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Den Helfer verletzt

Ein Autofahrer hat offenbar auf einem Parkplatz gesundheitliche Probleme. Drei Leute wollen helfen. Doch der Mann reagiert nicht wie erwartet.

Die Polizei wird zu einem Unfall auf einem Parkplatz in Radebeul gerufen. Doch diesmal ist es nicht wie so oft ein Parkrempler beim rückwärts Ausparken.
Die Polizei wird zu einem Unfall auf einem Parkplatz in Radebeul gerufen. Doch diesmal ist es nicht wie so oft ein Parkrempler beim rückwärts Ausparken. © Archiv/Marko Förster

Meißen. Es ist um die Mittagszeit Ende Juli vorigen Jahres, als ein 56-jähriger Dresdner sein Auto auf dem Parkplatz eines Discounters in Radebeul abstellt. Zwei Frauen fällt auf, dass der Mann offensichtlich Hilfe braucht. Sie eilen zu ihm, doch der will sich nicht helfen lassen.

Die gesundheitlichen Probleme haben wohl vor allem einen Grund. Jedenfalls nehmen die beiden Frauen starken Alkoholgeruch wahr. Der Mann ist offenbar ziemlich betrunken. Sie wollen verhindern, dass er mit dem Auto losfährt, holen einen 18 Jahre alten Mitarbeiter des Discounters, der gerade eine Pause macht. „Wir wollten verhindern, dass der Mann auf die Straße fährt, einen Unfall baut und damit andere gefährdet“, sagt der junge Mann. Weil der Audi mit der Front an einem Zaun steht, kann er nur rückwärts weggefahren werden. „Um das zu verhindern, habe ich mich hinter das Auto gestellt“, sagt der 18-Jährige.

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Doch dann passiert Unvorhergesehenes. Der Autofahrer fährt einfach rückwärts los, erwischt den jungen Mann, verletzt ihn, zum Glück nicht allzu schwer, weil er noch wegspringen kann. Dennoch erleidet er eine Bänderdehnung, ist zwei Tage arbeitsunfähig.

Blutprobe ergibt 1,73 Promille

Die hinzugerufene Polizei bringt den Autofahrer ins Krankenhaus zur Blutentnahme. Diese ergibt, dass er eine halbe Stunde nach dem Vorfall 1,73 Promille Alkohol im Blut hat.

Nun sitzt der 56-Jährige wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässiger Körperverletzung vor dem Amtsgericht Meißen. Gestützt auf zwei Gehhilfen betritt der Angeklagte in Begleitung seines Verteidigers den Gerichtssaal. Mit dem Vorfall hat das nichts zu tun, denn körperlich verletzt wurde er dabei nicht. Seine Knieprobleme sind nicht auf diese Sache zurückzuführen.

Allerdings ist er seit jenem Tag wegen seelischer Probleme krankgeschrieben. Darauf zielt auch der Verteidiger ab, will erreichen, dass das Verfahren wegen "geringer Schuld" gegen eine Geldauflage eingestellt wird. Das hätte für seinen Mandanten den Vorteil, dass er um einen Fahrerlaubnisentzug herumkommen würde. Das ist hier aber juristisch gar nicht möglich. Denn bei Alkoholfahrten mit mehr als 1,1 Promille, was als absolute Fahruntüchtigkeit zählt, sind Entzug der Fahrerlaubnis und Einzug des Führerscheines obligatorisch.

Nach einem Rechtsgespräch begrenzt der Verteidiger dann auch seinen Einspruch gegen den Strafbefehl auf die Rechtsfolgen, als auf die Höhe der im Strafbefehl ausgesprochenen Strafe. Zur Sache wird dann nicht mehr verhandelt. Die Zeugen, unter anderem Polizisten aus Meißen und Dresden und der Geschädigte, werden nicht gehört. Die Sache tue ihm sehr leid, sie sei durch einen seelischen Hintergrund passiert, sagt der Angeklagte.

Das wird noch richtig teuer

Die Richterin verurteilt ihn zu einer Geldstrafe von 1.800 Euro, berücksichtigt dabei auch, dass er noch 9.000 Euro Restschulden für sein Auto, das er damals zu Schrott gefahren hat, zahlen muss. Sie sieht den Mann als ungeeignet an, im Straßenverkehr ein Auto zu führen. Deshalb wird auch die Fahrerlaubnis entzogen, der Führerschein eingezogen.

Den bekommt er frühestens in sechs Monaten wieder. Zuvor muss er allerdings zum „Idiotentest“, der bei Fahrten mit mehr als 1,6 Promille angeordnet wird, weil dann mit hoher Wahrscheinlichkeit chronischer Alkoholmissbrauch vorliegt.

So wird die Chose für den noch teurer, denn er muss auch die Gerichtskosten tragen. Dazu gehören auch die Kosten der Zeugen. Allein der Geschädigte ist rund 100 Kilometer aus dem Brandenburgischen angereist.

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