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Die Kurve nicht gekriegt

In einer Linkskurve fährt ein Großenhainer auf der B 101 bei Soppen frontal gegen eine Mauer. Der Grund ist schnell klar. Etwas anderes ist bemerkenswert.

Das hat aber richtig gekracht. Der Skoda einer Mietwagenfirma wird abtransportiert, nachdem ihn der Angeklagte gegen eine Mauer gesetzt hatte.
Das hat aber richtig gekracht. Der Skoda einer Mietwagenfirma wird abtransportiert, nachdem ihn der Angeklagte gegen eine Mauer gesetzt hatte. © Polizei

Meißen/Großenhain. Der nächtliche Trip von Großenhain nach Dresden endet auf der Rückfahrt mit einem großen Knall. Auf der B 101 nahe Soppen fährt der 36-jährige Großenhainer an jenem Augustabend vorigen Jahres mit Karacho geradeaus. An einer Sandsteinmauer endet die Fahrt. Außer dem Fahrer befinden sich noch zwei weitere Insassen in dem Skoda Fabia. Es gleicht einem Wunder, dass niemand ernsthaft verletzt wird. Lediglich der 36-Jährige bekommt durch den aufgehenden Airbag eine Schramme an der Nase ab.

Doch wieso fuhr der Mann geradeaus? Der Grund wird schnell klar. Als die Polizei eintrifft, riechen die Beamten Alkohol. Ein Bluttest im Krankenhaus bestätigt das. Um 23 Uhr hat der Mann 1,98 Promille Alkohol im Blut. Bemerkenswert ist, dass er in diesem Zustand schon etwa 100 Kilometer gefahren ist. Denn die Tour ging von Großenhain nach Dresden und wieder zurück.

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Nüchtern wäre der Unfall wohl kaum passiert. Denn der Großenhainer ist ein geübter Fahrer, hat seit 2002 einen Führerschein.

Nur vier Bier getrunken?

Auf der Anklagebank gibt sich der Arbeitslose reuig. "Es war dumm von mir. Ich habe mich gut gefühlt, als ich ins Auto gestiegen bin, fühlte mich fahrtüchtig", sagt er. Er habe die Strecke nicht gekannt, es sei eine heftige Kurve gewesen, sagt er. Und außerdem sei es sehr dunkel gewesen. Das freilich ist nachts meistens so. Dafür haben ja Autos auch Scheinwerfer.

Vorher sei er bei einer Geburtstagsfeier gewesen. Dort habe er von 16 bis 20 Uhr vier Bier getrunken. Das hatte er dem Arzt gesagt, der ihm im Krankenhaus Blut abnahm. Es muss extremes Starkbier gewesen sein. Wenn er um 23 Uhr 1,98 Promille intus hatte, dürften es bei Fahrtantritt wohl locker um die 2,5 Promille gewesen sein. Wer mit diesem Blutalkoholwert noch Autofahren kann, ist ein Gewohnheitstrinker. Doch das will der Angeklagte nicht sein. "Ich hatte lange Zeit keinen Alkohol getrunken", sagt er. Auch das kann nicht sein.

Eine Gefahr für Leib und Leben

Das Auto hingegen ist Schrott. Es ist ein Mietwagen. Auf den Kosten bleibt er nun sitzen. Viel Geld für einen, der nur Arbeitslosengeld II bezieht. Die Alkoholfahrt kommt ihn nun mehrfach teuer zu stehen. Denn wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs verurteilt ihn das Gericht zu einer Geldstrafe von 1.200 Euro. Richterin Petra Rudolph hat dabei schon berücksichtigt, dass er für die Schäden am Mietwagen aufkommen muss. Die Fahrerlaubnis wird ihm entzogen, den Führerschein, der seit dem Unfalltag eingezogen wurde, sieht er frühestens in neun Monaten wieder. Aber auch nur dann, wenn er eine medizinisch-psychologische Prüfung besteht. Und auch die kostet samt Vorbereitung locker einen Tausender.

Dennoch hatte er allem in allem Glück im Unglück. Er sei absolut fahruntüchtig gewesen, habe eine Gefahr für Leib und Leben seiner Insassen dargestellt, so der Staatsanwalt. Es sei nur Zufall gewesen, dass niemand schwer verletzt wurde. Auch die Richterin redet ihm ins Gewissen. "In diesem Zustand hätten Sie auch jemanden totfahren können."

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