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Das zweite fade Ostern

Trotz Null-Inzidenz geht auch in Hirschstein zu Ostern nichts. Bürgermeister Conrad Seifert fordert dauerhafte Öffnungsstrategien.

Osterbrunnen auch ohne Besucherandrang an der Windmühle in Pahrenz .
Osterbrunnen auch ohne Besucherandrang an der Windmühle in Pahrenz . © Jürgen Müller

Hirschstein. Gerade mal fünf "aktive" Corona-Infizierte gibt es in der Gemeinde Hirschstein, sogar nur zwei sind es in der Nachbargemeinde Diera-Zehren. Die Zahl der Neuinfektionen innerhalb der letzten sieben Tagen liegt in Hirschstein bei null. "Wir haben eine Null-Inzidenz, könnten Läden öffnen, wenn wir denn welche hätten", sagt Bürgermeister Conrad Seifert (CDU). Doch in der Gemeinde ist tote Hose. Denn entscheidend ist der Inzidenzwert von ganz Sachsen.

Nicht nur den Bürgermeister ärgert das, vor allem jetzt zu Ostern. Denn Hirschstein und auch Diera-Zehren sind seit Jahren bekannt für ihre prunkvoll geschmückten Osterbrunnen. Sie ziehen jedes Jahr zahlreiche Touristen an, etliche Busse kommen in die Gemeinden, wovon auch die Gastronomie profitiert. "Dass diese Osterbrunnenfahrten nun schon das zweite Jahr in Folge ausfallen, ist schon sehr fade", findet der Bürgermeister. Umso mehr freut er sich, dass dennoch in Prausitz, Althirschstein, Neuhirschstein, Bahra, Pahrenz und Mehltheuer Osterbrunnen von den Bürgern geschmückt wurden, streng unter Einhalten der Corona-Regeln, wie er betont. Also nur eine bestimmte Anzahl an Personen aus maximal zwei Haushalten. "Allerdings mussten wir da an manchen Stellen improvisieren. So hat der Brunnen am Schloss Neuhirschstein keine so große, imposante Krone wie sonst üblich", sagt er.

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Trotz Corona haben auch die Mitglieder des Gymnastikvereins Zehren mit viel Geschick und Ideenreichtum den Osterbrunnen im Ort geschmückt. In der diesjährigen Osterkrone wurden erstmals 200 in vielen Stunden selbst bemalte Ostereier verarbeitet. Seit 2014 pflegen sie die Anlage und den Brunnen. Durch neue Ideen verändern sie jedes Jahr das Erscheinungsbild des Brunnens. "Unser Ansporn ist dabei, zur Verschönerung unseres Ortsbildes beizutragen, und unseren Einwohnern und Gästen einen Blickfang zu bieten", heißt es in einem Schreiben, das neben dem Brunnen angebracht ist. Seit Herbst vorigen Jahres sind wegen Corona in dem Verein keine sportlichen Aktivitäten mehr möglich. Sie alle hoffen jetzt auf den Sommer, um im Freien Sport treiben zu können und warten voller Ungeduld auf die Eröffnung der neuen Sporthalle in Schieritz.

Mit viel Liebe haben die Gymnastikfrauen Zehren den Osterbrunnen im Ort geschmückt.
Mit viel Liebe haben die Gymnastikfrauen Zehren den Osterbrunnen im Ort geschmückt. © Jürgen Müller

Kinobesuche nur noch aus Erzählungen

Doch nicht nur die Einweihung der Brunnen musste ausfallen, auch andere Veranstaltungen, welche die Dorfgemeinschaft zusammenhalten. Das Ostersingen am Brunnen zu Gründonnerstag in Prausitz beispielsweise, wo die Frauensportgruppe Eierlikör kredenzt. Am meisten ärgert ihn, dass kein Ende in Sicht ist, nicht nach Lösungen gesucht wird, wie mit dem Virus ein halbwegs normales Leben organisiert werden kann. "Wir haben gute Konzepte für Impfen und Testen für die Schulen, die einen Schulbesuch ermöglichen würden", so der Bürgermeister. Er fürchtet auch die Langzeitfolgen der Coronamaßnahmen, beispielsweise dass Kinos dicht machen müssen. "Es macht mir der Gedanke Sorgen, dass unsere Kinder Kinobesuche vielleicht bald nur noch aus Erzählungen kennen könnten", so Conrad Seifert. "Ich bedauere nicht nur die Absage aller öffentlichen Osterveranstaltungen, sondern appelliere an die Politik, endlich eine dauerhafte Öffnungsstrategie zu entwickeln", so der CDU-Politiker.

Alle auf Malle

Dass die Kirchen öffnen und Gottesdienste durchführen können, begrüßt er hingegen. "Als Christ finde ich, dass die Glaubensausübung einen höheren Stellenwert hat, als Urlaub auf Mallorca", sagt er. Ach ja, die Ferieninsel. "Es ist doch nicht zu begreifen, dass wir nach Mallorca fliegen dürfen, zu den Schwiegereltern nach Brandenburg aber nicht fahren dürfen. Ich habe schon im Scherz gesagt, dann treffen wir uns eben alle auf Malle", sagt er.

Dazu wird es aber nicht kommen. Er feiert Ostern mit der Familie zu Hause, hofft darauf, dass im Sommer wegen der Witterung die Infektionszahlen deutlich zurückgehen. Und dass dann der Kulturkalender der Gemeinde vielleicht doch kein vorläufiger bleibt.

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