merken
PLUS Meißen

Das Gipfelkreuz strahlt wieder

Das Denkmal auf dem Götterfelsen ist gerettet. Großen Anteil daran haben die Schüler des Landesgymnasiums St. Afra, die dort eine Tradition pflegen.

Hoch über der Stadt zeigt sich das Gipfelkreuz auf dem Götterfelsen wieder in alter Schönheit.
Hoch über der Stadt zeigt sich das Gipfelkreuz auf dem Götterfelsen wieder in alter Schönheit. © Claudia Hübschmann

Meißen. In alter Schönheit zeigt es sich wieder hoch über dem Triebischtal. Seit wenigen Tagen ist das Gipfelkreuz auf dem Götterfelsen samt Sockel restauriert. Wesentlichen Anteil daran haben die Schüler des Landesgymnasiums St. Afra. Auf vielfältige Weise und außerhalb des regulären Unterrichts haben sie dabei geholfen, die notwendigen Reparaturen zu finanzieren.

„Das Kreuz auf dem Götterfelsen ist für uns mehr als nur eine Erinnerung an dessen Errichtung im Jahr 1843, es ist für uns ein Stück gelebte Tradition und ein Symbol der Verbundenheit“, sagt Dr. Bert Xylander, der kommissarische Leiter des Landesgymnasiums. „Tradition unter anderem, weil wir am letzten Tag eines jedes Schuljahres dorthin wandern. Symbol der Verbundenheit, weil es Ausdruck unserer Partnerschaft mit der Stadt Meißen ist, die wir genauso wie das Kreuz intensiv pflegen und immer wieder neu mit Leben erfüllen wollen“, so Bert Xylander.

Anzeige
Stellvertretender Bereichsleiter (m/w/d)
Stellvertretender Bereichsleiter (m/w/d)

Die UKH Service GmbH sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen stellvertretenden Bereichsleiter (m/w/d) für das Uniklinikum Halle/ Saale.

Festakt, wenn es möglich ist

Das restaurierte Denkmal soll bei einem Festakt auf dem Götterfelsen offiziell eingeweiht werden. Er werde stattfinden, wenn die pandemiebedingten Vorsichtsmaßnahmen es zulassen, informiert Jakob Polak vom Landesgymnasium.

Durch die jährlichen Wanderungen von der Freiheit aus zum Götterfelsen blieb den Afranern nicht verborgen, dass Kreuz und Sockel arger Zerstörungswut und Vermüllung ausgesetzt waren. Vor zehn Jahren war das Kreuz vorübergehend mal ganz verschwunden, und der Sockel wurde als „Müllbehälter“ missbraucht, wie Andrea Kotztin berichtet. Die Lehrerin für Geschichte und Kunst am Landesgymnasium betreut die außerschulischen Aktivitäten der Afraner für das Meißner Gipfelkreuz.

Die besondere Verbundenheit geht auf das Jahr 1815 zurück, als Freiherr von Miltitz das Grundstück auf dem Götterfelsen der Fürstenschule „auf ewige Zeiten vermachte“, sagt Andrea Kotztin. Zur Einweihung des Gipfelkreuzes – wahrscheinlich am 3. Juli 1843 – hatten die Fürstenschüler einen drei Tage währenden Festakt mitgestaltet und waren in Festuniform sowie mit Musikinstrumenten und Fahnen durch die Stadt gezogen. Zwar wurde der Besitz des Grundstücks mit der Bodenreform 1945 für die Schule hinfällig, aber nach der Wende kam es in den Besitz der Stadt Meißen.

Das ursprüngliche Kreuz, das 1843 anlässlich des 300. Jubiläums der Fürstenschule St. Afra auf dem Götterfelsen errichtet wurde, verschwand in den Wirren des letzten Kriegsjahres 1945. In der Heimlichkeit einer mondfreien Nacht gelang es 1956 den Brüdern Lorenz und Robert Pietzonka gemeinsam mit Johann Rippel, unbemerkt ein neues Kreuz aus Stahlträgern am Götterfelsen aufzustellen. Dieses Kreuz war im Jahr 2010 abgesägt worden. Mitarbeiter des städtischen Bauhofes konnten es notdürftig sichern.

Ein Festgottesdienst – unter Corona-Bedingungen – im Freien fand am 1. Mai in der Gemeinde Dobritz am Weg zum Götterfelsen statt. Zu dieser Zeit war das Gipfelkreuz noch in der Werkstatt.
Ein Festgottesdienst – unter Corona-Bedingungen – im Freien fand am 1. Mai in der Gemeinde Dobritz am Weg zum Götterfelsen statt. Zu dieser Zeit war das Gipfelkreuz noch in der Werkstatt. © privat

Ein Ort der Begegnung

Für die Schüler des Landesgymnasiums, das sich in der Tradition der einstigen Fürstenschule sieht, ist der Götterfelsen ein Ort der Begegnung. Nicht nur der traditionelle Marsch in der Nacht zum letzten Schultag vor den Sommerferien, sondern auch Begegnungen mit Freunden oder Eltern, wenn sie in Meißen zu Besuch sind, führen auf den Götterfelsen. Andrea Kotztin erinnert sich an eine solche mit Schülern aus Südafrika: „Ganz spontan sangen und tanzten die Gäste. Auf dem Rückweg leuchteten Glühwürmchen am Weg entlang – es war magisch.“

Die nun erfolgreich abgeschlossenen Bemühungen um die Rettung des Denkmals hatten ihren Ursprung vor neun Jahren. Damals war der Altsprachen-Lehrer Andreas Klock in Meißen unterwegs, um lateinische und altgriechische Inschriften an Denkmälern und Fassaden der Stadt zu sammeln und zu übersetzen. Am Götterfelsen war dem inzwischen verstorbenen Kollegen aufgefallen, dass einige der Inschriften am Sockel nicht mehr lesbar waren, erinnert sich Andrea Kotztin.

Der zunehmende Verfall sprach sich herum, auch in verschiedenen Netzwerken – mit der Folge, dass ein ehemaliger Schüler des Landesgymnasiums 3.000 Euro spendete, um das Gipfelkreuz auf dem Götterfelsen samt Sockel restaurieren zu können. Dieses Geld bildete den Grundstock, der durch weitere anonyme Spenden und gezielte Aktionen wuchs. Spendenläufe und Verkaufsaktionen beim Lichtermarkt in der Adventszeit trugen ebenso dazu bei wie der Erlös des Getränkeverkaufs bei einem Neujahrsempfang der Stadt. In ihrem Bemühen um die Rettung des Denkmals fanden die Afraner bei den Bewohnern in der benachbarten Gemeinde Dobritz stets offene Ohren.

Letztlich wurden rund 13.000 Euro gebraucht, um Sockel und Gipfelkreuz fachmännisch restaurieren zu lassen. Diese Summe ergab sich, nachdem das Landesamt für Denkmalschutz das gusseiserne Kreuz 2015 in die sächsische Denkmalliste aufgenommen und einen möglichen Zuschuss für die Restaurierung beziffert hatte. Die Wilsdruffer Firma Ostmann und Hempel hatte dafür ein Angebot unterbreitet – und den Preis stabil gehalten, bis im vorigen Jahr das Geld zusammen war und der Auftrag ausgeführt werden konnte.

Weiterführende Artikel

Das Kreuz vom Götterfelsen

Das Kreuz vom Götterfelsen

Quad statt Helikopter – um das kaputte Denkmal vom Götterfelsen zu holen, waren eine Eingebung und Können nötig.

Beim Restaurieren haben sich die Wilsdruffer Handwerker an der historischen Vorlage orientiert – das gusseiserne Kreuz erhielt einen goldfarbenen Anstrich, so dass es im Licht der Sonne wieder gülden über dem Triebischtal strahlt.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Meißen