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„Der Bedarf an Nachhilfeunterricht wird steigen“

Eine selbstständige Englisch-Lehrerin macht sich Gedanken, wie der Lehrplan aufgeholt werden kann. Sie glaubt nicht daran, dass es möglich ist.

Juliane Eisenmenger hat ihren Sprachunterricht in Meißen unter Corona-Bedingungen komplett neu organisiert.
Juliane Eisenmenger hat ihren Sprachunterricht in Meißen unter Corona-Bedingungen komplett neu organisiert. © Claudia Hübschmann

Meißen. Sie unterrichtet mit Leib und Seele. Kinder und Erwachsene. Obwohl sie keine Lehrerin ist. Juliane Eisenmenger ist Sprachwissenschaftlerin in Meißen, bietet Deutsch- und Englischkurse an. Die Corona-Pandemie hat die 42-Jährige vor neue Herausforderungen gestellt. Wie unter den Bedingungen Unterricht gestalten? Digitales Lernen war auch für Juliane Eisenmenger wie für so viele Lehrer Neuland. Als Selbstständige hieß es für sie, neue Fertigkeiten aneignen, neue Technik zulegen. Investieren. Neu organisieren. Zudem haben sich zwei wichtige Firmenkunden vorerst zurückgezogen, da Online-Unterricht für sie bisher keine Option sei.

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„Onlineunterricht ist anstrengender. Schon allein immer auf den Bildschirm schauen“, sagt die Meißnerin. Zudem ist mehr zu organisieren. „Aber mittlerweile haben sich alle gut darauf eingestellt.“ Das Erlernen von allen Fähigkeiten – Lesen, Schreiben, Hören und Sprechen – sei auch digital gut möglich. „Es ist eine Superalternative, wenn ein Präsenzunterricht nicht machbar ist“, sagt die Sprachwissenschaftlerin resümierend.

Doch was für ihren individuellen Online-Unterricht gilt, ist für Lehrer an Schulen mit großen Klassen nicht möglich. Deshalb macht sie sich große Sorgen, wie die Jugendlichen demnächst ihre Sprachprüfungen schaffen sollen. „Der Bedarf an Nachhilfeunterricht wird steigen. Aber ob sich die Eltern das immer leisten werden können?“, fragt sich Juliane Eisenmenger. Sie hoffe diesbezüglich auf das angekündigte Hilfsprogramm der Bundesregierung.

In Nebentätigkeit Stiftungskoordinatorin der Anneli-Marie-Stiftung

Zurzeit sind ihre Kurse ausgebucht. Sie gibt Unterricht für Schüler von der ersten bis zur 13. Klasse. Bereitet Jugendliche auch direkt auf ihre mündlichen Prüfungen vor. Ab Sommer, wenn das Schuljahr vorbei ist, habe sie wieder freie Kapazitäten. Für einen erfolgreichen Unterricht, so sagt sie, „muss die Chemie stimmen“, egal ob es Kinder oder Erwachsene sind.

Juliane Eisenmenger, manchen bekannt als Stiftungskoordinatorin der Anneli-Marie-Stiftung in Meißen, gab bereits während ihres Studiums in verschiedenen Instituten in Dresden Nachhilfeunterricht. Um Erfahrungen zu sammeln, verbrachte sie längere Zeit im Ausland, so beispielsweise 13 Monate in Amerika und acht in England. Nach ihrem Hochschulabschluss hätte sie auch als Wissenschaftlerin arbeiten können. „Aber ich wollte etwas mit Menschen machen, etwas weitergeben“, erzählt sie. Doch als Lehrerin in einer Schule arbeiten – als Quereinsteigerin wäre das heute möglich –, das kann sich die Meißnerin nicht so richtig vorstellen. „Ich habe einen hohen Anspruch. Ich möchte jeden erreichen.“ Deshalb liebt sie den persönlichen Unterricht, bei dem sie individuell auf die einzelnen Teilnehmer eingehen kann. „Erfolge sind so relativ schnell sichtbar.“

Mehrbelastung durch Homeschooling

Eine Festanstellung nahm sie nie an, wagte nach ihrer Ausbildung 2007 sofort den Einstieg in die Selbstständigkeit und kann sich auch nichts anderes vorstellen. Neben Deutsch als Fremdsprache und Englisch gibt Juliane Eisenmenger noch Anfängerkurse in französischer Sprache, ebenfalls für Kinder und Erwachsene. Zudem mache sie auch Übersetzungen, „aber ich bin keine staatlich geprüfte Übersetzerin.“

Als Mutter von zwei Söhnen, dritte und achte Klasse, kennt sie die derzeitige Mehrbelastung durch Homeschooling. „Es ist oft nicht einfach.“ Und als Selbstständige mache sie sich natürlich auch immer Gedanken. „Aber ich bin froh, dass ich arbeiten kann und darf.“ Obwohl es auch immer Unsicherheiten bei ihr gab, wie sie den Unterricht in dieser Pandemie-Zeit gestalten soll. „Ich habe mich dann daran gehalten, wie es die Schulen machen.“ Zudem hat Juliane Eisenmenger ihren Unterrichtsraum in der Niederfährer Straße 32 den Bedingungen in Corona-Zeiten angepasst. Die Abstände sind größer, auch eine Trennscheibe hat sie extra angeschafft. Unterm Strich hat sie mehr Arbeit und weniger Verdienst. Aber sie klagt nicht, „alles ist gut für mich.“

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