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"Mietenprognosen sind ein Blick in die Glaskugel"

Der Anstieg der Mieten auf dem Land ist langsamer als in der Stadt. Das sagt der Meißner Gutachterausschuss. Doch in einer Kategorie geht es rasant bergauf.

Der Wohnungsbau an den Stadträndern und auf dem Dorf gewinnt auch im Landkreis Meißen an Fahrt. Hier das beliebte Riesaer Wohngebiet Am Kalkberg.
Der Wohnungsbau an den Stadträndern und auf dem Dorf gewinnt auch im Landkreis Meißen an Fahrt. Hier das beliebte Riesaer Wohngebiet Am Kalkberg. © Klaus-Dieter Brühl

Herr Bönisch, Ihr Gutachterausschuss hat jetzt die neue Miet- und Pachtübersicht für den Landkreis Meißen veröffentlicht. Offenbar sind die hohen Steigerungen der Wohnungsmieten in den Großstädten jetzt auch im Meißner Land angekommen, oder?

Das kann man so nicht sagen. Es hat Steigerungen gegeben, die jedoch im Landkreis Meißen gegenüber den Großstädten eher moderat ausfallen. Eine räumliche Zuordnung ist nicht möglich, da unsere Miet- und Pachtpreisübersicht die Wohnungsmieten der Städte Coswig, Großenhain, Meißen, Radebeul und Riesa nicht enthält, da diese Städte ihren eigenen Mietspiegel haben. Daher kann es nur eine teilmarktbezogene Darstellung geben.

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Wo genau gab es die höchsten Steigerungen, wo die geringsten?

Im Teilmarkt Einfamilienhäuser ist eine Steigerung von 10 Prozent zu verzeichnen, im Teilmarkt Mietwohnungen von bis zu 5 Prozent.

Können Sie vielleicht doch etwas zur Entwicklung der Wohnungsmieten in Coswig, Großenhain, Meißen, Radebeul und Riesa sagen?

In diesen Bereichen hat es Steigerungen gegeben. Konkrete Aussagen sind aber nur durch die Städte selbst möglich.

Die geringeren Mietpreise auf dem Land - im Vergleich zur Landeshauptstadt zum Beispiel - scheint aber kein Argument für einen stärkeren Zuzug zu sein, oder?

Das kann man nicht nur an den Mieten festmachen. Die Entscheidungsfindung zum Umzug in den ländlichen Raum aufgrund einer Mietenexplosion ist zu komplex, um diese nur auf die großstädtische Mietsituation zurückführen zu wollen. Das hängt u. a. vom finanziellen Hintergrund der Umzugs- bzw. Bauwilligen ab. Aber auch von der örtlichen Infrastruktur sowie der Beschaffenheit des infrage kommenden Objektes.

Auf dem Land überwiegt ja traditionell das private Wohneigentum und nicht das Wohnen zur Miete. Hat sich daran etwas geändert?

Grundsätzlich hat sich daran nichts geändert. Es überwiegt im ländlichen Raum nach wie vor das private Wohneigentum. Hier sind auch Entwicklungen zu beobachten, die das Wohnen zur Miete attraktiver machen.

Wie sieht es mit dem Bau von Mietwohnungen im Landkreis Meißen aus?

Es hat eine Zunahme des Baus von Mehrfamilienhäusern in den letzten Jahren gegeben. Jedoch dienten diese überwiegend der Bildung von Wohnungseigentum, ob nun mehr zur Eigennutzung oder als vermietete Kapitalanlage ist allgemein schwierig zu beurteilen.

Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte im Landkreis Meißen Harry Bönisch. Die nachgeordnete Behörde des Landratsamtes sitzt in Großenhain.
Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte im Landkreis Meißen Harry Bönisch. Die nachgeordnete Behörde des Landratsamtes sitzt in Großenhain. © Landratsamt Meißen, Kerstin Thöns

Hat Corona etwas am Preisgefüge für Gewerbemieten verändert? Sind sie gefallen und werden sie weiter fallen?

Hinweise auf die Möglichkeit einer Mietanpassung bei den Gewerbemieten aufgrund der gegenwärtigen Gesamtsituation beziehen sich auf diese Möglichkeit. Die bisherigen Erhebungen haben aber solche Veränderungen nicht festgestellt. Das muss weiter untersucht werden.

Wie sieht es mit den landwirtschaftlichen Pachtpreisen aus?

Obwohl die Kaufpreise bei den landwirtschaftlichen Flächen zum Teil drastisch gestiegen sind, ist die durchschnittliche Pachtpreisentwicklung nahezu gleich geblieben.

Wie ist Ihre Prognose für die Wohnungsmieten in den nächsten Jahren?

Das gleicht einem Blick in die Glaskugel. Folgt man dem bundesweiten Trend insgesamt, ist eine weitere Steigerung im urbanen Bereich zu erwarten. Wie sich das im typisch ländlich geprägten Raum gestalten wird, kann ich so nicht vorhersagen. Wahrscheinlich ist, dass es auch hier Entwicklungen geben wird, aber dann eher verhalten. Das hängt neben der demografischen Entwicklung auch von der Stärkung des ländlichen Raums ab.

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Was raten Sie als Experte jungen Familien: Trotz der sehr hohen Baupreise ein eigenes Haus bauen und die noch sehr geringen Zinsen nutzen oder weiter zur Miete wohnen?

Das kann nur jeder für sich selbst entscheiden, ob er weiter zur Miete wohnen will oder sich ein Haus baut. Wichtig für diese Entscheidung ist, alle Eventualitäten, auch die negativen, zu prüfen und mit einzukalkulieren.

Es fragte: Ulf Mallek.

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