SZ + Meißen
Merken

Der Lehrling war's

Weil bei einer Spedition die Ladung nicht richtig gesichert war, kam es am Zielort des Lkws zum Unfall. Doch wer trägt die Schuld dafür?

Von Jürgen Müller
 3 Min.
Teilen
Folgen
Täglich rollen Tausende Lkws über Autobahnen und Landstraßen. Im vorliegenden Fall kam es wegen schlecht gesicherter Ladung zu einem Unfall.
Täglich rollen Tausende Lkws über Autobahnen und Landstraßen. Im vorliegenden Fall kam es wegen schlecht gesicherter Ladung zu einem Unfall. © Symbolfoto: Lausitznews

Meißen. Das weiß jeder: Lkw-Fahrer sind im Dauerstress, sind großem Druck ausgesetzt. Tag und Nacht sind sie unterwegs, um Waren von A nach B zu bringen, haben einen straffen Zeitplan. Mitunter sind schwere Unfälle wegen Stress und Übermüdung die Folge. Doch sind es nur die Fahrer, die unter dem Druck leiden?

Wohl nicht, wie diese Verhandlung vor dem Meißner Amtsgericht zeigt. Auch in den Speditionen selbst herrscht großer Druck. Ein junger Mann ist wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. Bei Entladen eines Lkws kam es zu einem Unfall, bei dem ein Mann verletzt wurde. Ursache war, dass die Ladung nicht ordnungsgemäß gesichert war. Die ganze lange Fahrt vom Landkreis Meißen bis nach Süddeutschland geht das gut. Doch dann passiert es.

Vorarbeiter hatte keine Zeit

Angeklagt ist aber nicht der Lkw-Fahrer, sondern ein Mitarbeiter der Spedition, bei welcher das Fahrzeug beladen wurde. Der damals 19-jährige Lehrling ist sozusagen das kleinste Licht in der Firma. Er wurde von der Spedition für das Beladen mehrerer Lkws eingesetzt. "Ich stand an diesem Abend unter großem Zeitdruck, habe deshalb den Fahrer gebeten, selbst dafür zu sorgen, dass die Ladung ordentlich gesichert wird, habe mich auf ihn verlassen", sagt er.

Das hätte er nicht tun sollen. Denn es war nur ein Aushilfsfahrer. Doch auch er muss die Vorschriften kennen und einhalten. Der Angeklagte hätten trotzdem kontrollieren müssen. "Das wäre schnell gegangen, hätte vielleicht eine Minute gedauert", räumt er ein. Hinterher ist man eben immer schlauer.

Gab es denn keinen Vorarbeiter, war er allein verantwortlich, will der Richter wissen. "Doch, es gab einen Vorarbeiter in unserer Schicht, doch der hatte keine Zeit, war mit dem Beladen seiner Lkws beschäftigt", sagt der Mann auf der Anklagebank. Spart die Firma, die rund 200 Mitarbeiter und über 100 Lkws hat, an der falschen Stelle?

Eher eine arbeitsrechtliche Angelegenheit

Wie schwer der Mann am Zielort beim Abladen verletzt wurde, ist unklar. Die Staatsanwältin spricht von einem Leichtverletzten, der Verteidiger hingegen teilt mit, dass der Mann aufgrund dieses Unfalls Antrag auf Erwerbsunfähigkeitsrente gestellt habe. Die Frage ist für den Verteidiger, inwiefern sein Mandant Schuld trage. Aus seiner Sicht habe er zwar einen Fehler gemacht, aber der Vorfall sei eher eine arbeitsrechtliche Angelegenheit als eine strafrechtliche.

Auch der Richter sieht nur ein äußerst geringes Verschulden, stellt deshalb das Verfahren wegen geringer Schuld ohne Auflagen ein. Die Kosten des Verfahrens trägt damit die Staatskasse. Das Gericht hat auch berücksichtigt, dass die Sache nun schon vier Jahre zurückliegt. Schon im Strafbefehl, den der Angeklagte erhielt und gegen den er Einspruch eingelegt hatte, war ihm nur eine Geldstrafe an der untersten Grenze auferlegt worden.

Für ihn ist die Sache nun ausgestanden, für andere noch nicht. Auch gegen den Fahrer und Verantwortliche der Firma gibt es noch Verfahren. Der inzwischen 23 Jahre alte Angeklagte selbst hat jedenfalls sofort nach Beendigung der Lehre die Spedition von sich aus verlassen, sagt er.

Glück im Unglück haben jedenfalls alle gehabt. Hätte der Lkw die Ladung während der Fahrt auf der Autobahn verloren, wären die Folgen wohl ungleich größer gewesen.