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Damit sich niemand zu nahe kommt

Zwei Schülerinnen des Landesgymnasiums haben Stauforschung in der Aula betrieben – mit großem Erfolg.

Stauforscherinnen: Sophie Becker (l.) und Ella Kusche haben sich erfolgreich am Landeswettbewerb "Schüler experimentieren" beteiligt.
Stauforscherinnen: Sophie Becker (l.) und Ella Kusche haben sich erfolgreich am Landeswettbewerb "Schüler experimentieren" beteiligt. © Claudia Hübschmann

Meißen. Jeden Tag dieses Gedränge! Nach dem Frühkonzil strömen die Schüler aus der Aula. Was schon unter normalen Bedingungen nervt, spitzte sich durch Corona noch zu. Die Staus vor den Türen gaben den Anstoß, berichtet Sophie Becker. Gemeinsam mit Ella Kusche hat sie untersucht, wie die Schüler die morgendliche Schulversammlung am Landesgymnasium St. Afra geordnet, ohne Stress und vor allem viel schneller verlassen. Somit ließe sich auch der Infektionsschutz besser gewährleisten. Ermuntert wurden die beiden von ihrer Physik-Lehrerin Saskia Schnasse.

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Die Erkenntnisse der beiden Achtklässlerinnen wurden jetzt mit einem ersten Preis gewürdigt – beim Landesfinale des Wettbewerbs „Schüler experimentieren“. Das ist der Jüngeren-Bereich des Wettbewerbs „Jugend forscht“, dessen Teilnahmebedingungen ein Mindestalter von 15 Jahren vorsehen.

Mitschüler waren freiwillige Statisten

In einer wissenschaftlichen Ausarbeitung haben Sophie und Ella auf 16 Seiten niedergeschrieben, wie sie sich mit dem Thema beschäftigten, welche Experimente sie durchführten und welche Schlussfolgerungen sie daraus ziehen konnten. Und sie haben drei verschiedene Modell entwickelt, wie die Schüler am besten in Gruppen die Aula durch die vier Ausgänge verlassen können, ohne dass dabei Gedränge entsteht.

Bei den Experimenten fanden die beiden Afranerinnen Unterstützung in ihren Klassenkameraden. Sie stellten sich als Statisten zur Verfügung, um verschiedene Situationen näher betrachten zu können. Gemeinsam wurde die Aula umgeräumt und fünf Sitzreihen mit jeweils vier Stühlen aufgestellt. Sophie und Ella beobachteten und protokollierten das Verhalten ihrer Mitschüler beim Verlassen des Raums.

So fanden sie heraus, dass sich Erkenntnisse aus der Stauforschung übertragen und anwenden lassen. Bei ihren ersten Recherchen waren die beiden auf das nach den deutschen Physikern Kai Nagel und Michael Schreckenberg benannte Modell zur Simulation des Straßenverkehrs gestoßen. Die Wissenschaftler hatten es in den 1990er Jahren entwickelt, als sie sich mit dem Phänomen des aus dem Nichts entstehenden Staus beschäftigt hatten.

Jurygespräch per Video

Per Videokonferenz galt es für Sophie und Ella im Jurygespräch ihr Projekt und die vorgeschlagenen Modelle unter Pandemiebedingungen näher zu erläutern. Im Bereich Arbeitswelten, in dem sie ihren Beitrag zum Wettbewerb eingereicht hatten, konnten sie am meisten punkten, wovon der erste Preis kündet. Mit den Urkunden erhielten Sophie und Ella eine Prämie und einen Sonderpreis der Stiftung „Sachsen. Land der Ingenieure“.

Diese erste wissenschaftliche Arbeit hat Spaß gemacht. Darin sind sich beide einig, auch wenn es in Zeiten des Fernunterrichts nicht ganz einfach war, an dem Thema dranzubleiben. Ob ihre Stauforschungen Wünsche zur beruflichen Zukunft beeinflusst haben, lässt sich noch nicht sagen. Sophie könnte es sich vorstellen, sich weiter mit den Naturwissenschaften zu befassen. Ella möchte lieber einen Beruf ergreifen, in dem sie mit Menschen zu tun hat.

Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen, Simulationen und Berechnungen werden beide natürlich allen 300 Afranern vorstellen. Und sie hoffen, damit auf das Verhalten der Schüler Einfluss nehmen zu können. Denn ein Modell kann nur dann in der Praxis funktionieren, wenn sich alle an die damit verbundenen Verabredungen und Regeln halten.

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