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Die Privilegierten

Tagesmütter sind von den amtlich verfügten Einschränkungen bei der Kinderbetreuung dieser Tage nicht betroffen – aus gutem Grund.

Tagesmutti Regina Philipp beim täglichen Spaziergang an der Elbe, hier mit Fietje und Frida.
Tagesmutti Regina Philipp beim täglichen Spaziergang an der Elbe, hier mit Fietje und Frida. © Claudia Hübschmann

Meißen. „Wir dürfen arbeiten“, sagt Regina Philipp. In diesen Zeiten ist das ein Privileg – für sie ebenso wie für die ihr anvertrauten Kinder. Regina Philipp ist eine von neun Tagesmüttern in der Stadt. Derzeit betreut sie drei Kinder im Alter zwischen eineinhalb und zwei Jahren.

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Die Amtliche Bekanntmachung des Dresdner Sozialministeriums vom vergangenen Freitag, die „Betriebseinschränkungen für Einrichtungen der Kindertagesbetreuung und Schulen“ im Kreis Meißen für den Beginn dieser Woche ankündigte, nimmt „Einrichtungen der Kindertagespflege“ ausdrücklich davon aus: Während Kindereinrichtungen seit dieser Woche wieder schließen müssen bzw. nur eine Notbetreuung anbieten können, dürfen Tagesmütter weiter ihre Dienste anbieten.

„Meine Kinder bilden eine kleine feste Gruppe“, sagt Regina Philipp: „Da lassen sich Hygienekonzepte am besten anwenden und einhalten. Über eine Whatsapp-Gruppe steht sie in ständigem Kontakt mit den Eltern. So lässt sich zum Beispiel sehr genau absprechen und koordinieren, um beim Bringen und Abholen der Kinder Begegnungen zu vermeiden oder auf ein Mindestmaß reduzieren zu können.

Aus Gesprächen mit den Eltern „ihrer“ Kinder weiß die Tagesmutter, wie wichtig es ist, dass ihnen jetzt diese Möglichkeit der stundenweisen Kinderbetreuung bleibt – vor allem dann, wenn sie ihre Arbeit im Heimbüro erledigen müssen. Die kleinen Gruppen sind nicht nur in hygienischer Hinsicht von Vorteil, sondern auch für die Betreuung.

Viel besser lasse sich beobachten, wie die Kinder zurechtkommen, sagt Regina Philipp, die die ihnen anvertrauten Kinder im Krippenalter in der Hafenstraße 5 betreut. Im Gegensatz zu ihren Erzieher-Kolleginnen und Kollegen in den Kindereinrichtungen, ist sie die einzige Bezugsperson während der Betreuungszeit.

Freilich gelten die Ansprüche an die Betreuung der Kleinen unabhängig davon, ob sie in eine Einrichtung oder zu einer Tagesmutti gehen. Und sicher eint alle das Ziel, möglichst viel an der frischen Luft zu sein – es macht aber einen Unterschied, ob drei Kinder Hilfe beim Schuhe-binden brauchen oder 14, sagt Regina Philipp.

Über das Portal „Little Bird“ können Eltern ihre Kinder auch bei einer Tagesmutti anmelden. Alle können von ihrem Wunsch- und Wahlrecht Gebrauch machen, so die Auskunft der Leiterin des städtischen Familienamtes Katrin Nestler.

Ines Hempel aus Meißen mit den drei Jungs ihrer fünf Schützlinge im Spielezimmer des "Raupennestes" in Klipphausen.
Ines Hempel aus Meißen mit den drei Jungs ihrer fünf Schützlinge im Spielezimmer des "Raupennestes" in Klipphausen. © privat

Neuanfang im „Raupennest“

Erst seit dem Beginn dieses Jahres ist Ines Hempel Tagesmutti. „Meine Mäuse“, wie die Meißnerin ihre Kleinen nennt, sind zwischen einem und anderthalb Jahre alt. Seit sie in angemieteten Räumen in Klipphausen ihre Kindertagespflege mit dem Namen "Raupennest" betreibt, gibt es in der Gemeinde zwei Tagesmütter.

Die ausgebildete Krippenerzieherin ist hier in ihren ursprünglichen Beruf zurückgekehrt. Den Ausschlag für diese Entscheidung habe Corona gegeben, sagt Ines Hempel. Der erste Lockdown zwang die selbstständige Kosmetikern vor genau einem Jahr, ihr Beautystübchen über Wochen zu schließen.

Das brachte Zeit zum Nachdenken mit sich – auch darüber, ob sich vielleicht etwas Neues wagen ließe. Der 50. Geburtstag im vorigen Jahr war dann so etwas wie eine Zäsur: „Wenn, dann jetzt“, sagte sie sich. Mit einer Abschiedsparty schloss sie im vorigen Juli ihr Beautystübchen am Roßmarkt in Meißen.

In der Kita in Taubenheim kehrte Ines Hempel im vorigen Herbst wieder in ihren Beruf zurück. Hier bereitete sie sich auch auf die neue Selbstständigkeit als Tagesmutter vor. Voraussetzungen dafür waren auch die Zulassung vom Jugendamt bei der Kreisverwaltung und ein Vertrag mit der Gemeinde.

Dazu war auch ein Konzept erforderlich, das alle vorlegen müssen, die Betreuungsdienste für Kinder anbieten. Für Ines Hempel spielt die Natur dabei eine große Rolle. So oft es geht, ist sie mit ihren Kleinen an der frischen Luft: „Da können die Kinder ausgelassen herumtollen, in Pfützen matschen und vieles selbst entdecken“, sagt sie. Im Garten hat ihr Mann ein Spielehaus aufgebaut. In der Gemeinde können sie Schafe, Hühner oder auch Alpakas beobachten. Ostern sollen zwei Hasen angeschafft werden. Die können die Kinder streicheln, aber auch beim Füttern und Pflegen helfen.

Die auf höchstens fünf Kinder begrenzte Gruppengröße weiß auch Ines Hempel zu schätzen. Schließlich muss sie alle ihre Schützlinge stets im Blick behalten können – auch dann, wenn sie in der integrierten Küche im Spielzimmer das Mittagessen vorbereitet. Mit den Erfahrungen aus dem Lockdown vor einem Jahr weiß sie es besonders zu schätzen, dass ihre Schützlinge jetzt weiter zu ihr kommen können. Das erfordert ebenso das Einhalten aller Maßnahmen aus dem Hygienekonzept.

„Es hätte nicht besser laufen können“, lautet Ines Hempels Resümee nach fast drei Monaten als Tagesmutti. Was gibt es Schöneres, als die Freude der lieben Kleinen zu sehen, wenn sie morgens ihre Ärmchen nach ihr ausstrecken, berichtet sie. Nein, die Entscheidung wieder in ihrem erlernten Beruf zu arbeiten, hat sie nicht bereut. Keinen einzigen Tag.

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