merken
PLUS Meißen

"Das Sportlerherz weint"

Jetzt ist es amtlich: In Lommatzsch wird es in den nächsten Jahren keinen Kunstrasenplatz für die Fußballer geben. Die sind wütend und enttäuscht.

Vor allem bei schlechtem Wetter ist der Hartplatz für das Fußballtraining eine Zumutung.
Vor allem bei schlechtem Wetter ist der Hartplatz für das Fußballtraining eine Zumutung. © Gerhard Schlechte

Lommatzsch. Was die Fußballer des Lommatzscher SV befürchteten, ist nun Realität geworden. Den von ihnen so sehr gewünschten Kunstrasenplatz wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Die Stadt hat die Gelder für die Umsetzung eines Kunstrasenplatzes mit dem notwendigen Hochwasserschutz vorerst aus der mittelfristigen Finanzplanung herausgenommen, so Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP). Was sie mit mittelfristig meint, macht sie auf Nachfrage konkret: "Bis 2024 werden wir erstmal kein Geld dafür einplanen können", sagt sie.

Der Lommatzscher Hartplatz sieht aus der Vogelperspektive gut aus. Doch beim Näherkommen zeigen sich die Probleme.
Der Lommatzscher Hartplatz sieht aus der Vogelperspektive gut aus. Doch beim Näherkommen zeigen sich die Probleme. © Gerhard Schlechte

Klar sei für sie aber dennoch, dass mit dem Hartplatz etwas passieren müsse. "Zuerst müssen wir uns einig werden, in welcher Art und Weise der Hartplatz saniert werden soll. Leider kommen die Planungen aufgrund der Verzögerungen durch Corona nicht so schnell wie erhofft voran." So nehme das beauftragte Ingenieurbüro wegen der Corona-Pandemie derzeit keine Außentermine wahr.

sz-Reisen
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken

Bei SZ-Reisen findet jeder seine Traumreise. Egal ob Kreuzfahrt, Busreise, Flugreise oder Aktivurlaub - hier bekommen Sie für jedes Reiseangebot kompetente Beratung, besten Service und können direkt buchen.

Besichtigung abgelehnt

"Das Problem ist, dass wir derzeit nicht genau wissen, was wir tun werden. Und dadurch wissen wir auch nicht, was dies alles kostet", so Anita Maaß. Im Vorfeld waren Zahlen zwischen 900.000 und einer Million Euro genannt worden, nicht nur für den Platz selbst, sondern auch für die erforderlichen Hochwasserschutzmaßnahmen und einen Zaunbau rund um das Gelände. Damit ist klar, dass der Bau eines solchen Platzes nur mit Fördermitteln möglich ist.

Doch die Aussichten sind wohl eher gering. Der Freistaat Sachsen hat bereits Fördermittelprogramme für grundhaften Straßenausbau und Abwasserkanäle zusammengekürzt beziehungsweise ganz gestrichen. Es ist zu befürchten, dass durch die hohen Kosten, welche die Corona-Krise jetzt schon verursacht hat, weiter an Förderprogrammen gestrichen wird.

Die Lommatzscher Fußballer sind enttäuscht und wütend. "Das Sportlerherz weint", schreibt der Vorstand des Lommatzscher SV. Ein erster Planungsvorschlag liege schon seit Herbst vor, ein Gespräch mit der Planungsfirma und den Stadträten habe aber noch nicht stattgefunden. Auch sei vom Verein eine Besichtigung eines solchen Platzes angeboten worden, es habe aber seitens der Stadt kein Interesse daran bestanden. Die Fußballer haben die begründete Befürchtung, dass die derzeit geplanten Baukosten bis 2024 vielleicht auf 1,4 Millionen Euro steigen könnten.

Nicht gegeneinander ausspielen

Vor etwas mehr als drei Jahren bekamen die Lommatzscher Fußballer eine Flutlichtanlage für ihren Trainingsplatz. Das hatte damals schon vereinzelt Kritik ausgelöst. Alle Vereine müssten gleich gefördert werden, hieß es im Stadtrat. Der Fußballverein hält dagegen: Alle anderen Vereine hätten ordentliche Trainings- und Wettkampfstätten. Die Sporthallen für Handball, Tischtennis, Volleyball und Schulsport seien auf hohem Niveau, die Spielleute hätten ordentliche Übungsbedingungen in den Schulen, der Carneval-Club mit dem Schützenhaus eine hervorragende Spielstätte. Die Feuerwehr habe ein neues Domizil und auch in Wachtnitz bekommt der dortige Tennisverein neue, bessere Sozialräume.

Die Bürgermeisterin ist verärgert: "Gegenseitige Schuldzuweisungen bringen nichts, wir sollten uns auch nicht in der Stadt gegenseitig ausspielen, Investitionen nicht gegeneinander aufrechnen", sagt sie. Klar sei, dass mit dem Hartplatz etwas passieren müsse. Es sei ein Platz nötig, der das ganze Jahr über nutzbar sei. Wenn auch die Fußballer in der Sporthalle im Winter trainieren müssen, werde es dort sehr eng.

Weiterführende Artikel

Jetzt eine Sportstunde buchen

Jetzt eine Sportstunde buchen

Die bewegungsarme Zeit geht bei der Aktion Gesundheit Meißen zu Ende. Es gibt wieder Trainingsmöglichkeiten für Rücken, Knie und Schulter.

Jeweils bis September müssen Fördermittelanträge für das kommende Jahr gestellt werden. Auch Lommatzsch will Fördermittel für den Sportplatz beantragen. Allerdings nur für den Zaunbau. Der Kunstrasenplatz muss weiter warten.

Mehr lokale Nachrichten gibt's hier: aus Meißen | Riesa | Großenhain | Radebeul.

Mehr zum Thema Meißen