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Den Knall nicht gehört

Der Fahrer eines Lkw soll mit seinem Fahrzeug ein Tor von Schloss Wackerbarth beschädigt haben und abgehauen sein. Sitzt der Falsche vor Gericht?

Die Einfahrt zum Staatsweingut Schloss Wackerbarth. Eine solche Säule und das Tor soll der Lkw-Fahrer beschädigt haben.
Die Einfahrt zum Staatsweingut Schloss Wackerbarth. Eine solche Säule und das Tor soll der Lkw-Fahrer beschädigt haben. © Norbert Millauer

Meißen/Radebeul. Es muss einen mächtigen Knall gegeben haben an jenem letzten Maitag 2019 am Lieferanteneingang des Staatsweinguts Schloss Wackerbarth. Der war jedenfalls so laut, dass sich eine Frau, die auf dem gegenüberliegenden Weinberg fotografiert, umdreht. Es sei ein "Riesenknall" gewesen.

Sie sieht an der Stelle, an der es gekracht haben muss, den Lkw einer Dresdner Speditionsfirma stehen. Rangiert habe das Fahrzeug zu diesem Zeitpunkt nicht, sagt sie. Und sieht auch, dass die Sandsteinkugel, welche auf einer Säule des offenbar angefahrenen Tores angebracht war, auf dem Boden liegt. Die Zeugin hat die Kugel fotografiert. Ob diese schon vor dem Knall am Boden lag, weiß sie aber nicht. An Tor und Sandsteinsäule entstand ein Schaden von rund 2.000 Euro.

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Nichts gehört, nichts gesehen

Aufgeschreckt von dem Knall wird auch ein Mitarbeiter von Wackerbarth, der gerade über den Hof geht und zum Mittagessen will. Er geht vor das Tor, wo der Lkw steht, fragt, ob dessen Fahrer etwas mitbekommen habe. Der verneint. Er habe keinen Knall gehört. Auch Mitarbeiterinnen aus dem Vertrieb sind aufmerksam geworden. Eine ruft die Polizei, eine andere notiert sich das Kennzeichen des Lkw. Sie schauen sich auch das Fahrzeug an. Schäden am Lkw können sie aber nicht erkennen.

Fast zwei Jahre nach dem Vorfall sitzt der 55-jährige Lkw-Fahrer vor dem Amtsgericht Meißen. Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Er streitet ab, mit dem Unfall etwas zu tun zu haben. Ja, er sei an jenem Tag bei Wackerbarth gewesen. Er habe in das Tor der Lieferanteneinfahrt fahren wollen. Deshalb sei er ausgestiegen, habe dabei aber gesehen, dass es zu eng ist. Dabei habe er auch die Kugel liegen sehen und sei froh gewesen, dass er nicht hineingefahren sei. "Ich habe nichts gehört, nichts gesehen, bin mir keiner Schuld bewusst", sagt er.

Eine Zeugin soll allerdings beobachtet haben, dass der Lkw gegen das Tor stieß, die Kugel runterfiel, der Fahrer ausstieg und sich sein Fahrzeug betrachtete. Offenbar kann diese Zeugin nicht aufgetrieben werden. Angehört wird sie jedenfalls nicht.

Zwar werden später an dem Kühllaster doch Schäden festgestellt, doch das seien Vorschäden gewesen, behauptet der Angeklagte. Tatsächlich passen sie offenbar nicht zu dem Unfall.

Für den Staatsanwalt hat sich der angeklagte Sachverhalt dennoch bestätigt. Für ihn sei schlüssig, dass der Lkw die Mauer touchiert habe. Ein Zeuge habe gesehen, dass die Sandsteinkugel um 10.30 Uhr auf ihrem Platz auf der Säule war. Später habe sie am Boden gelegen. An dem Lkw seien hinten links Schäden festgestellt worden. Es sei durchaus möglich, dass der Fahrer den Knall wegen des laufenden Kühlaggregates nicht gehört habe. Er fordert die Verurteilung zu einer Geldstrafe von 1.650 Euro.

Schäden passen nicht zusammen

Das sieht der Verteidiger anders. Es sei nicht möglich, so großen Schaden anzurichten, ohne dass es Schäden am Lkw gebe. Die später gefundenen Schäden am Lkw seien mit diesem Unfall nicht kompatibel, sagt er und fordert Freispruch.

Richterin Ute Wehner spricht den Angeklagten frei. Ein schlüssiger Nachweis, dass der Angeklagte den Unfall verursacht habe, sei nicht möglich. Auch die Zeugen hätten keine Schäden an dem Fahrzeug festgestellt. Selbst wenn der Mann den Unfall verursacht hätte, fehle der Vorsatz. Er sei nicht weggefahren, sondern sei am Ort geblieben und habe sein Fahrzeug entladen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Staatsanwaltschaft kann noch Rechtsmittel einlegen.

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