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Den Radweg vergessen?

Nach der Instandsetzung der Ortsdurchfahrt Nossen sei die Straße für Radfahrer gefährlich, sagt ein Anwohner. Er sieht ein weiteres Sicherheitsproblem.

Die Hecken an der Kreuzung Karl-Marx-Straße/Sonnenstraße stellten eine Sichtbehinderung dar, sagt Anwohner Reiner Dippmann.
Die Hecken an der Kreuzung Karl-Marx-Straße/Sonnenstraße stellten eine Sichtbehinderung dar, sagt Anwohner Reiner Dippmann. © Claudia Hübschmann

Nossen. Eigentlich könnten sich die Nossener und vor allem die Anwohner der Straße Am Kronberg freuen. Erst vor wenigen Tagen wurde die Ortsdurchfahrt instandgesetzt. Die Straße erhielt eine neue Decke. Dennoch gibt es Kritik. Anwohner Reiner Dippmann kritisiert, dass bei dieser Gelegenheit kein Fuß- und Radweg angelegt wurde. "Seit die Straße neu gemacht wurde, rasen die Fahrzeuge hier wie verrückt. An die 50 Kilometer pro Stunde hält sich kaum einer. Für Radfahrer ist das sehr gefährlich, zumal hier viele große Lkw fahren", sagt der 82-Jährige. Die Straße würde vor allem von Mädchen und Jungen auf dem Weg zur Schule genutzt, aber auch von vielen Radlern, die ins Bad oder nach Meißen fahren.

Die Straße Am Kronberg, die Ortsdurchfahrt Nossen, wurde kürzlich erneuert. Doch warum wurde kein Radweg angelegt oder wenigstens markiert?
Die Straße Am Kronberg, die Ortsdurchfahrt Nossen, wurde kürzlich erneuert. Doch warum wurde kein Radweg angelegt oder wenigstens markiert? © Claudia Hübschmann

Doch warum wurde kein Fuß- und Radweg angelegt oder wenigstens eine Radlerspur markiert? Da es sich um eine Kreisstraße handelt, ist der Landkreis Meißen zuständig. Geplant und ausgeführt war die Oberflächeninstandsetzung der Fahrbahnbefestigung, heißt es aus dem Kreisbauamt.

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Es wurden vier Zentimeter Asphalt gefräst und vier Zentimeter Asphaltbeton neu eingebaut. Für die Stadt Nossen wurden im Rahmen des Auftrages die Straßenabläufe und Abdeckungen der Kanalschächte zu deren Lasten erneuert. Auch wurden die Bankette reguliert. "Es handelte sich um eine Instandsetzungsmaßnahme im Sinne der baulichen Straßenunterhaltung, nicht um einen Neubau", heißt es aus dem Amt.

Für die Anlage eines Fuß-Radweges wäre eine investive Planung mit Einbeziehung der Medienträger, der Stadt Nossen, mit Grunderwerb und ökologischer Bilanzierung sowie Einbeziehung von Fördermitteln notwendig gewesen. Federführend wäre die Stadt Nossen.

Kein Platz und kein Geld

Im angrenzenden Entwässerungsgraben lägen Versorgungsleitungen, welche umverlegt werden müssten. Auch die Straßenentwässerung müsste komplett neu reguliert sowie Abwasserleitungen und Schächte neu gebaut werden. In diesem Graben mündeten auch Oberflächenentwässerungen der privaten Anlieger. Diese müssten zurückgebaut und die Ableitungen in der Kronenbergstraße genutzt werden. Das Sonderprogramm Straße decke jedoch ausschließlich die Instandsetzungsmaßnahme und nicht den grundhaften Ausbau ab, so das Amt.

Für die Errichtung eines Gehweges wäre prinzipiell die Stadt Nossen zuständig, sagt auch Nossens Bürgermeister Christian Bartusch (SPD). Allerdings sei der Raum, der für einen Gehweg benötigt werde, am Kronberg nicht ausreichend. Darüber hinaus mangele es der Stadt Nossen an den für die Errichtung notwendigen finanziellen Mitteln. Fördermittel stünden nicht zur Verfügung.

Doch warum wurde nicht wenigstens eine Radspur markiert? "Für die Aufbringung eines ´Radfahrerangebotsstreifens` wäre der Landkreis zuständig", so der Bürgermeister. Der Kreis wiederum argumentiert, dafür sei die vorhandene Fahrbahnbreite nicht ausreichend. Radfahrer können außerdem die Kronbergstraße benutzen. Diese verläuft quasi parallel zur Straße Am Kronenberg durch ein Wohngebiet.

Doch auch hier sieht Reiner Dippmann Sicherheitsprobleme. An der Kreuzung Kronbergstraße/Sonnenstraße seien die Hecken zu hoch und stellten eine Sichtbehinderung dar. Zwar dürften Hecken bis zu zwei Meter hoch wachsen, im Kreuzungsbereich aber nur maximal 80 Zentimeter. Das interessiere aber niemanden, werde auch nicht kontrolliert, sagt er. In letzter Zeit habe es kleinere Unfälle mit Blechschaden gegeben, so der Nossener, der hier seit 1979 wohnt.

Nossen sieht keinen Handlungsbedarf. Nach dem sächsischen Straßengesetz dürften Anpflanzungen und Zäune sowie Stapel, Haufen oder andere mit dem Grundstück nicht fest verbundene Einrichtungen nicht angelegt werden, wenn sie die Sicherheit oder Leichtigkeit des Verkehrs beeinträchtigen. "Die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs ist an genannter Stelle aus unserer Sicht gegeben. Der angesprochene Bereich ist als Tempo 30-Zone ausgewiesen. An Kreuzungen und Einmündungen innerhalb der Zone gilt grundsätzlich die Regel rechts vor links. Hier brauchen keine entsprechenden Sichtfelder vorgesehen werden", so Bürgermeister Christian Bartusch.

Er habe sich bei der Polizei erkundigt. Dieser seien dort keine Unfälle bekannt geworden. Eine Satzung, nach der Hecken im Kreuzungsbereich nur 80 Zentimeter hoch sein dürften, existiere in der Stadt Nossen nicht.

Müll auf Grundstück soll beräumt werden

Dippmann hat noch einen weiteren Kritikpunkt. Das Gelände neben der Ortsdurchfahrt sei vermüllt, unter anderem lagere dort Asbest. Die Stadt als Eigentümer kümmere sich nicht darum. Stimmt nicht, sagt Bürgermeister Bartusch. "Das betreffende Grundstück befindet sich nicht im städtischen Eigentum. In der Tat befinden sich dort Ablagerungen. Wir haben dies der zuständigen Fachbehörde mitgeteilt", sagt er.

Immerhin ein kleiner Erfolg für Reiner Dippmann. Er will nicht aufgeben. "Ich werde schon als der Meckerer von Nossen bezeichnet. Aber die anderen Leute sagen nichts mehr, sie haben resigniert", sagt der 82-Jährige.

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