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Der Polizistenhasser

Der Angeklagte ist bekannt dafür , dass er ein Problem mit Behörden hat. Bei einer Kontrolle tickt er aus. Erst als Meißner Polizisten kommen, beruhigt er sich.

Wenn der Angeklagte einen Polizisten sieht, gerät er in Rage. Nicht zum ersten Mal beleidigt er Beamte.
Wenn der Angeklagte einen Polizisten sieht, gerät er in Rage. Nicht zum ersten Mal beleidigt er Beamte. © Symbolfoto: Rene Meinig

Meißen. Der Angeklagte begreift gar nicht, was der Antrag der Staatsanwältin bedeutet. Sie hat gerade eine Haftstrafe von einem Monat beantragt. Ohne Bewährung. Das allein ist schon ungewöhnlich, denn derart kurze Haftstrafen werden in aller Regel zur Bewährung ausgesetzt. Kommt das Gericht dem Antrag der Staatsanwältin nach, hat das für den Meißner aber viel schlimmere Konsequenzen. Er müsste nämlich für ein Jahr und sieben Monate ins Gefängnis. Denn er ist Bewährungsbrecher. Deshalb würde die Bewährung für eine Haftstrafe widerrufen.

Was hat der Mann getan, dass er ins Gefängnis soll? Er hat etwas gemacht, was - leider - fast schon Alltag ist, er hat Polizisten beleidigt. Die wollen von ihm die Personalien feststellen, weil er als Tatverdächtiger einer Sachbeschädigung galt. Der 39-Jährige soll Fahrer- und Beifahrertür eines Polizeiautos mit einer unbekannten Flüssigkeit beschmiert haben. Eine Zeugin hatte das beobachtet, der Polizei den Mann beschrieben und gesagt, dass er in das gegenüberliegende Haus gegangen sei. Dort wohnt nur ein Mann, auf den die Beschreibung passt.

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Aggressiv und aufbrausend

Als die Polizei bei ihm klingelt, öffnet er die Tür, schlägt sie sogleich wieder zu. Er habe gebadet, sei völlig nackt gewesen und gedacht, dass seine Freundin klingele. Als die Polizei vor der Tür stand, sei er erschrocken gewesen, habe sich erst etwas anziehen wollen, sagt der Angeklagte.

Dann öffnet er erneut. Einen Polizisten soll er als "A..loch" bezeichnet und ihm vorgeworfen haben, er habe mal etwas Richtiges lernen sollen. Das sagt ausgerechnet einer, der seit drei Jahren von Sozialleistungen lebt. Im Verlaufe der nicht sehr netten Unterhaltung soll er die Polizisten auch als" Pack" bezeichnet haben.

"Der Mann war aggressiv und aufbrausend, ließ mich nicht aussprechen", sagt einer der Bereitschaftspolizisten aus Dresden. Weil die Lage zu eskalieren droht, wird Verstärkung gerufen. Erst als Beamte aus Meißen eintreffen, beruhigt sich die Situation.

Der Angeklagte ist dafür bekannt, dass er ein Problem mit Behörden und vor allem mit der Polizei hat. Er bestreitet das: "Ich habe grundsätzlich nichts gegen Polizisten. Es gibt aber welche, die die Bevölkerung als Feind ansehen", sagt er. Auch diese drei Bereitschaftspolizisten sind für ihn offensichtlich Feinde.

Weil er einen anderen Polizisten als "beschissenen Schutzmann" bezeichnet und den Mitarbeiter eines Jobcenters angegriffen hatte, wurde er bereits verurteilt, ebenso wegen gefährlicher Körperverletzung, Drogenbesitzes, Gefährdung des Straßenverkehrs, Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Urkundenfälschung. Die letzte Verurteilung könnte ihm nun auf die Füße fallen.

Doch er hat Glück. Richterin Ute Wehner sieht keine Notwendigkeit, den Mann ins Gefängnis zu schicken. Dies sei zur Verteidigung der Rechtsordnung nicht geboten, sagt sie. Zwar sieht sie die Beleidigungen für erwiesen an, verurteilt ihn aber nur zu einer Geldstrafe von 900 Euro. Das ist sogar weniger, als die Verteidigerin gefordert hatte.

Junge Polizisten übereifrig?

Möglicherweise spielte bei dem milden Urteil wohl auch eine Rolle, dass die drei jungen Bereitschaftspolizisten ein bisschen übereifrig waren. Wollten sie schnell einen Täter, weil es sich um ihr eignes Auto handelte, das da beschädigt wurde? Kann es sein, dass der Angeklagte möglicherweise zu Unrecht beschuldigt wurde und deshalb so austickte? Das Verfahren gegen ihn wegen Sachbeschädigung jedenfalls wurde wegen fehlenden hinreichenden Tatverdachts eingestellt. Und so schwer war wohl die Beschädigung auch nicht. Die Flüssigkeit konnte problemlos entfernt werden.

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