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Domchor-Sänger sind enttäuscht

Der Artikel zum Domkantor vergangene Woche hat zahlreiche kontroverse Wortmeldungen ausgelöst.

Ehemalige Sänger äußern sich, warum sie nicht mehr dem Domchor angehören.
Ehemalige Sänger äußern sich, warum sie nicht mehr dem Domchor angehören. © Symbolbild: Claudia Hübschmann

Meißen. Im SZ-Bericht "Ich will den Dom zurück in die Herzen holen" erklärte Domkantor Thorsten Göbel unter anderem, warum sich der Domchor verkleinert hat. Ehemalige Domchor-Sänger widersprechen ihm und nennen andere Gründe. Hier folgen beispielhaft einige Auszüge.

Michaela Mayer, Vorsitzende des Freundeskreises Dom-Musik Meißen e.V.: "Ich will den Dom zurück in die Herzen holen" – Das muss er wohl, weil er dem großen Domchor die Tür gewiesen hat. Nunmehr musiziert er mit dem kleinen Domchor von nur 30 bis 40 Sängern, deren Qualität er rühmt. Sein Argument, den Domchor coronabedingt verkleinert zu haben, ist unzutreffend. (...) Kantor Göbel lehnt die Zusammenarbeit mit gestandenen Sängern ab, die teilweise seit über 30 Jahren diesem Domchor angehören, und schließt sie aus. (…) Dieses Verhalten wird durch den Arbeitgeber Hochstift gedeckt. Das gipfelt darin, dass sich der Syndikus des Hochstiftes in rechtlich unvertretbarer Weise anmaßt, den Vorstand und die Ausschussmitglieder des Freundeskreises Dom-Musik in ein Sabbatjahr zu schicken und sie mit Hausverbot zu belegen.

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Ein weiteres Zeichen mangelnder Dialogbereitschaft ist die Tatsache, dass nach der Sommerpause mehreren Sängern das Mitsingen im Chor und durch den Chef des Hochstiftes sogar der Zutritt zum Dom verwehrt wurde. Alle Ausgeschlossenen (…) sind anderen Chören beigetreten oder pausieren. Dialogangebote seitens des Chores (…) führten zu keinem Ergebnis. (…)

Außerdem: (…) Die vorherigen Kantoren (haben) durch kompetente Nachwuchsarbeit die Kurrende mit bis zu 30 Kindern besetzt. Im Gegensatz dazu wirkten am diesjährigen Reformationstag nur fünf bis sechs Kinder mit.

Maria Donath, Ehefrau das ehemaligen Dombaumeisters, sei der vergangene Artikel hinsichtlich der Arbeit des Domkantors zu positiv ausgefallen: (…) Sicher war es schon problematisch, Herrn Göbel gegen das Votum der Mehrheit der Sänger seinerzeit als Domkantor einzustellen. Damit war das Verhältnis von Anfang an belastet. Nach dem Gedenkkonzert für Jörg Bräunig (ehemaliger Domkantor, Anm. d. Red) 2019 verließen schon einige Sänger den Chor. (…) Im Laufe der Zeit schaukelten sich die Probleme hoch, da viele nicht zufrieden damit waren, wie der Kantor mit der zugegebenermaßen schwierigen Corona-Situation umging, das heißt, eigentlich nicht damit fertig wurde. (…) Gespräche mit dem Kantor, um die sich vor allem der Vorstand der "Freunde der Dom-Musik" bemühte, kamen nicht zustande. Stattdessen wurde seitens des Domes Druck ausgeübt auf die Kritiker. (…)

"Die Herzen zurück in den Dom holen?" betitelt Reinhilde Nowack, Schatzmeisterin des Freundeskreises Dom-Musik, ihren Leserbrief und kommentiert Passagen des SZ-Artikels: Warum müssen die Herzen zurückgeholt werden, die waren im Dom mit seinen Mitwirkenden und Konzertbesuchern. Die Musik am Dom zu Meißen ist über die Landesgrenzen bekannt. 'Dankbar, dass eine PR-Stelle geschaffen wurde', aber mangels Finanzen wurde die musikalische Ausbildung der kleinsten Kinder eingestellt und nicht in den bisher bewährten Angeboten wieder aufgenommen. Die jetzige Anzahl der verbliebenen Kurrende ist sehr überschaubar. (…)

'Mehr Qualität (...) menschlich begegnet': Das ist eine Verletzung für die Hinterbliebenen und aussortierten Chormitglieder. Gute Qualität hatte der Domchor und die Dom-Musik schon bevor der neue Kantor kam. Der neue musikalische Stil wurde von den Mitwirkenden freundlich akzeptiert und mit großen Erwartungen verfolgt. Menschlich und besonders christlich wäre es gewesen, mit den Personen zu sprechen, welche kritische Nachfragen hatten. Stattdessen wurden langjährige aktive Sänger, welche besonders in der Vakanzzeit (als es keinen Domkantor gab, Anm. d. Red.) den Domchor organisierten und sich außerordentlich engagierten, als Erste vom Kantor entlassen, mit der Begründung 'einige Chormitglieder engagieren sich so stark, dass dies als störend empfunden wird'. (…)

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Birgit Lorenz, im Ausschuss des Freundeskreises Dom-Musik: Der Artikel über die Situation am Meißner Dom, speziell die Lage des Domchors, hat mich sprachlos, traurig und auch irgendwie wütend gemacht. Den ganzen Tag haben mich Nachrichten von Freunden erreicht, die meinten, was diese "Hofberichterstattung" solle. (…) Herr Göbel hat sich in der ersten Coronawelle überhaupt nicht gemeldet. Ich erinnere mich nur an eine Mail, in der er schrieb, dass er auf Kurzarbeit wäre und deshalb den Chor im Moment nicht betreuen könnte. Es gab nicht einmal einen Ostergruß, nicht eine kleine Mail mit ein wenig Optimismus. (…) Das empfanden viele Sänger als schockierend, weil es nun einmal das höchste christliche Fest ist. Diejenigen, die ihn daraufhin ansprachen, sind nun wegen angeblichen Mobbings des Chores verwiesen worden. (…) (Das) was über viele Jahre am Dom in der Musik aufgebaut wurde, wird im Moment zerstört und mit Füßen getreten. Der Dom war in den Herzen der Menschen! Zurzeit wird er vielen aus der Seele herausgerissen!

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