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Die Anklagebank leert sich bald

Vier Männer sitzen wegen Diebstählen vor Gericht. Zwei von ihnen hätten sich den ganzen Ärger ersparen können.

Von Jürgen Müller
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Nachdem sie einen Bauzaun ähnlich diesem aufgebrochen hatten, drangen die Angeklagten auf eine Baustelle ein und stahlen verschiedene Gegenstände.
Nachdem sie einen Bauzaun ähnlich diesem aufgebrochen hatten, drangen die Angeklagten auf eine Baustelle ein und stahlen verschiedene Gegenstände. © Daniel Schäfer

Meißen. Gleich vier Angeklagte sitzen vor dem Meißner Amtsgericht. Besser gesagt, sollten dort sitzen. Denn ein Platz bleibt leer. Der Angeklagte B., der an beiden vorgeworfenen Taten – einem Diebstahl und einem Diebstahl im besonders schweren Fall – nicht nur beteiligt, sondern der Initiator war, erscheint nicht zur Verhandlung. Doch die Anklagebank wird sich bald weiter leeren.

Den Männern aus Radebeul und Dresden wird vorgeworfen, in unterschiedlicher Besetzung Diebstähle begangen zu haben. So sollen drei von ihnen, darunter der fehlende Angeklagte, im März 2019 versucht haben, in einem Mehrfamilienhaus in Radebeul einen Hochdruckreiniger im Wert von 100 Euro zu entwenden. B. ist in diesem Haus als Hausmeister beschäftigt. Er ruft seine damaligen Kumpels an. Weil er weder Auto noch Führerschein besitzt, sollen sie am nächsten Tag um 9 Uhr den Hochdruckreiniger in dem Haus abholen. Die Tür sei offen, das Gerät stehe im Keller, sagt er.

Vom Eigentümer überrascht

Einer der beiden fährt schließlich hin, der andere bleibt zu Hause, weil er Probleme mit dem Knie hat. Es läuft alles wie geplant, bis der Eigentümer des Reinigers auftaucht, als der 30-Jährige das Gerät einladen will. Der Diebstahl scheitert, nun sitzt der Mann vor Gericht. "Ich habe mir nichts dabei gedacht, schließlich arbeitete mein damaliger Kumpel dort aus Hausmeister. Dass das Gerät gestohlen werden sollte, kam mir gar nicht in den Sinn", sagt er nun vor Gericht. Später habe B. gegenüber dem Hausverwalter und dem Eigentümer zugegeben, dass der Diebstahl seine Idee war, er "das Ding haben wollte".

Die Verhandlung hätten sich die beiden Männer sparen können, wären sie gleich zur Beschuldigtenvernehmung zur Polizei gegangen und hätten dort ihre Aussage gemacht. Haben sie aber nicht. Und so wurden sie angeklagt. Das Verfahren wird nun mit Verspätung ohne Auflagen eingestellt. Einen Freispruch gibt es nicht, denn dass die beiden wirklich völlig ahnungslos waren, wie sie angeben, nimmt ihnen das Gericht nicht ab. Die beiden können nach Hause gehen, die Anklagebank leert sich weiter.

Übrig bleibt nur ein 55-Jähriger, der mit B. auf einer Baustelle gestohlen haben soll. Gemeinsam hatten sie den Baustellenzaun aufgebrochen, von einem Radlader zwei Scheinwerfer abgeschraubt, auch andere Dinge wie eine Mörtelwanne und eine Baustellenlampe mitgehen lassen.

Der Mann gibt das alles zu. Er habe damals seinen schwer pflegebedürftigen Vater gepflegt, sei überfordert gewesen, habe Alkohol und Drogen genommen. Da kam der Anruf von B. gerade recht. "Ich wollte einfach mal raus, brauchte das Zeug von der Baustelle nicht", sagt er. Mitgemacht hat er trotzdem.

Das kostet den Mann, der auch schon wegen Diebstahls, Erwerb von Drogen und Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt wurde, nun eine Haftstrafe von drei Monaten, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Das ist die Mindeststrafe für Diebstahl im besonders schweren Fall. Zugutekommt ihm, dass die Tat vier Jahre zurückliegt und er geständig ist.

Urteil in Abwesenheit

Verurteilt wird übrigens auch B., obwohl er gar nicht anwesend ist. Gericht und Staatsanwaltschaft gehen ins Strafbefehlsverfahren über. B. wird per Strafbefehl – also ein schriftliches Urteil ohne Verhandlung – wegen Diebstahls im besonders schweren Fall und Diebstahls zu einer Haftstrafe von sieben Monaten verurteilt, die ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt wird.

Vorsorglich wurde ihm ein Pflichtverteidiger zugeordnet, denn gegen dieses Urteil kann er in Einspruch gehen. Dann wird erneut eine Verhandlung angesetzt. Kommt er wieder nicht, wird der Einspruch verworfen und das Urteil rechtskräftig.