganze Aktion war von Anfang bis Ende ein einziges Chaos. „Es war nur Desorganisation“, schimpft die Allgemeinmedizinerin Kerstin Smith aus dem Nossener Ortsteil Leuben, wo sie ihre Arztpraxis führt. Vorigen Montag, also eine Woche vor dem geplanten Impftermin, bekam die Ärztin die Anfrage der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), ob sie in dem Heim 8.30 Uhr impfen könne. Insgesamt 100 Personen sollte es betreffen. „Die Organisation für mich war schwierig. Gerade Montagfrüh ist das sehr schwierig. Ich hatte meinen gesamten Praxisbetrieb umgestellt, um dies zu ermöglichen. Alle Termine hatte ich auf heute Nachmittag verlegt“, erzählt Smith. Mit einer ihrer beiden Schwestern war sie dann im Pflegeheim vor Ort. Doch wer nicht kam: das Impf-Team vom Deutschen Roten Kreuz (DRK).

Dr. Kerstin Smith (links) ist seit Mitte vergangenen Jahres die neue Landärztin in Leuben. Ihr Team, Schwester Sina (Mitte) und Schwester Claudia, steht mit der Ärztin, die aus England zurück in die Heimat kam, während der Corona-Pandemie vor verschiedene
Dr. Kerstin Smith (links) ist seit Mitte vergangenen Jahres die neue Landärztin in Leuben. Ihr Team, Schwester Sina (Mitte) und Schwester Claudia, steht mit der Ärztin, die aus England zurück in die Heimat kam, während der Corona-Pandemie vor verschiedene © Claudia Hübschmann

Bereits die Vorbereitung war chaotisch. Nähere Informationen zum Ablauf oder was sie mitbringen muss, bekam die Ärztin von der KV nicht. Lediglich die Aussage, dass ein Team vom DRK die Impfdosen bringen werde. „Ich wusste also, 100 Personen soll ich impfen. Weiter nichts.“ Informationen zum Impfen selbst, zum Beispiel wie hoch die Dosis sein muss, holte sich die Allgemeinmedizinerin aus dem Internet und der Presse. Der Notfallkoffer war natürlich auch dabei. Am Freitag bekam die Ärztin einen Anruf vom DRK, dass nur noch 23 Personen geimpft werden sollen.

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Ärztin kann Desorganisation nicht verstehen

Eine Stunde wartete die Ärztin mit ihrer Schwester vergeblich im Heim. Unzählige Anrufe beim DRK brachten nichts. „Wir wissen bis jetzt nicht, was schiefgelaufen ist. Wir konnten im DRK bis jetzt niemanden Verantwortlichen erreichen“, sagt Smith am Montagnachmittag. „Am Telefon sagte man mir, ich sei nicht die Einzige, die heute frustriert ist.“ Kerstin Smith ist verärgert: „Weder im Heim noch bei mir hat sich jemand gemeldet. Wenigstens einen Anruf, dass niemand kommt, hätten wir erwartet. Ich bin einfach nur sprachlos.“ Jeden Tag werde über die Medien berichtet, dass es mit dem Impfen jetzt losgehe und dann diese Desorganisation, schimpft die Ärztin.

Auch die Pflegedienstleitung des Heimes kann es nicht fassen. 18 Menschen seien bereits an Corona gestorben. „Unsere Heimbewohner haben Angst. Sie haben sehnlichst auf die Spritze gewartet.“ Alles war in kürzester Zeit vorbereitet, Formalitäten wie Einverständniserklärungen eingeholt. „Wir sind total verärgert.“

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Was schiefgelaufen ist und warum niemand informiert wurde, ist noch unklar. Telefonisch war der Pressesprecher des DRK Sachsen auch bis Dienstagnachmittag nicht zu erreichen, eine E-Mail-Anfrage der SZ blieb bisher unbeantwortet. "Es ist frustrierend!", sagt Kerstin Smith, die selbst bis Dienstagmittag noch keine Rückmeldung vom DRK erhielt. Auch im Pflegeheim hat sich laut Smith bis dahin niemand aufklärend gemeldet.

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