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Dann wenigstens einen Swimmingpool

Viele Bewohner im Kreis Meißen rechnen wohl auch dieses Jahr mit Sommerurlaub im eigenen Garten. Poolbauer und Wasserbehörde werden überrannt.

Ein bisschen Südseefeeling im Garten: Poolbauer werden mit Anfragen überhäuft und kommen mit dem Bauen und Liefern nicht hinterher. Sogar mit Beleidigungen müssen sie leben.
Ein bisschen Südseefeeling im Garten: Poolbauer werden mit Anfragen überhäuft und kommen mit dem Bauen und Liefern nicht hinterher. Sogar mit Beleidigungen müssen sie leben. © Pixabay

Meißen. Die Poolbauer schlagen Alarm: Seit dem letzten Jahr werden sie mit Anfragen überhäuft und kommen mit Bauen und Liefern gar nicht mehr hinterher. Weil die alljährliche Sommerurlaubsreise auch dieses Jahr nicht sicher ist, holen sich jetzt viele ein bisschen Südseefeeling in Form eines großen blauen Wasserplanschbeckens in den heimischen Garten. Die Sächsische Zeitung hat bei den Poolbauern und der unteren Wasserbehörde nachgefragt und vieles deutet auf einen neuen Trend hin.

So will ein Poolbauer und Zubehöranbieter aus der Region lieber gar nicht erst erkannt werden, weil er dann einen noch größeren Ansturm fürchtet: „Wir können uns vor Anfragen kaum retten“, sagt er, „wir erhalten jeden Tag Hunderte.“ Schon jetzt hat der Anbieter Lieferschwierigkeiten und muss manchmal sogar mit Beleidigungen und Anfeindungen leben, weil die Lieferzeit länger dauert als die Kunden es erwarten.

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Während in vielen anderen Geschäftsbereichen nicht gearbeitet und nichts verdient werden kann, können sich die Poolbauer vor Bestellungen kaum retten: „Wir überlegen wirklich, ob wir öffnen sollen, wenn es wieder erlaubt ist, denn sehr wahrscheinlich müssten wir die Leute wieder wegschicken“, sagt einer der Geschäftsführer. Für alle, die bis Ende März noch nicht bestellt haben, wird der Traum vom Pool für diesen Sommer wohl ins Wasser fallen, so der Anbieter. Die große Nachfrage bestätigt auch ein weiterer Poolbauer aus Moritzburg: „Wir können uns vor Arbeit alle nicht mehr retten, Nachwuchs kommt keiner mehr nach und die aktuellen Jahrgänge der Schulabgänger werden da auch nicht besser“, sagt er.

Wer sich für seinen Pool extra einen Brunnen bohren lassen will, muss das von der unteren Wasserbehörde genehmigen lassen. Alles unterhalb der Oberfläche gehört nicht dem Grundstücksbesitzer, sondern der Allgemeinheit. Der Bau eines Brunnens ist teuer und die Entnahme von Grundwasser kostenpflichtig. Dennoch bestätigt die untere Wasserbehörde des Landkreises Meißen eine erstaunliche Zunahme von beantragten Brunnen: „Die Zahl ist von 2019 zu 2020 um circa 70 Prozent gestiegen.“ Auch in diesem noch jungen Jahr hat die Behörde schon viele Anträge erhalten. In den bisher zwei Monaten sind so viele Anträge für die Errichtung eines Brunnens eingegangen wie im gesamten letzten Jahr, teilt sie mit.

Dass Urlaubsreisen für den Sommer bisher nur sehr zurückhaltend gebucht werden, bestätigt der Deutsche Reiseverband (DRV). Eigentlich ist die Hauptbuchungszeit für den Sommerurlaub der Zeitraum zwischen Dezember bis März: „Wir sind also mitten in der üblichen Hauptbuchungsphase, aber es herrscht eine große Verunsicherung“, sagt der Kommunikationsleiter, Torsten Schäfer. Die Buchungseingänge im Reisebüro im Januar lagen um über 90 Prozent unter denen des Vorjahres, als Corona noch kein Thema war. Der Januar sei sonst einer der buchungsstärksten Monate, in denen die meisten ihren Sommerurlaub buchen. Ein bisschen Hoffnung machen die Neubuchungen für die Sommerferien in Folge der Verfügbarkeit der Impfstoffe, sagt Torsten Schäfer: „Aber auch die sind noch auf niedrigem Niveau.“

Im Gegensatz dazu steigen die Poolbestellungen im Landkreis an. Eine Brunnenbaugenehmigung ist allerdings gar nicht so leicht zu bekommen: „Eine Entscheidung hängt unter anderem vom Umfang der geplanten Benutzung, lokalen hydrogeologischen Randbedingungen, Wasserhäufigkeit und der Lage in Schutzgebieten ab“, teilt die untere Wasserbehörde mit. Ein hydrogeologisches Gutachten von einem Fachbüro muss auf jeden Fall eingeholt werden, sagt Thomas Gensch vom Landesverein Sächsischer Heimatschutz e.V. Er ist für den Fachbereich Naturschutz und Landschaftsgestaltung verantwortlich und sieht in dem neuen Trend unterschiedliche Probleme: „Wenn viele jetzt innerhalb eines Landschaftsschutzgebietes Pools bauen, dann hat das zum Beispiel negative Auswirkungen auf die Ästhetik einer Landschaft“, sagt er.

Schon jetzt werden Landschaftsschutzgebiete immer kleiner, weil Grundstücke zum Bauen ausgegliedert werden. Für den Artenschutz wird es erst gefährlich, wenn viele Poolbesitzer dauerhaft Wasser entnehmen: „Dann sinkt der Grundwasserspiegel, Bäume werden nicht mehr ausreichend versorgt, sterben ab und das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Tierarten, die in den Bäumen leben“, sagt Thomas Gensch.

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