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"Demokratische Grundordnung in Gefahr"

Die Stadt Lommatzsch saniert Denkmale für die Opfer des Zweiten Weltkrieges. Laut Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP) reicht Gedenken aber nicht aus.

Nicht nur durch die Sanierung von Denkmalen wird in Lommatzsch daran erinnert, dass Frieden kein Geschenk ist.
Nicht nur durch die Sanierung von Denkmalen wird in Lommatzsch daran erinnert, dass Frieden kein Geschenk ist. © Gerhard Schlechte

Lommatzsch. Die Stadt bewahrt das Gedenken an den Zweiten Weltkrieg. So wurde im November vorigen Jahres das sowjetische Ehrenmal am Ortsausgang weiter saniert. "Dank der Fördermittel vom Land konnten wir nun die Umfriedung des Soldatenfriedhofes mit Zaunanlage und Steinsäulen restaurieren lassen. Bereits im ersten Bauabschnitt ließen wir die durch die Russische Föderation gefundenen Namen von 17 gefallenen sowjetischen Soldaten auf zwei neuen Gedenktafeln verewigen", so Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP). Die Gesamtkosten für die Sanierung betrugen gut 70.500 Euro.

Saniert wurde auch, mit Unterstützung der russischen Botschaft und der Landesdirektion Sachsen, der Gedenkstein für die am 29. April 1945 an der Kirche erschossenen Zwangsarbeiter. Die Bepflanzung werde im Frühjahr fertiggestellt. Das Ehrenmal werde damit wieder zu einer würdevollen Ruhestätte und ehrendem Gedenkort für die Opfer des Nationalsozialismus, so die Bürgermeisterin.

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Die Namen hinter den Nummern

Die Instandsetzung der Gedenkstätte für die Opfer der Todesmärsche auf dem Friedhof in Dörschnitz müsse auch unbedingt folgen. Die Stadt hofft auch hier auf Fördermittel vom Freistaat Sachsen. Am Dörschnitzer Ehrenmal sind 36 KZ-Häftlinge, Franzosen, Polen und Russen, zur letzten Ruhe gebettet; darunter elf Frauen. Sie wurden im April 1945 auf ihrem Todesmarsch, der auch durch den Kreis Meißen führte, auf den Fluren von Klappendorf, Dörschnitz und Umgebung von SS-Wachmannschaften umgebracht.

Konfirmanden hatten vor Jahren die Häftlingsnummern auf den Grabsteinen am Mahnmal für die Opfer des Faschismus auf dem Dörschnitzer Friedhof enträtselt. Es waren Häftlinge, die nach der Auflösung der Außenstellen des KZ-Buchenwald auf die sogenannten Hunger- oder Todesmärsche in Richtung Theresienstadt getrieben wurden. Alle zwölf Namen, die sich hinter den Häftlingsnummern verbargen, konnten gefunden werden.

Die aktuellen Bilder warnen

"Es ist wichtig, gut 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, an die Opfer von Krieg und Vertreibung zu erinnern. Die Menschen mussten Unvorstellbares erleiden. Frieden, Freiheit und persönliche Sicherheit können wir nicht hoch genug schätzen. Deshalb sollten uns auch die aktuellen Bilder aus den USA warnen. In einer politisch zerrissenen Gesellschaft, die Schritt für Schritt ihre Mittelschicht verliert, ist die demokratische Grundordnung in Gefahr", sagt Anita Maaß.

Sie sieht diese Gefahr nicht nur für die USA. "Wir müssen auch bei uns sehr aufpassen, dass wir die Mittelschicht nicht aufs Spiel setzen", sagt sie.

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