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Der Autodieb fährt ein

Ein Coswiger finanziert seinen Drogenkonsum mit Diebstählen und Einbrüchen. Beim Urteil bricht er in Tränen aus.

Auch dieses Rennkart wurde bei einem Einbruch in Coswig gestohlen.
Auch dieses Rennkart wurde bei einem Einbruch in Coswig gestohlen. © privat

Coswig/Dresden. Das Urteil, welches das Schöffengericht des Amtsgerichtes Dresden am Donnerstag gegen einen 30 Jahre alten Coswiger sprach, war zu erwarten. Schließlich hatten sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung bereits am ersten Verhandlungstag verständigt, dass bei einem Geständnis eine Haftstrafe zwischen zwei Jahren und drei Monaten bis zu zwei Jahren und neun Monaten verhängt wird, ein Teil der Tatvorwürfe im Hinblick auf diese zu erwartende Verurteilung eingestellt wird.

Das Gericht blieb dann in der Mitte, verurteilte den Mann zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft. Der Staatsanwalt hatte zwei Monate mehr gefordert. Dennoch brach der Angeklagte bei der Urteilsverkündung in Tränen aus. Er hatte gehofft, dass er noch mal eine Chance bekommt, also eine Bewährungschance. Doch das war bei dem in Aussicht gestellten Strafrahmen gar nicht mehr möglich, denn Haftstrafen von mehr als zwei Jahren können nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden.

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Das halbe Leben lang Drogen

Das Hauptproblem des Coswigers sind die Drogen. Seit 15 Jahren, die Hälfte seines Lebens, nimmt er Rauschgift. Schon 2010 wurde er zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren verurteilt, von der er ein Jahr absaß. Danach machte er eine Therapie, wurde nach fünf Jahren aber rückfällig. Er habe Rauschgift gegen den „Leistungsdruck“ auf Arbeit genommen, sagt er, jeden Tag Crystal, Minimum ein Gramm. Das geht natürlich mächtig ins Geld.

Um seine Sucht zu finanzieren, bricht er ein und klaut. So auch bei einem Coswiger Unternehmer, bei dem er mit einem Kumpel im Juni vergangenen Jahres eine Halle ausräumt und alles mitnimmt, was nicht niet- und nagelfest ist: einen Rasentraktor, einen Rasenmäher, einen Werkzeugschrank samt Werkzeug, einen Anhänger, mehrere Reifensätze, Helme und zwei Rennkarts. Die sind nach Aussagen des Geschädigten nicht mehr verwendbar. Insgesamt entstand ein Schaden von rund 20.000 Euro, den allerdings zu großen Teilen die Versicherung ersetzt hat.

Die Gegenstände sollten zu Geld gemacht werden. Den Erlös wollten sich er und sein Kumpel teilen.

Es sind nicht die einzigen Vorwürfe, es gibt eine regelrechte Serie von Einbrüchen und Diebstählen. So soll er auch in Coswig in drei Keller eingebrochen sein und jeweils E-Bikes im Gesamtwert von 9.200 Euro gestohlen haben.

Ein Einbruch in die Produktionsschule Moritzburg wird ihm ebenfalls vorgeworfen. Hier soll er mehrere Hundert Euro Bargeld erbeutet, aber auch zwei Handys und Autoschlüssel gestohlen haben. In eine Bäckerei und eine Fleischerei in Weinböhla drang er laut Anklage ebenfalls ein, stahl fast 1.000 Euro in zwei Geldkassetten.

Einbruch in Wettiner Forstverwaltung

Nicht zuletzt war er an den Einbrüchen in die Wettiner Forstverwaltung beteiligt. Die Täter, drei Männer und eine Frau - seine drogenabhängige Freundin - waren über den Zaun gestiegen, hebelten einen Schuppen auf, wo sie eine Kassette mit Schlüsseln fanden. So gelangten sie in die Räume und an Fahrzeuge, stahlen unter anderem zehn Kettensägen, vier Freischneider, etliche Werkzeuge, kistenweise Maschinenfett, Sägen, Bohrer, zwei Kisten Klarlack, Zeckenschutzmittel im Wert von insgesamt rund 15.000 Euro.

Unter anderem weil er die Rennkarts klaute, fährt er nun ein, und zwar ins Gefängnis und ganz ohne Auto. Besser gesagt, er bleibt drin. Denn seit August vorigen Jahres befindet er sich in Untersuchungshaft, zwischendurch saß er eine Ersatzfreiheitsstrafe wegen einer nicht bezahlten Geldstrafe ab. Das Dresdner Amtsgericht hielt den Haftbefehl aufrecht.

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